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Erinnerung an ru(h)mreiche Zeiten

19.01.2009 | 18:48 Uhr

KONZERT. Die Großväter der kubanischen Salsamusik gastierten mit "The Bar at Buena Vista" im ausverkauften TaM.

Ehe die Entführung der Zuschauer in das Havanna der 1950er Jahre am Freitagabend richtig begann, erfuhren die Zuhörer erst einige Details dieser ru(h)mreichen Zeit. "Hier trafen sich die Schönen und Reichen aus aller Welt und genossen das Leben und die Musik." Lang ist´s her. Nur wenige Kubaner können sich an diese Zeiten erinnern. Manche von ihnen lassen diese gute alte Zeit regelmäßig in den Konzertsälen der Welt aufleben. Sie sind die Großväter der kubanischen Musik und gastierten mit ihrem Programm "The Bar at Buena Vista" im ausverkauften Theater am Marientor (TaM).

Auch der unangefochtene Superstar dieser Show, Reynaldo Creagh, wurde mit einigen kurzen Sätzen in akzentreichem Englisch angepriesen, ehe er die Bühne betrat. "Er ist mit 91 Jahren der vielleicht älteste Sänger der Welt. Und der sexieste." Dann kam Creagh, Jahrgang 1918, auf die Bretter, die sein Leben seit seiner Kindheit bestimmten. Langsam, dem Alter entsprechend, bewegte er sich und verkündete, dass er sein erstes Lied allen Frauen im Saal widmen werde. "Aber bitte", betonte er unschuldig, "liebe Männer, seid nicht eifersüchtig". Und dann sang Creagh "Dos Gardenias para ti", eines der bekanntesten Werke, das seit 1996 die endgültige Wiederauferstehung der kubanischen Salsamusik ausmachte. 3.35 Minuten und einen ersten Jubelsturm des Publikums später beglückte Creagh das Auditorium mit gehauchten und geworfenen Handküssen und zog sich auf seinen Stuhl im hinteren Drittel der Bühne zurück, um eine dicke Zigarre zu rauchen.

Doch mit Maestro Guillermo "Rubalcaba" Gonzàles (81), dem Mann mit den goldenen Händen am Piano, und Papi Oviedo (78), dem bekanntesten Tres-Spieler Kubas, sind weitere musikalische Schwergewichte dabei, die ihre Instrumente seit 70 und mehr Jahren beherrschen.

"The Bar at Buena Vista" ist aber viel mehr, als nur Musik. Ausdruck der Lebensfreude sind Rum, Tabak, schöne Frauen und vor allem Tanz. Und der Meister des traditionellen Son der 1940er und 1950er Jahre ist Eric Turro Martinez. Mal wie ein karibischer Wirbelsturm, mal erhaben sorgte Turro für grenzenlose Begeisterung im Publikum. Mit spielerischer Leichtigkeit fegte er minutenlang kreuz und quer über die Bühne, umwirbelte dabei bis zu drei Tänzerinnen gleichzeitig und verlor seinen keck sitzenden Hut stets nur dann, wenn es in die Show passte.

Auch das Programm kommt in die Jahre

Fünf neue Songs hatten die Veranstalter ins Programm, das seit sechs Jahren aufgeführt wird, aufgenommen. Das täuschte jedoch nicht darüber hinweg, dass nicht nur die Akteure, sondern das gesamte Gute-Laune-Spektakel allmählich selbst in die Jahre kommt. Die Begeisterung der Truppe wirkte oft bemüht gespielt. Doch das machte Creagh dann doch wieder vergessen. Ehe der Vorhang fiel, warf er seinen Gehstock in die Ecke, ging in die Knie und ließ zur Musik unzweideutig die Hüfte kreisen.

MARCO HOFMANN

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