Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Duisburg

Eine mörderische Viertelstunde

18.05.2008 | 17:05 Uhr

Prokofjews 1. Klavierkonzert ist kurz und schmerzhaft - für den Pianisten. Denys Proshayev erwies sich beim Abschlusskonzert des WDR-Musikfests als brillanter Techniker. Karl Heinz Steffens leitete das WDR-Sinfonieorchester

Auch wenn Schuberts große C-Dur-Sinfonie auf Hochglanz poliert schien: ganz so glänzend geriet der Abschluss des WDR-Musikfests in der Mercatorhalle nicht. Trotz des höchst renommierten Gastorchesters und eines überaus attraktiven Programms blieben doch arg viele Plätze leer. Offenbar hat der Vier-Wochen-Marathon die Musikfreunde an eine Grenze geführt. Immerhin geht's musikalisch ja gleich weiter mit dem Klavier-Festival - und die "normalen" Konzerte gibt's ja auch noch.

Karl Heinz Steffens, als Soloklarinettist unter anderem bei den Berliner Philharmonikern bekannt geworden, verlegt sich mit großem Erfolg mehr und mehr aufs Dirigieren (eine Solokarriere hat ihn wegen des begrenzten Repertoires nicht gereizt). In der kommenden Saison wird er etwa in Berlin an der Staatsoper Unter den Linden mit Fidelio debütieren.

Mit dem WDR-Sinfonieorchester Köln präsentierte er in der Mercatorhalle beliebte Werke. Haydns Sinfonie Nr. 88 G-Dur ist unter den "No-Name"-Sinfonien wohl die am häufigsten gespielte - gleich hinter Paukenschlag, Militär und wie sie alle heißen. Furtwängler, Klemperer, Bruno Walter - alle haben wunderbare Aufnahmen vorgelegt.

Steffens bewies ein Händchen für den besonderen Witz der Ecksätze, blieb aber auch der Erhabenheit des Largos und dem Glanz des Menuetts nichts schuldig.

Kurz und schmerzhaft - ungefähr so lässt sich das Leiden des Pianisten in Prokofjews 1. Klavierkonzert Des-Dur op. 10 auf den Punkt bringen. Eine mörderische Viertelstunde Musik, die dem 1978 in Brest in Weißrussland geborenen Denys Proshayev aber nicht wirklich etwas anhaben konnte - legte er doch als Zugabe noch mal eben das Finale der 7. Prokofjew-Sonate nach. Ein brillanter Techniker, der auch die wenigen lyrischen Momente eindrucksvoll zu gestalten wusste.

Schuberts große C-Dur-Sinfonie war, wie gesagt, ein glanzvoller Abschluss. Die Einleitung zum Kopfsatz war in konventioneller Manier langsam (und mit Temposteigerung) angelegt. Alles hatte viel formale Spannung. Aber die Brüche dieser Musik, die hinter der Maske der Heiterkeit (etwa im Seitenthema im Finale) verborgene Verzweiflung war nicht zu ahnen.

Von Hajo Berns

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1637893/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Demonstration für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg
Kulturzentrum
Die Initiative „DU it yourself“, die 2011 die leer stehende Schule in Duisburg-Laar besetzt hatte, kämpft weiter für ein soziokulturelles Zentrum in der Stadt. Am 1. Juni rufen die Aktivisten deshalb zu einer Nachttanzdemo auf, die ab 19 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt nach Hochfeld zieht.
Wo Fußball-Fans in Duisburg die EM-Spiele sehen können
Public Viewing
Die Fußball-EM wirft ihre Schatten auch in Duisburg voraus. Zwar gibt es in Duisburg aus Geldmangel kein zentrales Public Viewing unter freiem Himmel. Doch viele private Veranstalter werden das Fußball-Turnier, das am 8. Juni beginnt, auf großen Leinwänden zeigen.