Eine Werkstatt für Rotkäppchens Tante

Susanne Arnken hat früher in der Kollektion ihrer Oma gestöbert, nun ist ihre Auswahl selbst groß genug.
Susanne Arnken hat früher in der Kollektion ihrer Oma gestöbert, nun ist ihre Auswahl selbst groß genug.
Foto: Lars Heidrich
Susanne Arnken ist Hutmacherin. In zwei Wochen eröffnet sie ihr Atelier auf der Moltkestraße. Der Job ist auch Ausdruck ihrer Liebe zu alten Zeiten.

Duisburg.. Für alte Zeiten, die Geschichte(n) und Mode konnte sich Susanne Arnken schon immer begeistern. Ausdruck dessen ist ihre Liebe zum Hut. „Damit sah und sieht man immer zu jedem Anlass angezogen aus“, erzählt die 35-Jährige, die schon als Schülerin ein Praktikum bei einer Modistin machte. Zunächst traute sie sich allerdings nicht, den Job zu erlernen.

Zu unsicher schien ihr, ob sich genügend Liebhaber und Abnehmer des alten Handwerks finden. Sie absolvierte also eine Lehre zur Buchhändlerin, studierte Kommunikationswissenschaften – und entschied sich dann doch als 30-Jährige, ihren Traumjob zu ergreifen. „Das musste einfach so sein.“ Nun nennt sich Susanne Arnken „Rotkäppchens Tante“ und eröffnet am 24. Januar ihre Werkstatt samt Atelier auf der Moltkestraße.

„Es gab mal einen Film in den 80er Jahren, ,Slaves of New York’, da haben die Frauen ganz verrückte Hüte getragen. Solche mit Aschenbechern und Vögeln. Das hat mir gut gefallen“, erinnert sich die Gründerin. Als Mädchen stöberte sie denn auch in der Hut-Auswahl von Oma, schlüpfte in die Rollen großer Damen. Inzwischen besitzt sie selbst eine große Kollektion, darunter viele Fascinator. So nennt man die kleinen Kappen, die mit einem Band befestigt werden und seitlich auf dem Haar sitzen. „Hüte stehen eigentlich den meisten Frauen, nur bei runden Kopfformen muss man ein bisschen schauen.“

Lila Kappe oder Leo-Print-Hut

Derzeit arbeitet sie auf Hochtouren an neuen Modellen, damit sie zur Eröffnung genügend Auswahl in den Regalen hat. Es gibt zum Beispiel eine lila Kappe mit Blumenapplikation, einen Leo-Print-Hut oder eine Mütze, ebenfalls mit floralen Elementen. Und für die Herren klassische Schiebermützen. Im Winter arbeitet Susanne Arnken oft mit Filz und Wolle, im Sommer sind Modelle aus Stroh aktuell.

Auf der Werkbank stehen Standard-Holzköpfe – Schädelumfang 56. Das ist die Durchschnittsgröße für Frauen. Über einen der Holzköpfe hat sie roten Filz gespannt und mit dutzenden Nadeln fixiert. So wird das Material in die Form gepresst. Manchmal muss sie Falten korrigieren. Dazu wird der Rohling mit Wasserdampf wieder geschmeidig gemacht.

Damit der Hut am Ende die Form behält, wird die Krempe mit einem Band festgenäht. „Ich versuche eigentlich immer Modelle in allen Farben da zu haben.“ Mal werden die Mützen dann mit Blumen verziert, dann wieder mit Schleifen. Bevor die Dorstenerin den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, arbeitete die Modistin in der Werkstatt ihrer Ausbilderin Wera Köhler in Xanten. „Da habe ich auch schon eigene Entwürfe realisiert, aber nicht unter meinem Namen verkauft.“

Individuelle Hüte

Da es viele Kunden gab, die auch den Weg an den Niederrhein auf sich genommen haben, glaubt sie, mit Duisburg einen guten Standort gefunden zu haben. Bei einer ersten Hut-Party im „Winzigschön“ waren die Frauen jedenfalls begeistert. Dabei gibt es wahrlich andere Nationen, in denen die Damen gut behütet sind. Großbritannien zum Beispiel oder auch Frankreich. Dort werde bei Hochzeiten auf den Einladungen direkt vermerkt, dass die Frauen eine Kopfbedeckung tragen sollen.

Nun spekuliert Susanne Arnken darauf, dass es in der Region noch ein paar Pferderennbahnen gibt. Vielleicht will sie dort ihre Arbeit auch mal präsentieren. Denn Hüte seien keineswegs nur etwas für ältere Damen, findet sie. In den neueren Kollektionen großer Modeketten finden sich denn auch Hüte. „Bei mir sind sie eben individueller.“ Und als Kopfschmuck ersetzt das wärmende Accessoire glatt eine Kette oder einen auffälligen Schal.

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