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Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr

22.05.2013 | 12:01 Uhr
Die Rocker von der letzten Bank: Einige Bandidos-Mitglieder besuchten die Aufzeichnung der WDR 5-Sendung "Rockerkrieg im Revier" mit Innenminister Ralf Jäger, OB Sören Link und Autor Jörg Diehl in Duisburg. Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Während hunderte Polizisten in Mülheim Hells Angels und Bandidos davon abhielt aufeinander loszugehen, diskutierten in Duisburg für die WDR 5-Sendung „Stadtgespräch“ Innenminister Ralf Jäger mit OB Sören Link und Autor Jörg Diehl („Rockerkrieg“) über die Bekämpfung krimineller Rockerbanden. Mehr als ein Dutzend Polizisten kamen auch - weil wie erwartet auch einige Bandidos mitdiskutierten.

Das nennt man wohl Duplizität der Ereignisse: Während hunderte Polizisten Razzien im Rockermilieu in Mülheim durchführten , diskutierten am Dienstagabend in Duisburg der NRW-Innenminister Ralf Jäger, der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link, Erich Rettinghaus , Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft sowie Jörg Diehl, Autor des Buches „Rockerkrieg “, wie man die Situation in den Griff bekommen kann. Sie waren zu Gast in der „WDR 5“-Sendung „Stadtgespräch“, die in der Aula des Getrud-Bäumer-Berufskollegs aufgezeichnet wurde.

Rund 30 Zuhörer, eine Traube Journalisten und mehr als ein Dutzend Polizisten, die für Sicherheit sorgen sollten, saßen im Publikum. Man war wohl darauf vorbereitet, dass einige Rocker auftauchen würden. So war es denn auch: Fünf Bandidos samt Pressesprecher lauschten in der hinteren Reihe. Dort wurden sie von der Polizei platziert. „Wir dachten, uns geht das hier auch was an“, erklärt „Bandidos“-Pressesprecher Micha – und moniert: „Gerne hätten wir auch ganz vorne gesessen und mitdiskutiert.“ Dieser Platz war den anderen Herren vorbehalten – und die waren sich einig: Die Situation an Rhein und Ruhr wird sich wohl künftig noch zuspitzen. Es könnten sich sogar weitere Clubs und Chapter in Duisburg und Umgebung ansiedeln.

„Nicht alle Rocker sind kriminell“

Rotlichtviertel
Politiker könnten neue Bordelle in Rockerstadt verhindern

Das große Duisburger Rotlicht-Viertel wird immer angeführt, wenn nach Gründen für die massive Rocker-Präsenz gefragt wird. Stellt sich die Frage: Lässt sich so etwas nicht verhindern?

„Mir ist schon ein bisschen mulmig, wenn man abends durch Duisburg läuft“, sagt eine ältere Besucherin, die die Diskussion im Publikum mitverfolgte. „Es sind ja nicht nur die Rocker, wir hatten ja hier auch die Mafia .“ Immerhin: Als Bürger habe man bisher nicht so viel davon mitbekommen. Ein anderer Mann aus Hochfeld sagt sogar: „Ich wohne direkt in unmittelbarer Nähe zum Rotlichtviertel. Seitdem die Stadt die Genehmigung zum Ausbau gegeben hat, ist es schlimmer geworden. Mit den Rockern hat das nix zu tun.“ Auf dem Podium wurde indes bezweifelt, dass es sich bei Bandidos, Hells Angels und Satudarah um freundliche Freizeit-Motorradfahrer handele. Jörg Diehl schränkte ein: „Nicht alle Rocker sind kriminell.“ 

Rockerkrieg-Diskussion

Allerdings seien gerade die jüngeren Mitglieder, die neu aufgenommen werden, sehr gewaltbereit. Und: Wenn ein Mitglied in Konflikt mit der Polizei komme, dann werde das nicht sanktioniert und mit der Polizei werde nicht zusammengearbeitet. „Bandido“ Michael widersprach: „Wenn wir einen Verkehrsunfall haben, holen wir auch die Polizei.“

Er gibt zu, dass die Chapter in letzter Zeit schnell gewachsen seien und man vielleicht nicht den Überblick habe, wer aufgenommen wurde. Was denn passieren würde, wenn ein Chapter komplett zu einer anderen Rockergruppe wechseln würde , hakte der Moderator nach. „Ich weiß, was sie jetzt hören wollen“, entgegnete Michael. „Das finden wir natürlich nicht gut. Aber wir haben kein Instrumentarium, dass zu ahnden.“

