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Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut

28.12.2012 | 19:39 Uhr
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
Erst geht’s für „David“ nach Köln, dann weiter zu einer Ausstellung nach Hamburg.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Die Duisburger David-Skulptur geht auf Reisen. Am Freitag wurde die neun Meter große Stahlkonstruktion abgebaut. Ihre Reise führt nach Köln, wo sie restauriert werden soll. Zuvor war sie entmannt worden. „Das Geschlechtsteil wird sauber weggeschnitten und neu modelliert“, sagt der Restaurator.

Um kurz nach zwölf am Freitag ist es so weit: Der neun Meter große, eine Tonne schwere „David“ von Hans-Peter Feldmann kippt. Den Rücken gestützt durch eine Stahlkonstruktion, damit er sich nicht verbiegt oder bricht, wird er auf einen Lkw geladen. Auf nach Köln zur Restaurierung, dann zur großen Feldmann-Ausstellung in den Deichtorhallen in Hamburg, und im Juni kehrt David wieder an den Ort zurück, an dem er so verletzt worden ist wie nie zuvor: Duisburg.

Zwar hat er schon in Köln die Missbilligung des Dompropstes, Steinwürfe und einen Sturm mit Windstärke 10 überstanden, berichtet sein Erbauer und Restaurator Hagen König, aber erst im Kant-Park beraubten ihn Unbekannte im Juni wahrscheinlich mit einer Holzlatte seiner Männlichkeit. „Es sind wohl seine Nacktheit und seine popartig-bunte Bemalung, die provozieren “, vermutet König.

Vier Wochen Trocknungszeit

Der 57-Jährige kennt Hans-Peter Feldmanns „David“ so gut wie kein anderer. Er setzte die Vorstellungen des Düsseldorfer Künstlers um, der bei seiner Auseinandersetzung mit Michelangelos marmornem Beau zunächst kleine „Davids“ gebaut hatte. Der Riese entstand 2006 aus einem Stahlskelett, Styropor, Gaze und Epoxidharz als Auftragsarbeit für eine Ausstellung des Kölner Museums Ludwig, König betreute ihn bei Umzügen nach Amsterdam, Düsseldorf und schließlich Duisburg, wo er 2010, erworben aus Mitteln der Stadtwerke fürs Lehmbruck-Museum, sein endgültiges Zuhause gefunden hat.

Jetzt kehrt „David“ zur Restaurierung nach Köln zurück. Dort hat König bei einer befreundeten Firma einen Raum angemietet. „Als erstes muss die Figur entfeuchtet werden“, sagt er. Ist doch durch die Verletzungen Nässe eingedrungen. Dazu wird er an einem Stahlseil, das im Kopf eingebaut ist, aufgehängt und mit einer Heizung und einem Luftentfeuchter eingehaust. König schätzt, dass es vier Wochen dauert, bevor die Figur einigermaßen trocken ist. Weitere vier Wochen Zeit hat er für die eigentliche Restaurierung. „Das Geschlechtsteil wird sauber weggeschnitten und neu modelliert“, so König. Die anderen, kaum sichtbaren zehn bis 15 Macken, die durch Stein- oder Dosenwürfe entstanden sind, werden geöffnet, nachmodelliert, wieder mit Gaze und Harz überzogen.

Kein Lack für David

Am Ende bekommt „David“ einen komplett neuen Anstrich aus Fassadenfarbe, die im wieder das frische Rosa verleiht, in dem er sich beim ersten Auftritt in Duisburg präsentierte. „Feldmann wollte keinen Lack“, sagt König. Deswegen müsse „David“ eigentlich einmal pro Jahr gesäubert werden.

Von Anne Horstmeier



Kommentare
05.01.2013
22:23
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von Shy_Eye | #26

Ich hab da einfach nur noch Mitleid mit dem Ruhrpott Es ist zwar gut gemeint, aber bitte, ein Auge für Schönheit und Kunst sieht anders aus.
Das eigentliche Problem liegt darin, dass die Verantwortlichen absolut KEIN Interesse haben ihre Stadt auf Vordermann zu bringen! Wenn ich sehe was hier im Ruhrgebiet in gewisse Projekte investiert wird und was dann am Ende dabei rauskommt, da überkommt mich nur noch Wut, Fassungslosigkeit und das Gefühl laut los zu lachen.

Gefühllos, Ideenlos und einfach Tot! Mehr kann sich zu einigen Projekten nicht sagen!
Abgesehen von dieser Figur, der Lembecker Platz sieht aus als wäre er vom All direkt auf Essens Boden gefallen, dieser Riese brocken passt nicht darein und die Optik, naja.... und die Grüne Mitte?!?!?! sorry, guter Gedanke aber absolute Mangelhafte Umsetzung, übelst künstlich und eine Beleidigung fürs Auge. Das ist ZU VIEL Gradlinigkeit, zu modern, zu einfach, und leider irgendwie hässlich.

