Einmal Lehrerin sein - Snapchat-Reportage in der Grundschule

Praktikantin Theresa vermittelt Grundschülern Wissen über Spinnen.
Praktikantin Theresa vermittelt Grundschülern Wissen über Spinnen.
Foto: Tanja Pickartz/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Sie bastelt, erklärt, hilft - zwei Wochen kann Theresa Dorn testen, wie es sich anfühlt Lehrerin zu sein. In der Grundschule haben wir sie besucht.

Duisburg.. Schlappohren, ein schwarz-weiß gepunktetes Fell und ein treuherziger Blick - ein Hund hängt an der Tür zum Klassenzimmer. Die 1 A der Gemeinschafts-Grundschule an der Krefelder Straße in Duisburg-Rheinhausen ist die Hundeklasse.

Drinnen wird fleißig gebastelt. Neue Dekoration für die Fenster des Klassenzimmers soll her. An Tisch vier prickelt Meyrem konzentriert. Den dicken Holzgriff ihrer Prickelnadel hält sie fest umschlossen und sticht kleine Punkte ins gelbe Papier. Ein Clown soll es werden. "Frau Dorn, ich bin fertig." Meyrem zupft Theresa Dorn am Pulli. "Dann hol dir Federn, Glitzerstifte oder kleine Steinchen und verzier deinen Clown." Das Mädchen flitzt davon.

Clowns mit Glitzer und Federn verzieren

Theresa Dorn ist 16 Jahre alt und Schülerin des Krupp-Gymnasiums. Für ein zweiwöchiges Praktikum ist sie an ihre alte Grundschule zurückgekehrt. Dort haben wir sie besucht. Acht Schülerinnen und Schüler machen zurzeit ein Praktikum an der Grundschule. "Das ist schon ungewöhnlich", sagt die Schulleiterin Karin Krause. Doch sie freue sich immer, wenn Schüler wiederkommen. "Das zeigt doch, dass sich die Schüler hier wohlgefühlt haben."

Hat sich die Grundschule in der Zwischenzeit verändert? Darüber muss Theresa einen Moment nachdenken. "Vieles ist gleich geblieben. Die Bilder im Flur beispielsweise hingen schon dort, als ich hier zu Schule ging." Einiges sei neu. Eine Leseecke mit Büchern und Kuscheltieren hat es zu ihrer Zeit nicht geben.

Mittlerweile liegen überall auf dem Boden Federn und bunte Papierschnipsel. Die Schulglocke läutet. Die erste Stunde ist vorbei. Die Klasse protestiert: "Nein. Wir wollen noch weitermachen." Ein paar zusätzliche Minuten bekommen die Kinder noch. "So, jetzt wird aber aufgeräumt", sagt Theresa bestimmt. Stühle werden gerückt, Nadeln zurückgebracht und die Masken weggeräumt. Es ist wuselig und ein bisschen chaotisch. Theresa schlägt kurz auf eine silberne Tischklingel. Mert legt seinen rechten Zeigenfinger auf die Lippen und streckt den linken Arm in die Luft. Die anderen Schüler schließen sich ihm an. Langsam kehrt Ruhe ein.

Spinnen unter die Lupe nehmen

Sachunterricht steht nun auf dem Stundenplan. "Was kennt ihr für Spinnen?", fragt Theresa. Dutzende Hände schnellen in die Höhe. "Sie hat so Spaß zu unterrichten", sagt die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Mellen. Sie schaut zu, wie Theresa mit der Klasse die gelernten Inhalte wiederholt. Ulrike Mellen übernimmt. Für die heutige Stunde hat die Lehrerin etwas Besonderes mitgebraucht: Ein Spinnenkleid. "Wisst ihr noch, als ihr ganz klein wart und einen Strampler getragen habt? Heute passt der euch nicht mehr. Und genauso wächst auch die Spinne aus ihrem Kleid."

Jeder will mal gucken, das "komische Ding" anfassen. Einige sind noch zurückhaltend, andere greifen mutig in das Schälchen. Theresa assistiert und verteilt Lupen an die Kinder. Die feinen Haare, die dünnen Beine - jetzt wird genauer hingeschaut. "Anfangs hat es mich etwas Überwindung gekostet die Spinne anzufassen", sagt Theresa. Davon ist allerdings nichts mehr zu spüren.

"Ich würde ihr den Job durchaus zutrauen", verrät uns Mellen später im Gespräch. Theresa sei motiviert, werde von den Kindern aber auch respektiert. "Um einen Vergleich zu haben, sollte sie sich aber auch andere Berufe anschauen", rät die erfahrene Lehrerin.

Und was sagt Theresa? Will sie jetzt Lehrerin werden? "Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber macht riesig Spaß. Ich könnte mir vorstellen nach meinem Abi Lehrerin zu werden." Ein bisschen sei ihre Mutter dafür verantwortlich. Die ist auch Lehrerin und liebe ihren Beruf. Am liebsten würde Therese gleich hier bleiben: "Ich habe die Kinder sehr ins Herz geschlossen. Es wird mir schwer fallen, nächste Woche wieder selbst zur Schule zu gehen."