Eine begrenzte Anschlagskultur

Es ist keine dankbare Aufgabe, für einen so beliebten Musiker wie den Pianisten Boris Bloch kurzfristig einspringen zu dürfen. Auch wenn es sich um einen mittlerweile voll etalierten Künstler wie Jacob Leuschner handelt, der das jüngste Konzert der Reihe „Große Klaviermusik“ im voll besetzten Kammermusiksaal der Folkwang Universität auf mehr als achtbarem Niveau rettete. Dennoch hinterließ der Abend des in Detmold dozierenden Pianisten einen zwiespältigen Eindruck.

Er ließ auch zartere Töne erklingen

Vor allem die harte, recht begrenzte Anschlagskultur des Pianisten wirkte sich in dem kleinen, akustisch trockenen Raum nicht besonders vorteilhaft aus. Und als sich Leuschner nach der Pause zu Maurice Ravels raffinierten Tanz-Impressionen der „Valses nobles et sentimentales“ mit Instrument und Raum einigermaßen angefreundet hat und auch zartere Töne erklingen ließ, verwischte er den positiven Eindruck durch zwei, mit Verlaub, scheußliche Virtuosenschinken von Carl Tausig und Leopold Godowsky. Tausigs Arrangement des Strauss-Walzers „Man lebt nur einmal“ und Godowskys „Symphonische Metamorphosen“ über Themen aus der „Fledermaus“ sind unter der Zirkuskuppel besser aufgehoben als im Konzertsaal.

Zuvor gab es allerdings Gehaltvolleres von Heroen wie Beethoven, Mozart und Schubert zu hören. Die Individualität der „Zwölf Deutschen Tänzen“ D 790 von Schubert erfasste Leuschner stilsicher, auch wenn sein großer Ton nicht immer zu den intimen Ländlerweisen passen wollte.

Der Mangel an Anschlagsnuancen und dynamischen Zwischenwerten führte zu recht robusten Interpretationen der Stücke von Beethoven und Mozart. Darunter immerhin das für die „Waldstein“-Sonate vorgesehene Andante in F-Dur von Beethoven und die mit Trauerrand versehene „Fantasie für eine Orgelwalze“ KV 608 von Mozart.

Großer Gestus

Mit großem Gestus formte Jacob Leuschner die Intrada, mit etwas spröder Strenge zelebrierte er die Fuge. Eine ordentliche, routinierte Darstellung der berühmten Sonate in A-Dur KV 331 von Mozart beendete dann den ersten Teil des Abends.

Freundlicher Beifall, der sich nach den virtuosen Husarenritten à la Godowsky steigerte.