Eine neue berufliche Chance in Duisburg

Giesela Janßen (l.) und Bettina Hahnsch arbeiten liebend gern im Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes.
Giesela Janßen (l.) und Bettina Hahnsch arbeiten liebend gern im Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit dem Projekt „Perspektive 50 plus“ des Jobcenters klappte es bei zwei Damen noch einmal mit einer Festanstellung. Individuelles Coaching und viele Tipps.

Duisburg.. Bettina Hahnsch (49) und Giesela Janßen (61) hatten die Hoffnung fast aufgegeben. Trotz langjähriger Berufserfahrung fanden sie keinen Job. Janßen verschickte über 20 Bewerbungen, Hahnsch hörte bei 100 auf zu zählen.

„Ehrlich gesagt habe ich nicht mehr damit gerechnet, noch mal eine feste Stelle zu finden“, gibt Janßen zu. Durch das Programm „Perspektive 50 plus“ des Jobcenters, das ältere Bewerber individuell coacht, hat es nach fast zwei Jahren Arbeitssuche bei beiden Damen doch geklappt. Seit vergangenem Jahr arbeiten beide im Secondhand-Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes an der Ruhrorter Straße in Kaßlerfeld.

Selbstachtung und Lebensfreude

Mit der Anstellung kehrte ein Stück Selbstachtung und Lebensfreude in das Leben der beiden Damen zurück. Janßen, die über 20 Jahre lang in ihrem eigenen Bekleidungsgeschäft arbeitete, bis dort die Umsätze zurückgingen und sie schließen musste, ist überglücklich über die Vollzeitstelle. „Ich kann endlich wieder das machen, was mir schon immer große Freude bereitet hat“, sagt sie begeistert.

Die allein erziehende Mutter Hahnsch arbeitet halbtags in dem Kleiderladen, der gebrauchte Ware zu günstigen Preisen für jedermann anbietet. Bevor sie ihre Arbeit verlor, saß sie bei einem Lebensmittel-Discounter an der Kasse. Der neue Job macht ihr Spaß und stellt eine große Erleichterung dar: „Man wird mit der Zeit immer unsicherer. Ich wurde nie zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich glaube, man hat meinen Lebenslauf auf Grund meines Alters und meines Wunsches, halbtags zu arbeiten, direkt aussortiert.“

Projektleiterin Martina Lahn vom Jobcenter weiß, dass eine neue Anstellung mit steigendem Alter immer schwieriger wird. Sie und ihre Mitarbeiter bringen den Teilnehmern daher bei, die Vorteile herauszustellen: „Warum sollte man einer älteren Fachkraft nicht eine Chance geben? Durch langjährige Berufserfahrung haben sie viel Routine, Ruhe und Empathie“, sagt Lahm.

Umfassende Hilfe

Doch das Herausstellen von Stärken war nicht alles, was die Damen lernten. „Bewerbungsschreiben formuliert man heute ganz anders als zu meiner Zeit“, sagt Janßen. Hahnsch ergänzt: „Eine Bewerbung per E-Mail musste ich erstmal lernen. Das hatte ich noch nie gemacht.“ Neben Hilfe bei Anschreiben und Lebenslauf erhielten die beiden Frauen auch Tipps für das Bewerbungsgespräch.

Janßen spricht von einem Rundum-sorglos-Paket, wenn sie an die Zeit beim Jobcenter denkt. „Das war alles auf uns als Person bezogen.“ Selbst Ernährungstipps und eine Stylingberatung gehört auf Wunsch dazu.