Ein Tag der Befreiung

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Duisburg.. Duisburg hat ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Anderthalb Jahre nach dem wohl schrecklichsten Nachkriegsereignis haben fast 130 000 Bürgerinnen und Bürger mit ihren Stimmen Duisburg eine neue Stimme gegeben.

Die Sieger, das sind nicht die allein diejenigen, die Sauerland abgewählt haben. Gewonnen hat die ganze Stadt.

Wahlen haben gemeinhin jubelnde Gewinner. Doch dieser Sonntag ist ein anderer Wahlabend. Da ließ sich niemand überschwänglich feiern, knallten nicht die Sektkorken. Denn jedes Kreuz auf den Abstimmungszetteln erinnerte auch an die 21 Kreuze der Todesopfer der Loveparade.

Mit der Abwahl Sauerlands ist die Katastrophe nicht Geschichte, sind die Opfer nicht vergessen. Es bleibt die Pflicht, das Desaster vom 24. Juni 2010 juristisch aufzuklären, Schuldige und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Sauerlands Abwahl macht die Aufklärung und Aufarbeitung nun leichter. Und für die Angehörigen der Opfer, für die vielen Verletzten und Traumatisierten ist dieser Abstimmungstag ein Tag der Befreiung, der Erlösung. Auch für die Stadtverwaltung, die unter dem OB nur noch mühselig funktionierte.

Alle in der Pflicht

Sauerland ist nicht der Schuldige, erst recht nicht der Alleinschuldige für das Unglück am Tunnel. Aber er war es, der Duisburg nach der Katastrophe in die nächste Katastrohe trieb, der Duisburg spaltete und lähmte. Dem Tag des Todes folgten Monate der Qualen. Als „Farce“ hatten er und die CDU das Abwahlverfahren diskreditiert. Die Duisburger haben gestern darauf die richtige Antwort gefunden. Selbst bei der Union war man ob der Eindeutigkeit des Ergebnisses erleichtert.

„Neuanfang für Duisburg“: Mit dieser Losung war die Abwahl-Initiative angetreten. Nun hat Duisburg die Chance für einen Neuanfang. Die 130 000 Stimmen wollten mehr als die Abwahl Sauerlands, sie wollen eben diesen Neuanfang. Sie nehmen damit auch all jene in die Pflicht, die ihn nun gestalten können und müssen. Die Sehnsucht nach Einigkeit und Gemeinsamkeit ist groß. Vor allem die politischen Parteien sind jetzt in der Verantwortung, diesen Neuanfang mit Leben zu füllen. Sie haben es gestern angekündigt. Sie werden sich daran messen lassen müssen.