Fachleute nennen Duisburger Mercatorhalle eine Murks-Baustelle
29.08.2012 | 10:38 Uhr 2012-08-29T10:38:00+0200
Duisburg. Nicht aktivierte Rauchmelder, Rigipsplatten statt Brandschutzwand. Die Begehung der Duisburger Mercatorhalle, die wegen Brandschutzmängeln geschlossen wurde, dokumentiert das gigantische Ausmaß des Pfuschs. Wie konnte eine komplette Riesen-Baustelle zur Murks-Baustelle werden? Darüber rätseln Gutachter, Sachverständige und Immobilien-Fachleute.
„F 0“, sagt einer der Experten sarkastisch zu einem Wandelement in der gesperrten Mercatorhalle. F 0, also null Brandschutz. „F 90“ oder zumindest „F 30“ für 90 oder 30 Minuten Schutz gegen Flammen und Rauch hätte es aber sein müssen: Die Medien-Begehung zu den kürzlich aufgeflogenen, skandalösen Brandschutzmängeln in Duisburgs Vorzeigehalle dokumentiert das gigantische Ausmaß des Pfuschs .
„Es ist richtig, dass die Mercatorhalle geschlossen wurde“, unterstreicht Uwe Rohde, der Chef des städtischen Immobilienservice IMD, nochmals beim Ortstermin am Dienstag. Vor einer Woche hatte das Oberbürgermeister Sören Link angeordnet, nachdem bei IMD-Untersuchungen hinter den Verkleidungen immer mehr Mängel beim Brandschutz festgestellt wurden. Mängel und Pfusch, die auch den hinzugezogenen Brandschutzsachverständigen Bernhard Kersting und Tüv-Rheinland-Gutachter Markus Fuchs nur staunen und das Schlimmste bei einem Brandunglück befürchten lassen.
Eklatante Mängel nach und nach aufgedeckt
Erst nach und nach deckten das IMD und die Experten in den vergangenen Monaten die eklatanten Mängel auf. Sie mussten erst 280 Revisionsklappen einsetzen und Verkleidungswände freilegen, um das Ausmaß der Schäden zu ermitteln. In einem der Gänge stießen sie nur auf unsachgemäße Kabel und Rohrabdichtungen, weil die Decke durchhing. Darüber auch ein Rauchmelder, an dem noch die Baukappe hing und er damit nicht aktiviert war.
Im Gänsemarsch wurden die Pressevertreter durch einen engen Schlitz in der Absperrplane geleitet. Sie reckten den Nacken zur Decke: Die Experten zeigten den Murks zwischen Kabelträgern, Kabeln, Deckenverkleidungen und einem Gewirr aus silber verkleideten Rohren und Schächten: Steinwolle ist da notdürftig zur Abdichtung zwischen die Rohre gepresst. „Das Zeug kostet nichts, es kann also keine Geldfrage sein“, meint Fachmann Kersting.
Rigipsplatten statt Brandschutzwand
Wo eine Brandschutzwand über dem Eingang sein sollte, pappen einfache Rigipsplatten. Und die Deckenabhängung ist an dem großen Lüftungsschacht angeschraubt. Das lernt man im ersten Lehrjahr, dass das nicht erlaubt ist. Genauso wie, dass man Wände in den Fluchttrassen bis zur Decke hochmauern muss. Ist es Absicht, dass andere schlampige Arbeiten erst sichtbar wurden, als Lüftungsschächte abmontiert waren?
Nach bisherigem Erkenntnisstand weist der große Saal selbst keine Brandschutzmängel auf. Sie treffen die Räume und (Flucht-)Wege um die Halle herum. deshalb muss sie gesperrt bleiben.
Ein kleiner Lichtblick: Es kann laut IMD-Chef Rohde möglich sein, dass der kleine Saal sowie die Tagungsräume und Büros in einigen Wochen wieder geöffnet werden könnten.
Bei jeder neuen Wand- oder Deckenöffnung entdeckten die Prüfer weitere Mängel. „Die gibt es überall und immer. Aber hier geht es um die Schwere und die Systematik, die offensichtlich dahinter steckt“, fasst Rohde zusammen. Dabei ist das gesamte Schadensbild immer noch nicht erfasst. Somit sind auch die Kosten ungewiss und auch die Zeit, wie lange die Mercatorhalle gesperrt bleiben muss .
Der Auftrag lautet nun: Alle Unterlagen, Dokumentationen und Abnahmeberichte werden unter die Lupe genommen und abgeglichen. Die beteiligten Architekten, Fachplaner und beauftragten Firmen wurden oder werden angeschrieben. Ob, wann und gegen wen Anzeige erstattet wird, ist dabei noch ungewiss. Rohde: „Bei einem Vorsatz ist das ein Straftatbestand.“
-
Seite 1: Fachleute nennen Duisburger Mercatorhalle eine Murks-Baustelle -
Seite 2: Hintergründe zum Brandschutz noch lange nicht geklärt -
Seite 3: Licht ins Dunkel - ein Kommentar von Oliver Schmeer
|
|
1 | 2 | 3 |

14:40
Kriminelle Energie - von so vielen Beteiligten? Oder einfach nur "deutsche Wertarbeit"? Alles muss schnell gehen und obendrein billig sein. Da braucht ein solches Ergebnis nicht zu wundern.
Es ist immer nur von der Mercatorhalle die Rede. Was ist eigentlich mit dem Rest des Gebäudes? Geschäfte, Büros und das Casino? Ist dort wundersamerweise alles in Ordnung?
