„Extremismus trocknet aus“

Spuren des 11. September gibt es nicht nur in New York. Das Attentat hatte Folgen in der ganzen Welt.  /Getty Images/AFP
Spuren des 11. September gibt es nicht nur in New York. Das Attentat hatte Folgen in der ganzen Welt. /Getty Images/AFP
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Duisburg.. Sein Blick in die Zukunft ist optimistisch: „Wir sind dabei, das Problem des 11. September zu überwinden“, erklärte Dr. Jochen Hippler, Politikwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen gestern bei einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Internationalen Zentrum der Volkshochschule.

Die Zeit der religiösen Extremisten sei wohl vorbei. „Und das liegt an den Menschen in Tunesien, Ägypten und Syrien, die ihre sozialen und politischen Rechte einfordern, die Diktaturen wegfegen und Demokratie wollen“, so der Friedensforscher. „Es handelt sich nicht um islamistische, sondern um nationale Revolutionen. In den neuen demokratischen Gesellschaften haben terroristische Gruppen keine Funktion mehr.“

Zuvor hatte Hippler über die Folgen des 11. September referiert. Er verwies darauf, dass das Attentat nicht aus dem Nichts heraus geschehen sei („Es gab eine ganze Reihe von Konflikten in und zwischen Ländern.“) und kritisierte, dass das Attentat mit zwei Kriegen - in Afghanistan und dem Irak - beantwortet worden sei. „Terrorakte wurden bis dahin als Verbrechen behandelt. Die Verbrecherbande wurde nun politisch aufgewertet und als gleichberechtigte Kriegspartei hingestellt. Das hat dazu geführt, dass der Konflikt sich zuspitzte und die terroristische Bedrohung größer statt kleiner wurde. Der Irak ist so erst zur Brutstätte terroristischer Gewalt geworden und die Taliban in Afghanistan haben erst dann mit al Qaida Kontakt geknüpft.“

Ideologie aus Ägypten

Die Polarisierung Westen versus islamische Welt - von den Attentätern angestrebt - sei verschärft worden und habe das internationale Klima weiter vergiftet. „Wenn heute die Quellen des Extremismus austrocknen, ist das kein Verdienst des Westens, sondern der Menschen im Nahen und Mittleren Osten, die für ihre Freiheit kämpfen“, so Hippler.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion erinnerte Moussa Al-Hassan Diaw (Uni Osnabrück) daran, dass die Überzeugung der Terroristen „eine Ideologie war, die es ursprünglich nur in Ägypten gab“, und die durch internationale Konflikte (an der auch USA und Sowjetunion beteiligt waren), nach Afghanistan und später in andere Länder kam. „Diese Ideologie wendete sich auch gegen die Muslime selber, sie hat niemals Rückhalt in der Bevölkerung gehabt“, erklärte er.