Ein Raum der Stille
18.02.2010 | 19:50 Uhr 2010-02-18T19:50:00+0100
Nach einem Jahr der Vorbereitung wird an diesem Sonntag um 11.30 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst die neu geschaffene Krypta in der Karmelkirche am Innenhafen eröffnet. Der alte Raum unter der Kirche war einst Totenkammer für die Mönche des damaligen Minoritenklosters; jetzt dient die ehrwürdige Stätte als Raum der Stille.
Wer die Geschichte hinter der Krypta nicht kennt, wird an dem Raum zunächst wenig Einrucksvolles finden. Schon der Weg hinab in den Keller wirkt eher unspektakulär. Durch eine unscheinbare Tür geht es in einen Raum mit weißer Decke und einem Stützpfeiler in der Mitte. Ein Keller eben. Die alten Gemäuer allerdings wollen nicht so recht dort hineinpassen. Es dauert einen Augenblick, bis der Besucher erkennt, dass dies ein Raum in einem Raum ist. Und das dort vermutlich viel Geschichte drinsteckt.
Fast 300 Jahre alt ist das Steingemäuer, dass an einige Stellen verrußt, an anderen brüchig ist. Viele der Totenkammern sind über die Jahre erhalten geblieben, sogar Knochen gibt es noch. 1774 schufen die Mönche des Minoritenklosters unter ihrer Kirche eine Totenkammer für ihre Mitbrüder und Duisburger Bürger. Nach der Auflösung des Klosters 1832 entstand an gleicher Stelle die Liebfrauenkirche; nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde zwischen 1959 und 1961 das Karmelkloster errichtet.
Bis heute blieb der Raum unterhalb der Kirche weitgehend unbeachtet. Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 wurde die Krypta hergerichtet, ist nun eine von 52 spirituellen Kulturtankstellen, die das Bistum Essen in diesem besonderen Jahr eingerichtet hat. „Hintergrund dieser spirituellen Kulturtankstellen ist es, einen besonderen Raum für die Menschen zu schaffen“, erklärt Monika Schmitz, die die Restauration der Krypta organisiert hat.
Fachliche Unterstützung bekam sie dabei vom ehemaligen Stadtarchäologen Günter Krause, der sich um die erhaltenen baulichen Überreste in der Gruft kümmerte. Der Künstler Manfred Boiting gab dem Raum zusätzlich die atmosphärische Voraussetzung für Stille und Besinnung. „Es ist ein Raum entstanden, in dem man sich auf das Leben besinnen kann.“

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