Ein Wohnzimmer aus Moniereisen

Der französische Künstler Neïl Beloufa hat im Dreiecksraum des Lehmbruck-Museums ein Wohnzimmer aufgebaut – erschaffen aus Moniereisenstäben, die er beispielsweise zu einer Couch, einem Wäscheständer, einer Katze oder einem Fenster mit wehenden Vorhängen geformt hat. „Being Rational“ heißt die Installation, die auch den Film “Data for desire“ einschließt. Die Kabel, die den Fernseher und angeschlossenen Kopfhörer mit Strom versorgen, hat er auffällig drappiert – so, als würde es das Kunstwerk ergänzen. Die Installation bleibt übrigens im Lehmbruck-Museum. Sie ist ein Geschenk der Kunststiftung NRW, die zu ihrem 25.Geburtstag im vergangenen Jahr, 25 Museum in NRW mit neuen Kunstwerken bedenkt.

„Wir freuen uns über die Arbeit von Neïl Beloufa, sie ergänzt unsere Sammlung hervorragend“, erklärt Söke Dinkla. Bereits in den 80er Jahren hat das Duisburger Haus moderne Medienkunst, etwa von Nam June Paik, Lynn Hershman oder Aernout Mik angeschafft. „Wir zeigen ja nicht nur Lehmbruck, sondern auch zeitgenössische Kunst. Eine Sammlung muss lebendig bleiben“, betont Dinkla. Eine Jury, beauftragt von der Kunststiftung NRW hatte zunächst das Duisburger Museum ausgewählt und anschließend befunden, dass ein Beitrag von Beloufa gut zur Sammlung passen könnte. Der Pariser Künstler mit algerischen Wurzeln ist gerade weltweit gefragt. Er stellt nicht nur in Museen aus, sondern zeigt seine Videos beispielsweise bei Festivals und war auch schon Gast der Kurzfilmtage Oberhausen. „Ich betrachte meine Arbeit nicht als Skulptur. Es ist komisch zwischen all den ernstzunehmenden Skulpturen auszustellen“, sagt er bei der Vorbesichtigung. Man könne „Being Rational“ als Zuschauer nur begreifen, wenn man es einmal umrundet.

„Data for Desire“, der Film, stammt aus 2014. Er zeigt französische und amerikanische Studenten. Die amerikanischen Teenager feiern eine Party, die Franzosen versuchen mit Hilfe mathematischer Formeln, die Handlungen der Amerikaner vorherzusagen. Die Party ist inszeniert. Beloufa spielt an dieser Stelle mit Fiktion und Dokumentation und bricht sie künstlerisch.