Ein Gottesdienst, der Brücken schlägt

Videoprojektoren gehören normalerweise nicht zur Grundausstattung eines Gottesdienst. In der Duisserner Lutherkirche ist das seit ein paar Jahren anders. Bereits zum achten Mal feierte die Gemeinde einen Kurzfilm-Gottesdienst. Der Film soll zum Gespräch anregen.

Diesmal hatte man eine Arbeit der Schweizerin Korinna Sehringer von 1998 ausgesucht. Mit wenigen Worten erzählt „The Cookie Thief“ von einer jungen Frau, die auf ihren Flug wartet. Schon die ersten Bilder zeigen: Ganz stressfrei sitzt sie nicht da. Hektisch mümmelt sie ein paar Kekse, die Packung hat sie eben gekauft. Doch der Mann neben ihr greift unverfroren in die gleiche Schachtel, grinst und schiebt sich das Backwerk in den Mund. Unwillig nimmt sie den nächsten und es entwickelt sich ein Ess-Duell. Die Atmosphäre ändert sich, die Frau fühlt sich bedroht – auch von ein paar herumhängenden jungen Männern. Haben die nicht sogar ein Messer? Am Ende steht sie vor der Ticketkontrolle, wütend und gehetzt. Das Ticket ist weg, gestohlen vom „Keksdieb“? Da fällt ihr Blick ins Handgepäck: Das Ticket ist da und eine unangebrochene Packung Kekse. Nicht der Sitznachbar war also der Keksdieb.

In „The Cookie Thief“ geht um eine Kettenreaktion aus Angst und Vorurteil, um die verpasste Chance zum Dialog, um Brückenbau und Respekt. Der Gedanke des Brückenbaus zog sich an diesem Abend durch die anderen Elemente des Gottesdienstes, war aber auch ganz praktisch anwesend. Zu Gast war eine Gruppe von 25 südkoreanischen Protestanten, die sich auf einer Europareise mit dem Kirchenbau und der evangelischen Kirchengeschichte beschäftigte, unter ihnen die Violin-Virtuosin Grace Baek. Für den amerikanischen und den südkoreanischen Präsidenten hat die Professorin für Violine und Musiktheorie schon gespielt sowie an 800- Film und Videoproduktionen als Musikerin mitgewirkt. Mit sattem, warmen Ton begleitete sie nicht nur den Gottesdienst, sondern anschließend auch Filmausschnitte aus 50 Jahren Kinogeschichte, von „Schiwago“ bis „Titanic“, von „Cinema Paradiso“ bis „La vie en rose“ – einfach großartig.