FDP verliert einen ihrer plakativsten Köpfe

Er gehört zu Duisburgs bekanntesten FDP-Politikern. Kaum ein Wahlkampf, bei dem Jörg Löbe nicht von Plakaten und Flyern den Menschen als meist völlig aussichtsloser Direktkandidat entgegenlächelt. Doch damit ist nun Schluss, nach 32 Jahren ist er aus der FDP ausgetreten.

Seine Partei habe auf das schlechte Ergebnis bei der Kommunalwahl nicht hinreichend reagiert, begründet er diese Entscheidung. „Die FDP ist in Duisburg inzwischen zu einer Fraktionsgruppe mit nur zwei Ratsleute zusammengeschrumpft.“ Damit ist Löbe (52) nicht zufrieden, mahnte daher zum Handeln. Er schlug vor, Wirtschaftsstammtische in Duisburg einzurichten und die Jungen Liberalen wieder aufzubauen, um für Nachwuchs zu sorgen. „Doch ich stand alleine“, lediglich sein Ortsverband Homberg/Ruhrort/Baerl mit seiner Hand voll Aktiven habe ihn unterstützte. Auch die Landespartei habe kein Engagement gezeigt, um das Ruder rumzureißen.

Erwartet hatte Löbe aber deutlich mehr Engagement – in Duisburg und in NRW. Ein inhaltlicher Kurswechsel sei dabei gar nicht nötig. „Die FDP in der Stadt, im Land und auf Bundesebene konnte ihre intelligente Politik nur nicht in Worte kleiden.“ Die Probleme, findet er, sind dennoch hausgemacht: „Niemand weiß, wer für die FDP steht und wofür die FDP steht. Die Bürger kennen außer Christian Lindner keinen anderen FDP-Politiker.“ Das könnten die Liberalen vor allem durch positive Arbeit vor Ort verändern, tun dies jedoch nicht.

Auch wenn Jörg Löbe sein eigenes Wahlergebnis „sehr passabel“ findet, ist er trotzdem enttäuscht. Mit dem Einzug in den Stadtrat hatte er zwar nicht gerechnet, jedoch damit, im Bezirk besser abzuschneiden, als Konkurrenten, die vor Ort weitgehend unbekannt sind. „Es wird nicht immer der gewählt, der die Sacharbeit macht.“

Bislang hatte ihn das aber nie gehindert, sich für FDP-Politik einzusetzen. Zumal er auch einige Erfolgserlebnisse verbuchen kann. Von 1999 bis 2008 saß der gelernte Banker in der Homberger Bezirksvertretung, dann zwang ihn sein Umzug in die Innenstadt, das Mandat aufzugeben. Seither vertritt er die FDP in einigen Ausschüssen der Stadt, als einziger Liberaler. Seine Erfahrungen dort sind ein weiterer Grund, warum er sich nun aus der Parteipolitik zurückzieht. So war er etwa in der sogenannten Baumschutzsatzungsfindungskommission: Um die neue Satzung zu erarbeiten, tagte die Gruppe viermal freitagnachmittags für je zwei Stunden und der Vermögensberater Löbe machte dafür extra früher Feierabend. Aber es sollte sich lohnen, denn schließlich war ein gemeinsamer Parteienkonsens gefunden. Doch der war für die Tonne. Der damalige Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) kassierte den Konsens. „Wir erfuhren davon erst im Nachhinein.“

Andere Partei kommt nicht in Frage

„Dies alles sind Gründe, warum ich aus der FDP ausgetreten bin und auch in Zukunft in keine politische Partei mehr eintreten werde“, sagt Jörg Löbe. Vor allem wird er die Podiumsdiskussionen mit Schülern vermissen, die ihm in seinen vielen Wahlkämpfen immer Spaß gemacht haben. Aber sein Engagement für seine Heimat will er nicht beenden. „Ich bringe mich jetzt stärker in der Bürgerstiftung Duisburg ein.“ Dort sitzt er im Aufsichtsrat.