Ex-Gebag-Chef soll kleine Rente erhalten

Die Richter des Oberlandesgerichts Düsseldorf sahen grobe Pflichtverletzungen des ehemaligen Gebag-Chefs Dietmar Cremer, machten ihn mitverantwortlich für das Fiasko an der Küppersmühle und verurteilten ihn zu 7,3 Millionen Euro Schadenersatz. Jetzt soll der Ex-Vorstand doch noch eine kleine Rente aus der Gebag-Kasse erhalten — obwohl die städtische Baugesellschaft von ihm keinen Cent Schadensersatz kassieren wird.

Der Hintergrund: Cremer soll angeblich kein Vermögen besitzen, nach eidesstattlicher Versicherung weitgehend mittellos sein. Erstaunlich: Der jahrelange Gebag-Chef gehörte zu den Spitzenverdienern unter den Kommunalmanagern, kassierte 2010 ein Jahresgehalt von 390.000 Euro. Dennoch gilt er als zahlungsunfähig, könnte bei Forderungen im Zweifel Privatinsolvenz beantragen.

Für die Gebag besteht die Gefahr, dass sie dann womöglich seine üppigen Pensionsansprüche von 18.700 Euro, die sie 2012 eingefroren hatte, erst an einen Insolvenzverwalter und nach dem Verfahren an Cremer zahlen müsste. Die Schadensersatzansprüche wären nach der Privatinsolvenz ohnehin vom Tisch. Deshalb will sich die Gebag jetzt in einem Vergleich mit Cremer einigen, dem der Rat am Montag noch zustimmen soll.

Cremer soll den Vergleich längst unterschrieben haben. Das Papier sieht vor, dass die Gebag ihrem Ex-Vorstand einen Betrag unter der Pfändungsgrenze zahlt. Abzüglich von anderen geringen Einkünften Cremers sollen das monatlich knapp 1400 Euro sein. Hinzu kommen die Kosten für eine private Krankenversicherung, die ebenfalls die Gebag trägt. Im Gegenzug verzichtet Cremer auf weitere Ansprüche.

Zwar erhält die Gebag auch dann keinen Schadensersatz, kann aber immerhin den größten Teil der Pensionsrückstellungen für ihren Ex-Vorstandschef auflösen. Und das sind laut dem entsprechenden Jahresabschluss stolze 4,4 Millionen Euro. Alleine im Jahr 2011, als der Vertrag mit Cremer gegen eine Abfindung von 95.000 Euro aufgelöst wurde, zahlte die Gebag noch 884.000 Euro auf sein Pensionskonto ein. Das Geld würde sofort die angeschlagenen Liquidität der Gebag aufbessern.

Im Fall der zweiten Gebag-Chefin Marianne Wolf-Kröger wird dagegen wohl kein Vergleich nötig sein: Der Aufsichtsrat hatte ihr im Dezember 2011 fristlos gekündigt, das Gericht verurteilte sie 2014 zu 5,7 Millionen Euro Schadensersatz. Pensionsansprüche gegen die Gebag hat Wolf-Kröger nicht: Die Beiträge für eine private Altersvorsorge zahlte ihr die Gebag direkt aus, im Jahr 2011 waren das 235.000 Euro.