Eine Piratin entert den Duisburger Rat

Britta Söntgerath, Stadtverordnete der Piratenpartei,  im Ratssaal des Duisburger Rathauses.
Britta Söntgerath, Stadtverordnete der Piratenpartei, im Ratssaal des Duisburger Rathauses.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Britta Söntgerath sitzt als „Piratin“ seit der Kommunalwahl 2014 im Duisburger Rat und kämpft sich durch die Mühlen des Politikbetriebes.

Duisburg.. . Global denken – lokal handeln: Das hat Britta Söntgerath schon 2011 Piratin werden lassen und sie auf der Erfolgswelle der Partei bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in den Duisburger Rat „gespült“. Das Bild, das da eine Nonkonforme das behäbige Stadtparlament entert und aufmischt, passt allerdings nicht so recht auf die 52-Jährige.

Keine schrägen T-Shirts oder den digitalen Nerd-Blick, keine gezielten Provokationen – gängige Freibeuterklischees aus Berlin oder Düsseldorf erfüllt die gelernte Reisekauffrau und selbstständige Beraterin, die Unternehmen in Dienstleistungsfragen oder bei Projektsteuerungen betreut, nicht.

Schon lange politisch engagiert

Eine politische „Leichtmatrosin“ ist sie auch nicht: Bei den Jusos hat die gebürtige Duisburgerin in jungen Jahren Politik gemacht, lange mit den Grünen sympathisiert und sich in sozialen Initiativen engagiert. Der internationale Politikansatz, die strikte Basisorientierung sowie die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz hat sie dann Piratin werden lassen.

Im Politikbetrieb hat sich die 52-Jährige schnell eingefunden und nutzt die Möglichkeiten des kommunalen Parlamentarismus: Mit dem Wählerbündnis SGU des „alten Hasen“ Karlheinz Hagenbuck und den Bürgerlich-Liberalen ging sie rasch eine Fraktion ein, die Fraktionsgelder beschert und mehr Rechte sowie stärkere Präsenz in den Ausschüssen bringt. „Die Akzeptanz ist da. Man geht freundlich miteinander um“, registriert die Ratsnovizin wohlwollend und gesteht zugleich ein: „Der Zeitaufwand ist enorm. Als voll Berufstätige ist das eigentlich nicht machbar.“

Bürgerbeteiligung und Transparenz

Zugleich will Britta Söntgerath dem Rat in Sachen mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz Beine machen. „Da geht mehr“, meint sie. Sie sei zwar nicht „ernüchtert“, will aber bei der bislang etablierten Politik mehr Bewusstsein dafür schaffen, die Chancen für stärkere Bürgerbeteiligung zu nutzen – „sonst schaffen sich die anderen Parteien bald selber ab“, warnt sie. Vom dereinst versprochenen Neuanfang in der politische Kultur sieht sie nicht viel: „Der Oberbürgermeister macht eine gute Arbeit, aber für einen Neuanfang steht er nicht“, bilanziert die Piratin.

Mit welch großem Aufwand – auch unnötigen Papierbergen – die Stadtverwaltung arbeitet, registriert sie sehr wohl, auch die fachliche Kompetenz. Doch Britta Söntgerath bemängelt zugleich die Distanz zu den Bürgern, auch zu ihren gewählten Vertretern im Rat. Allzu oft hat sie den Eindruck, dass die Rathaus-Bürokratie nach der Maxime arbeitet: „Wir wissen es besser“ und die Politik nicht immer ernst nimmt. Dem Rat schreibt sie zugleich – eher analysierend denn attackierend – ins Stammbuch: „Oft scheint der Rat nur da zu sein, um etwas abzunicken.“ Einer ihrer Vorschläge, um Politik greifbarer zu machen: Ratssitzungen sollten live übertragen werden.

Basisorientierte Kommunikation

Ganz Piratin sitzt die 52-Jährige nicht allein oben auf der Brücke des geenterten Ratstankers. Über Telefonkonferenzen, Chatforen und auch Sitzungen der Partei und der Fraktionsmitglieder organisieren die Piraten eine stark basisorientierte Kommunikation. Vor allem digitale Informationskanäle sollen breite Informationsvermittlung und Transparenz schaffen. Auch da sieht sie Nachholbedarf bei Rat und Verwaltung.

Von Zersetzungserscheinungen und lauen Lüftchen bei den Piraten lässt sich die Ratsfrau nicht schrecken: „Wir werden uns weiter Gehör verschaffen. Die Piraten kommen aus der Nichtwählerschaft und ich glaube, dass wir Bestand haben werden.“