Eine Portion Nostalgie gibt’s gratis

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Altstadt..  Der Besuch in Bengi Vardar-Azcnans Geschäft gleicht einer Zeitreise. Die meisten der Ausstellungsstücke haben mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel: Verschnörkelte Kerzenleuchter, Kissen im Gobelin-Stil, Tischwäsche aus Spitze, Schränke, Ölgemälde oder Geschirr aus Großmutters Zeiten. Jedes einzelne Teil spiegelt den Charme alter Zeiten wieder, in allem steckt eine geballte Portion Nostalgie. Macken und Kanten an den Möbeln sind gewollt und abgeplatzter Lack ist kein Schönheitsfehler, sondern zeichnet den angesagten „Shabby-Stil“ aus. „Sissy Lala“ heißt das neue Fachgeschäft für schäbigen Schick an der Beekstraße in der Altstadt. Der Name ist eine Hommage der Ladeninhaberin an ihre Tochter – es ist deren Spitzname.

Bengi Vardar-Azcnan ist Seiteneinsteigerin in der Branche, hat früher viele Jahre in einem internationalen Seniorenzentrum gearbeitet. „Ich verstehe mich nicht so sehr als Geschäftsfrau, sondern als Künstlerin“, betont die 47-Jährige. „Ich habe mich schon immer für Geschichte und die Geschichten anderer Menschen interessiert.“ Deshalb habe sie ihren Job im Altenheim auch so geliebt. Parallel hat sie aber schon immer alte Möbel gesammelt, ihre Wohnung zu Hause sieht nicht viel anders als ihr Geschäft. Also fing die Gründerin an, einige Schätzchen zu verkaufen – und eröffnete zunächst ein kleines Geschäft in Essen-Rüttenscheid. Dort konnte sie aber nur einen Teil ihres Schatzes präsentieren, der Rest verschwand im Lager. Doch immer mehr Kunden interessierten sich auch für die anderen Möbel. Das Geschäft in der Altstadt ist nun Lager, Ausstellungsraum – und bald auch Treffpunkt für Veranstaltungen. In einer Ecke steht nämlich ein Klavier. Auf einem Notenständer stehen Etüden, so als würde gleich jemand anfangen, zu spielen.

Ihre Möbelstücke restauriert Bengi Vardar-Azcnan selbst – und verkauft auch nur, was ihr ebenfalls gefällt. „Ich bin oft in Frankreich und schaue mich dort um. Ich kann zwar kein Französisch, aber irgendwie fasziniert mich das Land – so als hätte ich dort früher mal gelebt.“ Sie selbst hat türkische und slawische Wurzeln. Ihr ist wichtig, keineswegs nur auf einer Modewelle mitzuschwimmen. Schäbige, auf alt getrimmte Vitrinen, Kommoden und Anrichten sind gerade angesagt. „Bei mir gibt’s nur Originale.“ Und die passende Deko, opulente Kerzenleuchter zum Beispiel.

Haushaltsauflösungen macht sie übrigens nur selten mit. „Ich stelle mir immer vor, wem die Möbel mal gehört haben können. Erst wenn ich einen Bezug zu ihnen habe, kommen sie auch zu mir in den Laden.“