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Bühne

Ein starkes Sehnen

23.01.2010 | 12:00 Uhr

Der Ballettabend b.03 hat Premiere im Theater: Ballettchef Martin Schläpfer hat ein Programm entwickelt, das aus drei Teilen besteht. Obwohl es kaum eine Verbindung zwischen den Stücken gibt, hat er sie bewusst so kombiniert: "Alle drei Choreographien drücken ein starkes Sehnen aus."

Vor zwei Wochen erklang Felix Mendelssohn-Bartholdys Reformationssymphonie im Philharmonischen Konzert, nun ist sie als Ballettmusik zu einer Choreographie von Martin Schläpfer im Theater zu hören. Sein drittes Programm für das Ballet am Rhein besteht aus drei Teilen: Von George Balanchine wird „Serenade” zur Musik von Peter Tschaikowsky gezeigt. Darauf folgt „Signing off” von Sol Leon und Paul Lightfoot zum ersten und zweiten Satz des Violinen-Konzertes von Phil Glass, und den Abschluss macht Martin Schläpfers „Reformationssymphonie”.

Obwohl es kaum eine Verbindung zwischen den Stücken gibt, hat Ballettchef Schläpfer die drei bewusst so kombiniert: „Alle drei Choreographien drücken ein starkes Sehnen, den Wunsch nach etwas anderem aus.” So gebe es in der Reformationssymphonie immer wieder Bewegungsabläufe, in denen die Tänzer etwas wegschieben wollten. Der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott”, der im Finalsatz der Symphonie erklingt, ist für Schläpfer ein Moment der Hoffnung, der aber auch etwas Bedrohliches habe.

Die Choreographie entstand 2008 für das Ballett Mainz in einer Phase, in der Schläpfer die Auseinandersetzung mit Sinfonien suchte: „Ich hatte bereits Beethovens 7. Sinfonie und Tschaikowskys Pathetique gemacht und wollte mich weiter mit großen Orchesterwerken beschäftigen.” Dabei habe er bewusst ein Werk ausgewählt, das sich auf den ersten Blick gar nicht für den Tanz anbietet: „Ich finde es spannend, eine Musik zu wählen, die mir anfangs gar nichts sagt. Das macht mich erst richtig neugierig.”

Rheinopern-GMD Axel Kober, der bei diesem Ballettabend am Pult der Duisburger Philharmoniker steht, bekennt, dass er sich bei seiner Interpretation der Symphonie sehr stark von Schläpfers Choreographie lenken lasse und die Musik, passend zum Tanz, dunkler klingen solle. Kober: „Durch die Choreographie kann ich die Musik ganz anders empfinden als im Konzertsaal. So muss ich keinen großen Bogen spielen lassen, sondern der Tanz gibt den Bogen vor. Ich kann mich viel mehr auf die Details und Farben der Musik konzentrieren.”

„Signing off” handelt von Tod und Abschied; die Choreographie entstand 2003 innerhalb von elf Tagen für das Nederlands Dans Theater. Über das Choreographieren mit Paul Lightfoot sagt Sol Leon: „Wir reden wenig über unsere Arbeit und planen auch nichts. Unsere Kreativität ist eher eine Sache des Instinkts”.

Balanchines „Serenade” ist aus dem Jahr 1934 – mit Tutus und Spitzentanz. Schläpfer: „Dieses Stück ist so gut, dass es wert ist, aufgeführt zu werden. Außerdem zeigt es, woher wir kommen.”

Nach der Premiere des Abends mit dem Titel „b.03” heute um 19.30 Uhr, ist das Programm bis Ende Januar noch fünfmal im städtischen Theater zu sehen: Am Sonntag um 15 Uhr, am 26., 27., 29. und 30. jeweils um 19.30 Uhr.

Rudolf Hermes

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