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Berufspraktikum

Entwicklungsprozess Berufsreife

24.10.2012 | 10:00 Uhr
Entwicklungsprozess Berufsreife
Im Willy Brandt Berufskolleg in Duisburg Rheinhausen erklärt Werkstattlehrer Norbert Frankenbusch, wie Metallbearbeitung funktioniert.Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Das Willy-Brandt-Berufskolleg ist überzeugt, dass man mit der Einführung in die Berufswelt nicht früh genug anfangen kann. Aktuell kommen wöchentlich Hauptschüler der siebten Klasse in die Werkstatt des Kollegs, um an einem Flaschenöffner zu feilen - und ein bisschen auch an sich selbst.

Stehen ist schon anstrengend, feilen noch viel mehr, da geht mancher der Siebtklässler ja lieber zur Schule. Zehn Schüler der Friedrich-Ebert-Hauptschule machen in diesem Halbjahr aber einen Praktikumskurs in den Werkstätten des Willy-Brandt-Berufskollegs. Und werden mit der künftigen Arbeitswelt konfrontiert.

Sie stehen erhöht auf Holzpaletten, um die Werkbänke überhaupt nutzen zu können. An den Kinderfüßen wirken die Sicherheitsschuhe extrem klobig. Mit schlaffer Hand führt so mancher die Feile, braucht immer wieder Motivation von Norbert Frankenbusch, dem Werkstattlehrer. Der gelernte Betriebsschlosser war Ausbilder bei Krupp . An seine Anfänge erinnert er sich noch gut. Alles was er machte, landete in der Schrottkiste.

Flaschenöffner selbst herstellen

Diesen Frust will er den Jungen ersparen. Sie dürfen einen Flaschenöffner auf Maß bringen, rund feilen, durchbohren, verschrauben – und als Weihnachtsgeschenk mit nach Hause nehmen. Die erste Ernüchterung folgte aber schon bei der Offenbarung, dass das Material zwar golden glänzt, aber Messing ist. Die zweite bei der Erkenntnis, dass Feilen eine mühsame Angelegenheit ist. Jedenfalls aus Schülersicht. Für den Fachmann ist wichtig, dass der Erfolg am Ende sicher ist – egal, wie krumm gefeilt wurde. Eine Flasche kriegen sie damit auf.

Halil Cinar, Studiendirektor und Abteilungsleiter der Metalltechnik am WBBK , will sich mit dem neuen Projekt rechtzeitig um Nachwuchs für seine Schule kümmern. „Wir wollen die, die Spaß haben und wir wollen die Abbrecherquote minimieren“, erklärt er.

Dafür hat er die Werkstatt freigemacht, hat hier schon Krupp-Gymnasiasten an die Maschinen gelassen. Und jetzt eben die Hauptschüler. „Wir wollen natürlich nicht manipulieren“, betont Cinar, „sondern lediglich Entscheidungshilfen geben“. Selbst jene, die ohne Abschluss die Hauptschule verlassen, könnten am Kolleg die mittlere Schulbildung nachholen und danach eine Berufsausbildung nebst Schulabschluss erwerben.

Arbeitseifer fehlt noch

Klassenlehrerin Anne Drogand findet das Angebot sehr wichtig. Viele ihrer Schüler seien älter, hätten mitunter zwei Jahre wiederholt. Hier könnten sie Arbeitsdisziplin und Durchhaltevermögen lernen, überhaupt einen Einblick ins Arbeitsleben erhalten mit all seiner geforderten Genauigkeit und Gründlichkeit. Sie sieht natürlich den gelangweilten Gesichtern an, dass der Arbeitseifer nicht so dolle ist.

Die Bereitschaft, etwas freiwillig zu machen, fehle vielfach. So kurz nach den Ferien sei es noch schwerer. So gesteht auch ein Mädchen, sie hätte die ganzen Ferien drinnen vor dem PC verbracht, sei doch etwas „unfit“ geworden. Ein anderes Mädchen klagt über die drückenden Schuhe, will ihr Werk am Ende aber der Mama schenken. Ein Junge kommt alle fünf Minuten an und fragt, ob er eher gehen darf. Ein anderer träumt, mit der Feile in der Hand, vor sich hin.

Frankenbusch und Drogand treiben an, motivieren. Sie wissen: „Berufsreif werden ist ein Entwicklungsprozess, da kann man nicht früh genug mit anfangen.“

Infos zu den Praktikumsangeboten in der Metalltechnik gibt es unter www.wbbk.de und unter 02065/905 82 81.
Die Schnupperkurse sind für Schüler der siebten Klassen gedacht, ältere Schüler können Praktikumskurse besuchen. Auch Lehrer sind eingeladen, die Berufspraxis der Metalltechnik selbst auszuprobieren.

Annette Kalscheur


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