Wenn es nach mir ginge, oho! ;)

02.01.2013
04:14
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von dr_john_becker | #25

Prinzipiell ist nichts zu sagen gegen fundierte, reflektierte Kritik. Und auch kann jeder frei äußern, wenn ihr / ihm etwas missfällt - korrekt.

Hier jedoch geht es nicht um sachliche Kritik oder die sachliche Äußerung des Nicht-Gefallens, sondern darum, dass viele Bürger sich sehr abschätzig und aggressiv äußern - und das ist nicht unbedingt akzeptabel.

Ungeachtet seiner kunsthistorischen Relevanz, so sind die Feldmanns Statuen doch immerhin schön anzuschauen und von prägnanter Ästhetik - ich mag sie sehr.

Kunst braucht auch keinesfalls eine bestimmte, klar definierte Aussage - vielleicht wäre es dann auch gar keine Kunst. Vielleicht ist auch die Statue keine Kunst, denn Kunst ist frei und schwer zu fassen. Aber schön finde ich sie dennoch, und es ist sehr schade, dass sich scheinbar wenige Mitbürger an mit Liebe gestalteten, farbenfrohen Objekten im urbanen Raum erfreuen können.

2 Antworten
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von kikimurks | #25-1

Sie haben insoweit recht, dass jeder das Recht haben sollte, sich über ein Kunstwerk zu äußern - sowohl positiv als auch negativ. Allerdings deutet die Mehrheit der Kommentare hier schon an, dass wohl nur wenige Ihre Ansicht teilen, der David sei ästhetisch anzusehen. Das sollte schon zu denken geben. Die Frage ist ja nicht, ob der David eine Daseinsberechtigung hat, sondern ob diese ihren Ausdruck gerade an so exponierter Stelle finden muss. Der David scheint nun einmal nicht zu den beliebtesten Skulpturen Duisburgs zu gehören.

Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von Shy_Eye | #25-2

Wenn sich so viele Menschen beschweren, dann sollte man es ernst nehmen! Sorry, dieses Ding ist einfach eine Beleidigung und besitzt keinerlei SCHÖNHEIT! Ich finde sie eher dramatisch provokativ. Wundert mich, dass das Ding nicht schon längst umgehauen wurde.

01.01.2013
23:36
@schRuessler
von Karlot | #24

Es geht hier um Intoleranz gegenüber tote Objekte. Die Ursache solcher Intoleranz hat tiefere Ursachen ("im Oberstübchen")
Die Entmannung mag ihre Ursache vielleicht "nur" im Vandalismus haben.
Durch die Ansicht, es handele sich nicht um Kunst, wird dieser Vndalismus legitimierr.

1 Antwort
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von kikimurks | #24-1

Das ist absoluter Unsinn! Ich glaube kaum, dass irgendeiner der Kommentatoren, die den David nicht für Kunst halten, den Vandalismus für gut oder auch nur akzeptabel erachten. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Sie krampfhaft nach Gründen suchen, diejenigen mundtot zu machen, die die Figur als das bezeichnen was sie ist: eine schweinchen-rosane Karnevallsfigur und alles andere als Kunst. Dabei schrecken Sie sogar vor Diffamierungen nicht zurück. Was die "Intoleranz" anbelangt, dann toleriere ich das Objekt, allerdings muss es auch möglich sein, darüber zu diskutieren, ob der Aufstellungsort der richtige ist. Es handelt sich um eine exponierte Stelle und ob man an dieser Stelle den David aufstellen soll, kann schon hinterfragt werden. Wahrscheinlich würde die Figur niemanden stören, wenn sie weiter hinten im Kant-Park stünde, doch direkt an einer der belebtesten Kreuzungen Duisburgs?

30.12.2012
20:55
@Max_Freibier
von Y5ANN | #23

Ich würde Ihren treffenden Bemerkungen gern noch etwas hinzufügen, wenn ich darf:

Daß Feldmann seinen Mister Piggy "David" nannte, ist schlicht total daneben!

Wenn ein Kunstlehrer sagt: "Malt das Bild von David nach seinem Kampf mit Goliath" und ich würde dann so ein blondblauäugiges Schreckgespenst abliefern, würde der Kunstlehrer sagen: Thema verfehlt, sechs, setzen!

Und warum würde er das sagen?
Weil der David eine Figur aus dem alten Testament ist, der erste König der Israeliten, wenn ich mich nicht irre.
Und ich bezweifle doch stark,daß der blond,blauäugig und quietschrosa war.

Und kein Befürworter kann sich jetzt rausreden mit: "Na, dann isses eben Siegfried!"... Das klappt nicht (mehr).
Man kann nicht auf Dauer dem Betrachter ein X (=Siegfried) für ein U (=David) vormachen. Irgendwann fällts doch auf.

