Experten - Auch in Duisburg weniger Supermärkte, mehr Fläche

Weniger Supermärkte, dafür größere Flächen, das sagen Experten für die Nahversorgung der Zukunft voraus.
Weniger Supermärkte, dafür größere Flächen, das sagen Experten für die Nahversorgung der Zukunft voraus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Weil kleinere Märkte nicht mehr rentabel sind, prognostizieren Fachleute einen Wandel in der Nahversorgung - auch in Duisburg.

Duisburg.. Samstags mit dem Auto zum Discounter und den Kofferraum füllen, nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause noch Zutaten für das Abendessen im Supermarkt besorgen – das Einkaufsverhalten vieler Menschen hat sich geändert. Aber wie ist die Situation für Menschen, vor allem ältere, die einen Laden in der Nachbarschaft benötigen, der auf kurzen Wegen zu erreichen ist? „Die Zukunft der Nahversorgung – zu Fuß einkaufen ade?“, überschrieb das Amt für Stadtentwicklung eine Diskussionsveranstaltung, die am Mittwochabend im „Kleinen Prinzen“ stattfand. Das Ergebnis: In Duisburg steht man vor Luxusproblemen – noch.

Die Karte, die Jörg Lehnerdt, Fachexperte der BBE Handelsberatung, an diesem Abend auf die Leinwand projizierte, war ein buntes Meer von Farben. Alle Vollsortimenter, Discounter und SB-Warenhäuser der großen Ketten in der Stadt waren darauf eingezeichnet. Dann entfernte er allerdings die Filialen, die unter den heutigen Faktoren für Wirtschaftlichkeit von den Händlern so nicht mehr gebaut werden würden. Das Ergebnis: eine graue Wüste mit wenigen Supermarkt-Oasen.

Neue Anforderungen der Ketten

Steht die Nahversorgung in Duisburg also vor einem Kahlschlag? „Das wird so nicht passieren“, wiegelte Lehnerdt ab, der mit der Karte die Anforderungen der Ketten an neue Filialen und die wahrscheinlichen Auswirkungen aufzeigen wollte. Denn: Ein Wandel im Handel stünde auch Duisburg bevor. „Da wird sich bestimmt einiges ändern.“ Mit kleineren Geschäften ließe sich inzwischen kein Geld mehr verdienen. Das konnten in der Diskussion auch die Vertreter von Edeka und Lidl bestätigen, beide Unternehmen planen kaum noch Märkte unter 1000 Quadratmeter, ein Edeka E-Center benötigt sogar 2500 Quadratmeter – und Flächen für Parkplätze.

Wegfall des Marktes in der Nähe kann zum Problem werden

Doch Lehnerdt betont, dass die kleineren Filialen in absehbarer Zeit nicht ersatzlos wegfallen werden. „Ein Standort wird nur aufgegeben, wenn sich ein aus Firmensicht adäquater Ersatz im gleichen Einzugsbereich findet. Man hört hier und da von einem Laden, der schließt“, erklärt der Experte der Beraterfirma. „Das klingt wie ein Rückzug auf Raten. Aber die Flächen werden insgesamt nicht weniger.“ Man dürfe sich nicht von der Zahl der Märkte blenden lassen.

Für die ältere Generation, die noch, aber auch nur zu Fuß mobil ist, kann der Wegfall eines Marktes in der Nähe allerdings zum Problem werden. Das unterstrichen bei der Veranstaltung Anwohner aus Bissingheim und Wedau. Nach den Maßstäben der meisten Unternehmen lohnt sich eine Ansiedlung hier allein mit Blick auf die Bevölkerungszahl nicht. „Wir versuchen, das Interesse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu vertreten“, versicherte Baudezernent Carsten Tum. Letztendlich sei die Stadt aber nicht der Betreiber der Märkte. Sie könne nur die Voraussetzungen für eine Ansiedlung schaffen, Laden-Schließungen allerdings nicht verhindern.