Rockerkrieg in NRW – Chronik der Gewalt

Jäger: „Alle unsere Verbote waren bisher gerichtsfest“

Erich Rettinghaus forderte noch einmal Verstärkung für seine Kollegen vor Ort. Mit Fußball, Rockern, aber auch Ermittlungen in Sachen Mafia gebe es erheblich mehr Arbeit als früher. Jäger betonte, er habe 1477 zusätzliche Polizisten eingestellt, die aber natürlich erst einmal ausgebildet werden müssten. Die Polizei mache einen guten Job. „Alle unsere Verbote waren bisher gerichtsfest. Das Gewaltmonopol geht vom Staat aus und nicht von Rockergruppen. Das lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen.“

Auch die Stadt wolle künftig wachsam sein."Wir liege in einer geostrategisch günstigen Lage", weiß Sören Link. "Aber das ist kein Duisburger, sondern ein regionales Problem." Stadt und Land arbeiten in der Sache zusammen. Beruhigter gehen die Besucher nicht nach Hause.

Razzia gegen Rocker in Mülheim

 

Fabienne Piepiora



Kommentare
24.05.2013
17:26
Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr
von Wurzelputz | #6

Ich lach mit tot!
EINE WDR-Sendung!

Und genau dieser WDR hat vor 1-2 Jahren einen Filmbericht über einen, ich sage mal Motorrad-Club, gezeigt, der wie eine Werbeveranstaltung aussah. Ich hätte keinerlei Bedenken gehabt, nach diesem Bericht, diesem Freizeitvergnügen beizutreten, zu grillen, wohltätig zu sein und ab und zu durch die Gegend zu cruisen.

Auch damals waren das "Experten", die jetzt scheinbar ratlos und planlos herumtappeln und herumdiskutieren.
Die Bürger können doch nichts anderes als das Wahlkreuzchen zu machen.

24.05.2013
13:38
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.05.2013
04:20
Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr
von edvina77 | #4

Gerade Duisburg entwickelt sich in jeder - aber leider auch wirklich jeder - Hinsicht immer mehr zu einem bevorzugten Tummelplatz, bzw. rechtsfreien Territorium für Gesindel aller Art und aus aller Welt (besonders aus Südosteuropa). Wie schon in Kommentar #3 erwähnt, werden offensichtlich aktuell die Rotlicht-Reviere abgesteckt. Hoffentlich behält die Polizei die sich immer mehr zuspitzende Lage im Interesse der Bürger im Griff und kann auf Dauer noch politisch unterscheiden, wen sie vor wem schützen muss. Langsam bieten sich fiktive Vergleiche mit der Kinowelt an, insbesonders mit der Stadt "Gotham-City". Ob Duisburg wohl auch bald aus eigenen Reihen einen "Dark Knight - Badman" hervorbringt?

22.05.2013
20:17
Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr
von DU-Kersten | #3

."Wir liege in einer geostrategisch günstigen Lage", weiß Sören Link. "Aber das ist kein Duisburger, sondern ein regionales Problem."

Ist schon auch ein Duisburger Probelm. Wegen des erwarteten Zuzugs 2014 werden schon mal die Reviere abgesteckt. Das Rotlichtviertel wird sich weiter vergrößern und genau hier will man seinen Einfluss und die Einnahmen sichern.

22.05.2013
19:59
Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr
von smallbrother | #2

"Jäger betonte, er habe 1477 zusätzliche Polizisten eingestellt, die aber natürlich erst einmal ausgebildet werden müssten. Die Polizei mache einen guten Job!"

In den letzten Jahren wurden 1000 Polizeibeamte NRW-weit jährlich pensioniert. 250 wurden eingestellt. Jetzt werden 1450 eingestellt und es gehen in den nächsten 10 Jahren über 2000 Beamte jährlich in den Ruhestand.
Herr Jäger , man kann auch alles schön reden und schreiben! Die Polizei tut was sie kann, aber sie hat gar keine ZEIT alles auszuermitteln , sondern verwaltet nur noch die Vorgänge.
Da SIE / die SPD / die Landesregierung und Frau Kraft als Ministerpräsidentin nunmehr wieder viele Polizeibeamte vor den Kopf stößt... mittlerweile verdient ein POK fast genau so viel wie ein PHK - freuen wir uns alle auf die kommenden geschönten Statistiken...

22.05.2013
19:47
Experten befürchten Zuspitzung der Rockerfehde an Rhein und Ruhr
von littlemoondog | #1

sehr informativ dieser artikel-ich bewundere immer mehr-die sachliche und fachliche kompetenz der journalisten !!

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