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Rockerprozess

Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen

21.01.2014 | 10:51 Uhr
Ali Osman hat vor Gericht sein Schweigen gebrochen.Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool

Duisburg.   Ali Osman, Ex-Chef des Satudarah MC, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Beteiligung an mehreren Verbrechen gestanden. Dieser Deal begrenzt sein Strafhöchstmaß. Osman begründet den Bruch des Rocker-Ehrenkodex mit einer Krankheit seines Sohnes. Der Rocker will aus dem Milieu aussteigen.

Im Duisburger Rocker-Prozess hat Yildiray K. - besser bekannt als "Ali Osman" - den "Rocker-Ehrenkodex" gebrochen und ein umfassendes Geständnis abgelegt. Bereits im November und Dezember räumte der ehemalige Präsident des Motorradclubs Satudarah MC an neun Terminen bei der Polizei die Beteiligung an mehreren Straftaten ein.

In dem Geständnis, das Osmans Verteidiger Klaus Spiekermann am Dienstag vor dem Landgericht Duisburg verlas, begründete der 38-Jährige seinen Sinneswandel mit einer lebensgefährlichen Erkrankung seines Sohnes. Diese habe ihm keine andere Wahl gelassen, als den Rocker-Ehrenkodex zu brechen. Der Junge, der wohl an Krebs erkrankt ist und dem mehrere Operationen bevorstehen, brauche nun seinen Beistand.

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Die leitende Ermittlerin der Duisburger Polizei, die am zweiten Verhandlungstag gehört wurde, nannte Osmans Geständnis "glaubwürdig" und "sehr wertvoll" für die weiteren polizeilichen Nachforschungen. Er gab nicht nur Einblicke in seine eigenen Tatbeiträge, sondern nannte auch Lieferanten und Abnehmer für die Drogengeschäfte des Satudarah MC. Das habe es bis jetzt noch nicht gegeben, dass der Präsident einer Rockergruppe so nachhaltig auspacke und Strukturen im Rockermilieu offenlege, sagte die Kriminalbeamtin aus. So seien auch die niederländischen Ermittler dank dieser Aussagen hochrangigen Satudarah-Mitgliedern des Motherchapters auf der Spur , gegen einen werde unter anderem wegen dreifachen Mordes ermittelt.

"Das sind hochgefährliche Leute gegen die mein Mandant ausgesagt hat", bestätigt der Verteidiger des 38-Jährigen. "So wie ich die Polizei verstanden habe, sieht sie ihn als gefährdet an." Nicht umsonst eskortieren SEK-Beamte den "Kronzeugen" Osman mit schusssicherer Weste zur JVA. So geht Anwalt Spiekermann auch davon aus, dass für seinen Mandanten Zeugenschutz und eine neue Identität notwendig sind.

Satudarah-Anhänger verlassen Gerichtssaal

Insgesamt 11 von 15 Anklagepunkten räumte Osman ein: Drogenschmuggel und Verstöße gegen Waffengesetze. Seine Club-Kameraden quittierten das auf unmissverständliche Weise: Kaum hatte der Angeklagte den Vortrag der Verteidigung als seine eigene Einlassung bestätigt, standen zehn Männer im Zuschauerraum auf und verließen demonstrativ den Gerichtssaal. Der Satudarah MC hat augenscheinlich mit seinem ehemaligen Präsidenten gebrochen und ihn fallen gelassen.

Zeugenschutz
Um das Zeugenschutz-Programm kümmert sich das LKA

Beim Thema Zeugenschutz wird der Sprecher des Landeskriminalamtes NRW (LKA), Frank Scheulen, schon allein aus Sicherheitsgründen ganz schmallippig. Dieser, so erklärt er, werde jeweils von der örtlichen Polizeibehörde verhängt. Heißt, die Polizei – im Fall des Rockers Ali Osman ist das die Duisburger – schätzt die Gefährdung eines Zeugen ein, damit anschließend eine Abteilung des LKA dessen Schutz organisiert.

Dabei ist die Bandbreite des Zeugenschutzes groß. Sie reicht von einem Umfeldwechsel und strengem Schutz für persönliche Daten bis hin zu einer neuen Identität für die gefährdete Person. Im Extremfall wird sie für tot erklärt.

Einer der bekanntesten Menschen, die nach einer Kronzeugen-Aussage ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurden, ist Giorgio Basile, ein Killer der italienischen Mafia ‘Ndrangheta, der in Mülheim aufwuchs. Er lebt heute mit neuer Identität in Italien. (hl)

Zuvor hatte der Vorsitzende das Resultat der Rechtsgespräche bekannt gegeben, die die Juristen nach dem ersten Verhandlungstag am Freitag geführt hatten: Für den Fall, dass Yildiray K. einen Großteil der Anklage einräumt, hat er eine Strafe zwischen sechs Jahren drei Monaten und siebeneinhalb Jahren zu erwarten.

Familie steht unter Polizeischutz

Yildiray K. - seine Familie steht unter Polizeischutz - gab auch zu, indirekt für die Schüsse auf einen Kiosk in Beeck verantwortlich zu sein. Ziel sei eigentlich der bei den Hells Angels aktive Schwager seines damaligen Sergeants Christian J. gewesen - inzwischen auch in Haft und wertvoller Informant der Polizei. Den Handgranatenwurf auf ein Vereinsheim der Hells Angels in Rheinhausen bestreitet „Ali Osman“ allerdings: „Damit hatte ich nicht zu tun.“

Nach seiner Haftentlassung wolle Ali Osman aus dem Milieu aussteigen und nicht mehr Mitglied eines Rockerclubs sein. Zudem plane er einen Drogenentzug. Seit seiner Jugend ist Osman, der im Duisburger Westen aufwuchs, drogenabhängig. Ohne Kokain hätte er "die Satudarah-Zeit nicht geschafft, bei Satudarah muss man stark sein", sagte Yildiray K. seinerzeit bei der Polizei aus. Inwiefern der Drogenkonsum Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten und ein späteres Urteil hat, bleibt abzuwarten.

Satudarah-Chefs in Duisburg vor Gericht

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Kommentare
22.01.2014
07:48
Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen
von Sentinel | #17

Nüchtern betrachtet: Wer sich mit der Rockerszene beschäftigt der weiß, dass es die Ehre und den Ehrenkodex unter den Brüdern der Rocker gibt. Beim...
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2 Antworten
Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen
von foxtrott | #17-1

@Sentinel:

Nüchtern betrachtet sind Begriffe wie Ehre und Ehrenkodex und Rockerbrüder emotional aufgeladene Worte für eine Gesellschaft, die sich eigene Gesetze schafft und andere, die sich dem nicht unterordnen, automatisch zu Gegnern erklärt. Erinnert doch immer wieder an uralte, fundamentalistische Pseudoreligionen.

Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen
von Fakeman | #17-2

Kindergartenkram ist das!

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Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen
Ex-Satudarah-Chef Ali Osman will aus Rocker-Szene aussteigen
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2014-01-21 10:51
Rocker, Satudarah MC, gericht, Rockerprozess, Polizei,
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