Ein Kindergarten für Generationen

Duissern..  Mit Gebeten und guten Worten wurde der katholische Kindergarten St. Elisabeth vor 50 Jahren der Segen geschenkt. Damals zog die Einrichtung aus dem Kirchenkeller in ein eigenes Gebäude. Die Zeitung berichtete, dass das Gelände für mehr als 100 Kinder Platz biete, „die sich im Garten tummeln können.“ Wenn am morgigen Sonntag der runde Geburtstag gefeiert wird, hat sich viel verändert: 42 Jungen und Mädchen zwischen zwei und sechs Jahren besuchen den Kindergarten. 70 Prozent stammen aus katholischen Familien – und auch die anderen haben sich bewusst eine konfessionelle Einrichtung ausgesucht.

„Inzwischen bringen ehemalige Kindergarten-Kinder ihren Nachwuchs zu uns“, erzählt Erzieherin Barbara Piras. Die Zeit sei in all den Jahren – sie arbeitet schon mehr als zwei Jahrzehnte in St. Elisabeth – nicht stehen geblieben. Statt für alle das gleiche Programm zu bieten, wie es früher üblich war, werden die jungen Besucher viel individueller gefördert. Die einen toben, die anderen malen. „Wir haben viel mehr die einzelnen Kinder im Blick“, betont Dagmar Lebeau, die seit 2007 an der Duissernstraße als Leiterin arbeitet, und seit mehr als 30 Jahren Erzieherin ist. Früher wurde teilweise strenges Regiment geführt. Beim Stöbern nach historischen Andenken fand ein ehemaliger, inzwischen erwachsener Besucher etwa ein Mäppchen mit „Strafarbeiten“. Weil er in der Gruppe ein anderes Kind offenbar geärgert hatte, musste er ein Bild malen. Ein Aufgabe, die ihm offensichtlich keinen Spaß machte. Auch das obligatorische Flechtbild, das die Kinder basteln mussten, fand sich wieder. „Wir machen ganz andere Angebote, weil sich die Betreuungszeiten geändert haben“, erzählt Piras. Zu den Anfängen arbeiteten die Mütter, wenn überhaupt, nur halbtags und holten die Kinder mittags ab. Inzwischen gehört die Nachmittagsbetreuung zum Standard.

„Als ich klein war, haben wir unsere Freunde draußen getroffen und haben gemeinsam gespielt. Heute müssen sich die Kinder verabreden“, weiß Piras. Sie selbst hat nie einen Kindergarten besucht. „Die Plätze waren knapp und er war eine Stunde entfernt.“ Vermisst hat sie nichts, weiß aber: Die Kleinen, die mit zwei Jahren in die KiTa kommen, sind als Dreijährige weiter entwickelt als solche, die bis dahin zu Hause betreut wurden.

„Wir haben lange überlegt, ob wir U- 3-Betreuung anbieten. Natürlich haben die Jüngeren andere Bedürfnisse, aber sie schauen sich viel von den Älteren ab“, hat Dagmar Lebeau beobachtet.

Der Glaube spielt nach wie vor eine Rolle in der täglichen Arbeit, auch wenn die Anbindung an die Gemeinde etwas nachgelassen hat. Kindgerecht werde beispielsweise über die Katastrophen in der Welt gesprochen – etwa, dass die Kinder in Nepal gar kein Spielzeug mehr haben. Dann stellen die Erzieher mit den Kleinen eine Kerze auf, um an die anderen Kinder zu denken. „Das ist etwas, was auch muslimische Familien schätzen.“