30.12.2012
18:44
Diese Figur ist kein Kunstwerk weil Teil 2.
von Max_Freibier | #22

sie überall stehen könnte und fast nirgends einen sinnvollen Kontrast abgeben wird. Wenn sie also selbst nichts bringt, dann vielleicht durch eine Umgebung? Z.B. vor einer Kleiderfabrik? Im Wald, an einem kleinen See, wie er in die Fluten steigt? In einer Badeanstalt als Sprungturm?
Die Leute sind normalerweise nicht so dumm, dass sie Kunstmessages nicht lesen können oder sie nicht spüren. Die Ausstrahlung eines Werkes berührt und man entwickelt einen unerklärlichen Respekt (oder auch nicht), vielleicht auch unbewusst. Hat man (spürt man) diesen Respekt auch von einem Neckermannkatalog oder aufblasbaren Sexpuppe? Es würde mich doch sehr interessieren, wo die Fürsprecher dieses Werkes sind und welchen Inhalt oder welches Gefühl, welche Botschaft sie spüren ?! Also was sagt dieser David, vielleicht sogar an dieser Stelle aus? Gibt es dazu Meinungen?

30.12.2012
18:32
Diese Figur ist kein Kunstwerk weil
von Max_Freibier | #21

sie nichts aussagt. Man könnte die Pinkfarbe des Körpers und die grelen Haare als Provokation sehen oder als gewollte Verflachung um es sozusagen einem Zeitgeist recht zu machen. Man könnte es auch als eine Verhöhnung des Betrachters sehen, dem man lediglich eine Plastikpuppe vorsetzt aus Gießharz und Styropor. Diese David- Statue in Stein und dem Original ähnlich dort aufzustellen wäre ebenfalls vollkommen unangebracht, welche Stadt will sich schon mit einer Imitation einer Imitation schmücken. Also muss man diese Grellfarben und die Nacktheit wohl oder übel als Verspottung des Publikums deuten. Oder der Künstler sagt: Mir fällt nicht besseres ein, und da die Figur schon mal da ist, bringe ich sie in Popart- Manier. Kritiken aus ART-KUNSTZEITSCHRIFT:

disney-david
was will die figur aussagen? hallo, ich bin ein ironischer witz, verstehen sie spass, hihi?
NERO
Nee, FELDMANN WILL NIE WAS SAGEN.
xxx
schaut einfach bloss ******** aus. der reinste kitsch

30.12.2012
03:22
Karlot | #19
von schRuessler | #20

Könnten Sie sich evtl mal die Mühe machen, Ihre Texte so zu formulieren, dass die Zusammenhänge stimmen.

Hier Ihr Originalzitat:
"Wahrscheinlich kann die Psychologie helfen, warum Feldmanns David bei manchen so unbeliebt ist. Es muss wohl im Oberstübchen ziemlich weh tun."

Da steht etwas von "unbeliebt", nicht von zerstören.

30.12.2012
00:12
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von Karlot | #19

Natürlich tut es im Oberstübchen weh, wenn man solche Kunstwerke zerstört.
Oder meinen Sie nicht?
Und bei Intoleranz sowieso.

1 Antwort
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von kikimurks | #19-1

Der Zusammenhang in dem Sie Ihre Äußerung taten bezog sich auf Kunstverständnis nicht auf die Sachbeschädigung. Dieser Zusammenhang ist ausgesprochen dumm. Ich lehne die Sachbeschädigung vehement ab, ohne jedoch den Pappkameraden als Kunst zu akzeptieren.

30.12.2012
00:01
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von schRuessler | #18

Ich lasse das jetzt mal so stehen, obwohl Sie ja zwischen den Zeilen wieder andeuten, dass die Kritiker kein Kunstverständnis haben.

Aber gegenüber Ihren Aussagen wie "Manche haben wohl die Gene des tiefen finsteren Mittelalters." oder "Es muss wohl im Oberstübchen ziemlich weh tun." sind Ihre neuen Aussagen ja schon ein kleiner Forttschritt. :-)

Manche lernen eben langsam.

29.12.2012
23:35
schRuessler | #16
von Karlot | #17

Klar darf man kritisieren, selbst wenn man kein Kunstverständnis hat.

1 Antwort
Entmannte David-Skulptur für Restaurierung abgebaut
von kikimurks | #17-1

.... und Sie definieren wer Kunstverständnis hat? Ganz schön arrogant! Die Auffassung, was Kunst ist und was nicht muss sich jeder selbst bilden und entzieht sich der Kritik. Jemanden Kunstverständnis abzusprechen, weil dieser nicht Ihrer Ansicht ist, ist entlarvend.

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