NRZ-Zeppelin
Ein Spielball des Windes
01.08.2009 | 08:00 Uhr 2009-08-01T08:00:00+0200
Kapitän Pierre Ponomareff steuert das Luftschiff 300 Meter über Duisburg: Die Stadt wirkt wie eine Miniaturlandschaft.
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.”
Unter den Wolken ist es, lieber Reinhard Mey, aber auch nicht schlecht. Das wissen Segel- und Drachenflieger, Hubschrauber- und Ballonpiloten sehr zu schätzen. Und eben auch der Kapitän und die Fahrgäste des voluminösen Luftschiffes mit dem weithin sichtbaren Aufdruck „NRZ – Flieg mit!”. Sieht man doch aus ein paar hundert Metern Höhe die wattebauschigen Wolken eher oben und dafür Landschaft, Straßen, Autos, Mensch und Tier im Detail. Nur halt so klein wie auf der Modellbahnanlage.
Der Flug im dicken Jet ist für Urlauber Normalität. Der Mitfahrt im Luftschiff hängt dagegen der Ruch des Abenteuers an. Zumal, wenn Kapitän Pierre Ponomareff, die Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verbergend, sich auf dem Heimat-Flugfeld in Mülheim erst einmal vor seinem Luftschiff ins Gras legt. Irgendwie kommen da Gedanken an einen wagemutigen Buschpiloten auf, der am Vorabend eher schlecht als recht aus der einzigen Kneipe geschwankt is. Weit gefehlt. Ponomareff blickt auf die Wolken. Wie schnell, wie ungleichmäßig sie ziehen, und wohin. Dem Jet-Piloten wäre das ziemlich egal. Ein Luftschiff, das einer dicken Zigarre ähnelt, bietet dem Wind aber eine immense Angriffsfläche. Deswegen wird Ponomareff den Teufel tun, bei zu ungestümen Windverhältnissen abzuheben. „Meine Angst ist Ihre Lebensversicherung”, sagt er schlicht zu seinen beiden Fluggästen, ehe er sich in den Pilotensitz klemmt und die sechzehnköpfige Boden-Crew der Mülheimer Werft von WDL um Klaus Orben kraftvoll in die Seile greift, um das Luftschiff in seine Startposition zu zerren.
Die beiden 210-PS-Motoren der 60-Meter-Zigarre heulen auf, die Gondel, die gerade mal sechs Personen und zwei Piloten Platz bietet, vibriert. Aufwärts geht es. Die Aussicht ist jetzt schon prachtvoll. Das Open-Air-Gefühl, aber auch ein mächtiges Motorengebrumm, stellt sich spätestens in dem Moment ein, in dem der Fluggast seine Seitenscheibe öffnet.
Technische Daten und Fakten
Das Luftschiff mit der Aufschrift „NRZ – Flieg mit!” trat 1989 seinen Jungfernflug an. Es ist 60 Meter lang, 16,40 Meter breit und 19,30 Meter hoch. Die mit nicht brennbarem Helium gefüllte Hülle fasst 7200 Kubikmeter. Zwei Continental-Motoren à 210 PS treiben das Gefährt an, das eine Flughöhe bis zu 2000 Meter erreichen kann und 50 bis 105 Stundenkilometer schnell ist. WDL 1B ist ein Prallluftschiff, gerne auch Blimp genannt. Es unterscheidet sich von Zeppelinen darin, dass es, wie ein Ballon, ohne starres Gerüst auskommt.
Mitfliegen ist möglich. 40 Minuten kosten 240 Euro pro Person. Diese Summe deckt laut Klaus Orben nicht einmal die Kosten, da allein fürs Vorbereiten, für Start und Landung ein enormer Personaleinsatz betrieben werden muss. Infos im Internet unter www.wdl-group.de oder unter Ruf 0208/3 78 08 10.
Übrigens: Die Frage, ob ein Luftschiff fährt oder fliegt, lässt sich laut Orben mit einem klaren Einerseits-Andererseits beantworten. Je nach Einsatzzweck wird es so vorbereitet, dass es leichter als Luft ist (und damit wie ein Fessel- oder Gasballon fährt) oder schwerer, etwa bei der Personenbeförderung (damit fliegt es).
Derweil dreht Pierre Ponomareff immer wieder am ganz großen Rad, das in Längsrichtung zwischen den Pilotensitzen eingebaut ist. Mit den beiden Fußpedalen steuert er nach links und rechts, mit dem Riesenrad betätigt er das Höhenruder. Und zwar ständig, denn das Luftschiff ist ein Spielball des Windes, wird ständig nach oben oder untern gedrückt. Da muss der Kapitän ehrliche Handarbeit abliefern, um die Sollhöhe von 1000 Fuß (gut 300 Meter) zu halten, während unten langsam Kleingartenanlagen, Häuserzeilen, Menschlein vorbeiziehen.
Richtung Duisburg geht es. Über den Zoo hinweg, wo sich Dutzende Besucher um das Pinguin-Becken scharen. Aus dem Bahnhof fährt wenig später ein Regionalexpress im Kleinformat aus. Auf dem Dach des Forums herrscht Leere, im Innenhafen auch. Vereinzelt schauen Menschen nach oben, einer winkt. Zu hören ist nichts bei dem Höllenlärm der Motoren. Die Welt aus einer anderen Perspektive ist erstaunlich. In Hochemmerich besticht eine Siedlung durch viele blauen Flecken. Aufblasbare Planschbecken sind es. Manche im XXL-Format. Etwas weiter, an der Rheinorange in Ruhrort grast eine Schafherde. Der neue, 180 Meter hohe Steag-Turm wirkt aus 300 Meter Höhe gar nicht so machtig und bedrohlich.
Die Sicht ist so klar, dass an der Peripherie die Fernsehtürme in Düsseldorf und Dortmund, die Schalke-Arena und erstaunlich viele Windräder zu erkennen sind.
Zwei Stunden vergehen im Wortsinn wie im Flug. Fehlt nur noch die Landung. Die legt Ponomareff, einer von nur rund 15 Luftschiffkapitänen weltweit, in der Perfektion eines Profis hin. Filigran steuert er den fast 20 Meter hohen Riesen auf die Boden-Crew zu, die sich in einem großen „U” aufgebaut hat und nur darauf wartet, die herabhängenden Fangseile zu ergreifen und sich mit muskulösen Armen dranzuhängen. Perfekt.

09:13
fussball ist doch langweilig bewegt euch liba selber
11:12
ein , DANKE für die wertvollen Fotos ,und den damit verbundenen + gelungenen Perspektivwechsel !
Nun es spricht Einiges dafür , für diese ,m. E. bedeutsame Stadt EINZUTRETEN .Und damit ,auch außerhalb, AUFZUTRETEN für Unser Aller Gemeinsames Wohl ,in dieser Unserer Stadt !
Ich bin gerne Duisburger ,
schreibt ein Kerl, obgleich ein schlechter... !.
17:30
Heul doch
09:22
Würde auch mal sehr gern mit dem NRZ/WAZ fahren oder fliegen aber leider kann ich mir das nicht leisten.