Ein Stück über Mobbing und Vorurteile

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Ein neuer „Kaas & Kappes“-Festivaltag, ein neues Thema: Mobbing – ein Problem, das besonders im Schulalltag eine immer größere Rolle in den Klassenzimmern spielt. Im Rahmen des 17. deutsch-niederländischen Jugendtheaterfestivals, zeigte das Kom’ma-Theater in Rheinhausen dazu ein aufklärendes Stück: „Das Verhör“. Das Werk von Helge Fedder und René Linke für Kinder ab 13 Jahren feierte gleichzeitig Premiere. Mit Humor und zugleich ernstem Hintergedanken machten die Kom’ma-Akteure Stephanie Lehmann und Elias Ordelmans das überwiegend junge Publikum auf Mobbing aufmerksam. Ihm wurde nahe gebracht, nicht in Schubladen zu denken und was es heißt, schikaniert zu werden.

Aufgebaut wie ein Klassenzimmer, konnten die jungen Zuschauer direkt auf der „Bühne“ auf den Schulbänken Platz nehmen. So wurden sie ein Teil des Verhörs, das der Schüler Christoph Land über sich ergehen lassen muss: Die Kommissarin Franziska Seifert wirft dem vorbestraften Jugendlichen vor, seinen Mitschüler Max so sehr gemobbt zu haben, dass dieser sich das Leben nehmen wollte. Nun liegt er im Koma.

Neben Suizidversuchen wird ein weiteres Tabuthema angesprochen: Max ist schwul und Christoph hatte ihm zuvor ein Beweisvideo geschickt, auf dem er beim Knutschen mit einem Jungen zu sehen ist. Deshalb unterstellt die Polizistin ihm Erpressung. Es kommt zu einer lautstarken Diskussion, in der sich der Schüler doch sehr besorgt um seinen Klassenkameraden zeigt. Dennoch provoziert und beleidigt er die Frau zunehmend. Das amüsierte die jungen Zuschauer, ließ sie aber auch gespannt zuhören.

Christoph weist die Vorwürfe von sich, hadert aber mit sich selbst. Die Kommissarin weiß, ihm lastet etwas auf der Seele, worüber er aber nicht reden möchte und setzt ihn weiter unter Druck. Zunächst wirkt der Schüler noch cool und klatscht das involvierte Publikum ab. Dann aber gibt er allmählich zu, feige zu sein und Witze über Max gemacht zu haben. Trotzdem möchte er nicht in die Schublade des klischeehaft mobbenden Täters gesteckt werden.

Erst als Franziska Seifert verspricht, nur noch „die richtigen Fragen“ zu stellen, beginnt der scheinbare Täter zu reden. Und am Ende wird zum Erstaunen der Zuschauer klar, er ist der unbekannte Junge in dem Video, der doch eigentlich in Max verliebt ist.

Das 40-minütige Stück spricht über Mobbing und dessen Folgen, über Homosexualität und Outing-Ängste, über Gruppenzwang und über Vorurteile. Die Botschaft scheint beim Publikum angekommen zu sein. Minutenlanger, lautstarker Applaus und Gestampfe belohnten die beiden Schauspieler des Theaters für ihre Leistung.

Karina Korneli gewinnt Jugendautorenpreis

Anders sein, einsam sein, Sucht, Freundschaft, Liebe, Verrat: Das sind Themen, mit denen sich Nachwuchsautoren beim neunten Jugendautorenpreises „Lampenfieber“ in diesem Jahr beschäftigten. Fünf von ihnen wurden nun im Rahmen des „Kaas & Kappes“-Festival im Kom’ma-Theater ausgezeichnet. 25 Einsendungen erhielt die Jury. In den dramatischen Szenen und Stücken ließen die Schreiber im Alter von zwölf bis 20 Jahren ihrer Kreativität freien Lauf.

Die Jury bildeten Theatermacherin Katja Wiefel, Schauspieler Helmuth Hensen und Praktikantin Luisa Schwab. Es sei schwierig gewesen, aus den Texten die besten zu küren. Gewonnen hat die 16-jährige Karina Korneli. In ihrem Text überzeugte „das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer und wie poetisch und plastisch die Liebe beschrieben wird“, fand die Jury. Karina Korneli freut sich: „Ich war nervös und überrascht! Ich schreibe schon lange, aber nur für mich. Diesen Text habe ich aus der Stimmung heraus in einer halben Stunde verfasst.“ Außerdem wurden Jannika Lösche, Jana Balzert, Alparslan Yüksel und die Theatergruppe Marienkirche geehrt.