Familienzentren weiter auf Erfolgskurs

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Familienzentren sollten noch einmal nachgezogen werden, damit sich die Mitarbeiter auf sicherem Terrain in ihrer Arbeit vor Ort bewegen und besser Kooperationen eingehen können und die Zentren sollten sich besser mit anderen Programmen vernetzen. Das sind die zwei Kernforderungen aus einem soeben erschienenen Report des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Studierende der Politikwissenschaften an der UDE haben dafür im Frühjahr in 31 Familienzentren Interviews mit den Leiterinnen geführt, die in diesen Report flossen. Gelten die beiden Kernforderungen auch für die 60 Duisburger Familienzentren?

„Nein, in Duisburg haben wir eine besondere Situation“, sagt Heike Wüst, Sachgebietsleiterin für Kindertageseinrichtungen beim Jugendamt. Laut Report helfen immerhin 14 Leiterinnen den Familien bei „Ämterangelegenheiten“. In Duisburg macht das niemand. Nicht, weil die Mitarbeiter in den Familienzentren das nicht wollen, sondern weil Duisburg in diesem Bereich breiter aufgestellt ist als andere Kommunen. Hier übernehmen diese Aufgabe in vielen Bereich die kommunalen Interkulturellen Begleiter, beraten Eltern in Einzelgesprächen und helfen auch bei Behördengängen.

Auch die Vernetzung in den Stadtteilen sei nicht nur gut, sondern schon entstanden, bevor die Einrichtungen Familienzentren waren. Was natürlich heißen soll, dass man nicht immer noch etwas besser machen kann.

Aber immerhin machen die Duisburger es so gut, dass das Münsteraner Institut für soziale Arbeit die Leitung eines Duisburger Familienzentrums eingeladen hat, seine Arbeitsweise doch einmal einem größeren Fachpublikum vorzustellen. Als gutes Beispiel. Um das belegen zu können hatte das Institut auch die Eltern befragt, was sie denn von der Arbeit des Familienzentrums halten und bekamen exzellente Kritiken. So fühlten sich die Eltern jederzeit willkommen und ernst genommen. So etwas lässt sich natürlich jeder gerne ins Stammbuch schreiben.

In Duisburg ist, wie in vielen anderen Städten auch, Familienzentrum nicht gleich Familienzentrum. „In Hochfeld brauchen wir andere Ansätze als im tiefen Westen“, erklärt Jugendamtsleiter Holger Pethke. So stand im Familienzentrum in Wanheim ein Vortrag über die Wiederentdeckung von alten Naturheilmitteln auf dem Programm, während in Marxloh die Kinder und Eltern mit Tom Waschkat kochten. Es kommt immer darauf an, was gerade benötigt wird, was die Eltern sich wünschen, was sinnvoll ist. So bietet die Stadt in 30 Gruppen Erziehungsberatung an. 90 Gruppen sind im Rucksack-Programm für Mütter mit Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren. Die Mütter erlangen Fähigkeiten, ihre Kinder im Spracherwerb und der allgemeinen kindlichen Entwicklung zu fördern.

Das alles ist nicht billig. 13 000 Euro im Jahr bekommt jedes Familienzentrum im Jahr vom Land, um Honorarkräfte für Projekte, Vorträge oder ähnliches zu finanzieren. In sozialen Brennpunkten sind es noch einmal 1000 Euro oben drauf. Dieser Ansatz gilt seit 2008, dem Jahr, in dem die ersten Familienzentren in Duisburg starteten. Denn mal zu erhöhen, so auf 15.000 bis 20.000 Euro, wäre prima, findet Jugendamtsleiter Holger Pethke. Denn mehr Geld durch Tariferhöhungen für Personal frisst in den Zuschuss-Topf ein immer größeres Loch, was das Angebot der Familienzentren schmälert.Pethke: „Inhaltliche Konzepte gibt es in rauen Mengen und unsere Kurse werden von den Eltern stark nachgefragt.“ Beim Thema Finanzen ist in Duisburg nicht alles anders als in anderen Städten.