Ein Streik auf dem Rücken der Kinder

Mal befinden sich die Piloten, das Zugbegleitpersonal, die Lokführer und seit geraumer Zeit die Erzieherinnen der öffentlichen Betreuungseinrichtungen im Streik. Ein Streik führt häufig zu wirtschaftlichem Schaden für den bestreikten Arbeitgeber, welcher als Druckmittel wirksam ist. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die Streiks in den Kindertageseinrichtungen, stellt sich die Sachlage völlig anders dar: Kinder können die Einrichtungen nicht wie gewohnt besuchen und die Eltern sorgen für Ersatz. Eine Rückerstattung der Beiträge findet jedoch bisher nicht statt. Die Träger der bestreikten Einrichtungen erhalten weiterhin die Beiträge, haben jedoch für die streikenden Angestellten keine Kosten. Wo ist da das Druckmittel?

Ich halte die Erörterung der Wirksamkeit eines Streiks allerdings hier für zweitrangig. Viel wichtiger ist die Frage, ob und wie lange ein scheinbar nicht wirksamer Streik auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden muss und ob eine erzielte Einigung für die Kinder zu einer Verbesserung der Betreuungssituation führt.

Die Perspektive der Kinder fehlt in dem Gerangel zwischen Gewerkschaften und dem Verband kommunaler Arbeitgeber leider völlig. Die Kinder sind es, die die Einrichtungen derzeit nicht besuchen können. Angebote und Förderung fallen aus. Besonders betroffen sind jüngere Kinder, speziell die unter Dreijährigen. Diese sind erst seit kurzer Zeit in der Betreuung und müssen später wieder neu eingewöhnt werden. Die „Großen“ in den Kitas haben nur noch wenige Wochen bevor die Kindergartenzeit endet. Eine Zeit, die sie umso bewusster in der gewohnten Umgebung genießen. Viele Einrichtungen bereiten sie in dieser Zeit gezielt auf die Schule vor. Das findet nun nicht mehr statt. Für einen Sechsjährigen ist das eine wichtige Vorbereitung und bei Ausfall eine herbe Enttäuschung.

Dies soll natürlich nicht als Plädoyer gegen einen Streik verstanden werden. Ich halte Streiks für ein wichtiges Recht jedes Arbeitnehmers. Ich würde mich allerdings freuen, wenn beide Seiten die Sinne dafür schärfen, wer eigentlich die Leidtragenden in diesem Streik sind. Kinder sind unser höchstes Gut, in ihnen liegt unsere Zukunft. Also sollten wir auch in diesem Sinne handeln. Ich wünsche mir von den Konfliktparteien daher im Interesse der Kinder eine baldige Einigung.