14:07
leider hat sich die ruhmeshalle nicht von alleine dort hin gestellt.da wird schon jemand mit 2 armen + 2 beinen am werk gewesen sein.und an den inschinjör würde ich mich halten.
02:30
Das Stadttheater war keineswegs der Nachfolger der Tonhalle.
Beide Gebäude wurden auf dem ehemaligen Städtischen Friedhof ( heute König-Heinrich Platz ) errichtet und im Krieg massiv zerstört. Während man das Stadttheater wieder herrichtete wurde auf dem Gelände der ehemaligen Tonhalle die Mercatorhalle gebaut.
16:43
Was sagen die Verantwortlichen der Feuerwehr denn dazu ? Diese Herren Crain und Zimmermann? Crain war Chef der Feuerwehr und Zimmermann, der heutige Chef, war Chef des vorbeugenden Brandschutzes. Aber Beamte können sich so etwas alles erlauben.
Das frage ich mich auch. Wahrscheinlich haben die nach dem gleichen Konzept wie die Bezirksregierung Arnsberg bei Envio. Da wird nach Aktenlage entschieden und bei einem leckeren Mittagessen der Fragenkatalog abgearbeitet. Die Murks-Baustelle wurde von Murks-Gutachtern kontrolliert.
Bei der nächsten Pkw-Kontrolle werde ich den Fahrzeugschein und eine Wartungsrechnung vorlegen. Mal sehen, ob ich die Plakette bekomme.
15:53
ich frage mich wo waren denn die fachleute bei der bauabnahme????????
ODER HAT DAS NACHBAR JUPP GEMACHT??????
also müssen diese herrschaften zur verantwortung gezogen werden.
da sind dann ja dokumente gefälscht worden und und und.
nochmals
die herren die dieses bauwerk so abgenommen haben gehören vor den kadi .
aber es wird wieder soweit kommen das wieder ein kleiner mitarbeiter "gehängt" wird.
und wie auch schon andernorts geschrieben
wie sieht es denn im palais aus oder im casino?????
seltsam das nur in der halle gegen die brandschutzverordnung verstossen weorden sein soll.
das kommt mir sehr sehr seltsam vor.
15:18
.... und erst nach 5 Jahren fällt das auf?
Jeglich Gewährleistungsansprüche sind jetzt vorbei, also kann dafür nun der STEUERZAHLER alleine blechen!
Dem ist mitnichten so. Es gibt eine sogenannte Arglisthaftung des Bauunternehmers, dort gilt die Verjährung mindestens fünf Jahre (§634a Abs.3 S.2 BGB) und längstens 10 Jahre ab Entstehung des Schadensersatzanspruchs. Ebenso gibt es eine durch die Rechtsprechung entwickelte Haftung des Bauunternehmers wegen eines Organisationsverschuldens am Bau, hierbei max.10 Jahre Verjährung, wenn keine Körperschäden vorliegen.
Kann man zum weiteren Verständnis über Google, etc., finden.
14:18
Hinzu kommt noch das ich mehrfach erlebt habe das manche Baustellen mangels eigenem Personal einfach mit Leiharbitern aufgestockt wird...
Mein Highlight : 3! eigene Monteure und 40! Leiharbeiter....
Die Monteure deligieren dann nur,haben dadurch aber null Zeit auch mal die Qualität zu kontrollieren....
Da muss man sich über den "Pfusch" nicht wundern......
Das hat aber wohl recht wenig damit zu tun, daß z.B. statt ener Brandschutzwand eine Wand aus Rigipsplatten errichtet wurde.
14:14
Dieser "Pfusch" ist seit Jahren Routine.
Es gaht schon lange nicht mehr um Qualität oder Vorschriften sondern in erster Linie um die Einhaltung von Terminen...
Ich arbeite jetzt 20 Jahre auf Baustellen und es ist mit den Jahren immer schlimmer geworden...
Da wird dann halt 5 grade sein gelassen...wenn die Decke zu ist sieht das doch keiner mehr.....
Das ist Praxis,kein Einzelfall.....
Das allerdings die Baukappen auf den Brandmeldern bleiben...naja...sowas ist dann schon ein Hammer....
14:07
3. Welt wir kommen.
13:58
...DAS kann mir doch Keiner weis machen wollen, ohne hier Behauptungen aufzustellen!
MIR stellt sich allein die Frage; Ist trotz allem Pfusch und Murks der Weiterbetrieb der Halle nicht möglich? Sofern im Brand-/Alarmfall die Entfluchtung der Halle keine Problematik aufwirft, kann die Sicherheit doch durch technische Provisorien und Brandschutz-Wachpersonal entsprechend erhöht bzw. garantiert werden! DAS soll nicht möglich oder zu teuer sein? Trotz Schließung gehen die üppigen Mietzahlungen doch weiter, oder? Und in anderen "Palästen" ist das Publikum doch auch Großbaustellen gewohnt! Könnten die Sanierungsarbeiten nicht auch hier weitestgehend während des laufenden Betriebs erfolgen? Kosten begrenzen, Schaden minimieren, Sicherheit garantieren!..
Die Stadt wird am Ende aller juristischen Auseinandersetzungen eh auf einem riesigen Kostenberg sitzen bleiben!
Hat man bei anderen Projekten schon "im Stillen" Sicherheitschecks vorgenommen oder ist man dort mit Bescheinigungen zufrieden?