Experten wollen Bombe unter Duisburger Neubauten orten

Wenn der Traum vom Haus zum Alptraum wird: Neue Häuser im Franz-Schubert-Wohnpark in Rheinhausen.
Wenn der Traum vom Haus zum Alptraum wird: Neue Häuser im Franz-Schubert-Wohnpark in Rheinhausen.
Foto: WAZ-Fotopool
Was wir bereits wissen
Unter den gerade erst bezogenen Eigenheimen in der Duisburger Clara-Schumann-Straße soll sich laut Luftbildauswertungen eine Bombe befinden. Der Kampfmittelräumdienst will zunächst vom Garten aus versuchen, die Bombe zu lokalisieren. Scheitert der Versuch von außen, muss durch die Grundplatte der neuen Häuser hindurch gebohrt werden.

Duisburg.. Ortstermin auf einer Bombe: In dem verschneiten Garten des schmucken Doppelhauses, wo Dienstagmorgen Vertreter von Ordnungsamt, Kampfmittelräumdienst, Bauträger und Eigenheimbesitzer standen, soll sich nach Luftbildauswertungen eine Bombe befinden.

Das Gespräch blieb unaufgeregt, die Atmosphäre ruhig und sachlich. Gewissheit haben die neuen Eigentümer, die rund eine viertel Million Euro für den Traum vom eigenen Haus bezahlt haben, aber immer noch nicht. Ob sich der Bombenverdacht bestätigt, erfahren sie erst kommende Woche. Am Montag will der Kampfmittelräumdienst mit den Sondierungsbohrungen beginnen. „Wir müssen endlich Gewissheit haben. Sonst können wir hier nicht wohnen“, sagt einer der Anwohner.

Nachdem über den Bombenverdacht unter den gerade erst bezogenen Eigenheimen an der Clara-Schumann-Straße in Rheinhausen berichtet wurde, sorgt der Fall bundesweit für Schlagzeilen. Kein Wunder: Eigentlich darf so etwas nicht vorkommen, der Bauträger hätte das Grundstück vor Baubeginn untersuchen lassen müssen — und im September auch sofort die Arbeiten stoppen müssen, als die Stadt ihn über den Verdacht informierte. Bislang ist von einem Bußgeld die Rede, sollte die Stadt das Versäumnis als Ordnungswidrigkeit ahnden.

Kampfmittelräumdienst vor Schwierigkeiten

Dass die Bombe exakt unter dem Haus liegen soll, stellt den Kampfmittelräumdienst vor Schwierigkeiten. Zunächst vom Garten aus wollen die Experten am Montag versuchen, den Blindgänger genau zu lokalisieren. Sollte die Sonde, die sich mit einem Durchmesser von zwölf Zentimetern in die Erde bohrt, aber nichts Metallisches vorfinden, muss durch die Fliesen und die Bodenplatte im Keller gebohrt werden. „Man wird so lange suchen müssen, bis der Verdachtspunkt vollständig ausgeräumt werden kann“, sagte gestern Stadtsprecher Peter Hilbrands.

Stufen der neuen Treppe werden vorsorglich in Sicherheit gebracht

Dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass ihr Kellerboden perforiert wird, wissen die Käufer ebenfalls seit gestern: Um keine Zeit zu verlieren, sollen jetzt schon einmal die nagelneuen Stufen der Kellertreppe ausgetauscht werden, damit sie keinen Schaden nehmen, wenn der Kampfmittelräumdienst mit seinem Gerät anrückt.

Stößt die Sonde auf Metall, müssen die Experten „mit größerem Gerät“ bohren, wie es der Stadtsprecher formuliert. Was dann geschieht, sei von verschiedenen Faktoren abhängig: Was für eine Bombe ist es? Ist sie scharf oder kaputt? Kann sie entschärft oder — im wohl schlimmsten, anzunehmenden Fall — muss sie gesprengt werden?

Land übernimmt nicht alle Kosten

Der Kampfmittelräumdienst ist in Duisburg vor Jahren bei Sondierungsbohrungen schon einmal auf Metall gestoßen, konnte aber dann dennoch Entwarnung geben: Was die Sonde auf einem Baufeld entdeckt hatte, war lediglich Metallschrott.

Bleibt die Frage der Kosten: Wer zahlt am Ende eigentlich die Rechnung für den gesamten Aufwand? Wie Stefanie Klockhaus, Sprecherin der Bezirksregierung, auf Nachfrage erklärt, übernimmt das Land NRW sämtliche Kosten für die Untersuchung, die Bergung, das Personal und die Entsorgung von Kampfmitteln. Wer dafür anfallende Vor- und Nacharbeiten trägt, liege in der Entscheidung der Ordnungsbehörde.

Bei der Stadt Duisburg gibt es dazu eine klare Linie: „In der Regel ist das der Eigentümer“, sagt Sprecher Hilbrands. In dem konkreten Fall liege das Versäumnis aber wohl beim Bauträger, der der vorgeschriebenen Pflicht zur Untersuchung des Areals nicht nachgekommen ist. Da sind sich zumindest die beteiligten Behörden einig.