„Es wird überhaupt keine sachliche Debatte geführt“

Der Zoo ist eines der Aushängeschilder der Stadt. Seit seiner Gründung im Jahr 1934 lockt der Tierpark jedes Jahr hundertausende Besucher. Das Delfinarium gehört zu den Besuchermagneten. Zoo-Direktor Achim Winkler äußert sich im Gespräch mit Fabienne Piepiora auch zur Kritik der Tierschützer an der Delfinhaltung.

Als vor 50 Jahren die Delfine ankamen, war landläufig von „Fischen“ die Rede. Wie konnte das passieren?

Man glaubt gar nicht, wie wenig die Menschen auch heute noch über unsere Tiere und die Natur wissen. Da werden auch Otter mit Robben verwechselt. Aber es ist ja unsere Aufgabe als Zoo, den naturentfremdeten Menschen der Großstadt die Tierwelt näher zu bringen. Und vielleicht verlässt der eine oder andere Besucher den Tierpark schlauer als er hereingekommen ist.

Gehen alle Zoo-Besucher auch ins Delfinarium?

Früher, als man noch getrennt Eintritt bezahlen musste, gingen 75 Prozent aller Besucher ins Delfinarium. Inzwischen sind es annähernd 100 Prozent. Die Delfine sind ebenso wie Affen, Elefanten, Giraffen und Erdmännchen die absoluten Publikumsmagneten.

Nicht allen gefällt, dass es in Duisburg noch Delfine gibt.

Es wird in Sachen Delfin-Haltung überhaupt keine sachliche Debatte geführt. Die Kritiker greifen sich die Delfine heraus, weil sie bei den Menschen beliebt sind. Keiner kritisiert jedoch die Haltung von Wisenten oder Stachelschweinen, denn da ist das öffentliche Interesse nicht so groß. Es werden immer wieder die gleichen falschen Behauptungen zur Delfinhaltung wiederholt. Sicherlich sind in den Anfangsjahren auch Fehler passiert. Es sind Jungtiere verstorben, weil es noch überhaupt keine Erfahrungswerte gab. Erst später haben wir z.B. gelernt, dass sich bei neugeborenen Delfinen das Immunsystem erst über Wochen und Monate entwickeln muss, weshalb heute bei Jungtieraufzuchten eine strikte Quarantäne eingehalten wird. Zu Beginn gab es sogar noch Einzelbecken für die Tiere, wo sie nachts untergebracht werden sollten. Man hat aber sogleich erkannt, die Tümmler auch nachts zusammen zu lassen, weil es zu ihrer Natur gehört. Inzwischen haben wir ein großzügiges Mehrbeckensystem, in dem sich die Tiere auch mal aus dem Weg gehen können. Das ist wie mit anderen sozialen Wesen, die haben nicht immer nur gute Laune.

Wären die Tiere in freier Natur lebensfähig, wenn sie nun frei gelassen würden?

Es gibt überhaupt keine Veranlassung und keine rechtliche Grundlage, die Delfine auszuwildern. Grundsätzlich werden nur Tiere ausgewildert, die in der Natur bedroht sind. Das ist bei den Großen Tümmlern nicht der Fall. Außerdem muss man eine Auswilderung aufwändig vorbereiten, damit sich die Tiere an ihre neue Umgebung gewöhnen, sie zum Beispiel lernen, ihren Fisch selbst zu fangen. Die Delfine werden bei uns viel älter als in freier Wildbahn, weil sie hier keine natürlichen Feinde haben, ihr Essen serviert bekommen und bei Krankheiten vom Tierarzt versorgt werden. Natürlich kann auch mal ein Tier versterben, aber das ist der natürliche Lauf der Dinge. Die Kritiker wollen sich oft gar nicht mit dem Sachverhalt auseinandersetzen, sondern brauchen offenbar nur eine Bühne. Wir haben auch gelernt im Zeitalter von Internet und Facebook transparenter mit der Öffentlichkeit umzugehen.

Wird der 50. Geburtstag des Delfinariums groß gefeiert?

Im Juli wird es ein Aktionswochenende geben. Aber eigentlich sind wir gerade ziemlich damit beschäftigt, dass unsere Delfin-Dame Pepina bald Nachwuchs erwartet. Der soll im Herbst auf die Welt kommen. Da freuen wir uns schon drauf, und das ist für uns das beste Geschenk zum Jubiläum.