Ein Duisburger als Feldpostler in Afghanistan

Duisburg-Serm ist sein berufliches, aber auch sein privates Zuhause: Manfred van Rickelen (51) arbeitet im Alltag als DHL-Paketbote. Im Vorjahr war der Duisburger für fünf Monate als Feldpostler in Afghanistan im Einsatz.
Duisburg-Serm ist sein berufliches, aber auch sein privates Zuhause: Manfred van Rickelen (51) arbeitet im Alltag als DHL-Paketbote. Im Vorjahr war der Duisburger für fünf Monate als Feldpostler in Afghanistan im Einsatz.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Berufsalltag arbeitet Manfred van Rickelen als DHL-Paketbote. Im Vorjahr gehörte er zum Team der Feldpost-Filiale im Bundeswehr-Camp in Masar-e Scharif. Briefe verteilen bei 55 Grad im Schatten.

Duisburg.. Die meisten Briefe und Pakete trudeln stets vor Weihnachten ein. Und vor Ostern. „Da haben wir locker die doppelte Sendungsmenge“, sagt Manfred van Rickelen. In einem Bundeswehr-Camp in der afghanischen Stadt Masar-e Scharif war der 51-jährige Sermer im Jahr 2014 als Feldpostler im Einsatz. Rund fünf Monate sorgte er dort mit zwei Kollegen in der kleinen Postfiliale dafür, dass die Bundeswehrsoldaten beim Auslandseinsatz in weiter Ferne auch Nachrichten von zu Hause erhielten. Bei Tagestemperaturen von bis zu 55 Grad. Und bei Schnee. Auf vielen Briefumschlägen stand in bunten Buchstaben von Kinderhand geschrieben: „Papa, ich hab Dich lieb“. Wegen Botschaften wie dieser ist Feldpost so wichtig: Sie hält die Moral der Truppe aufrecht.

Manfred van Rickelen ist gelernter Zimmermann, arbeitet aber bereits seit 1996 für den DHL-Paketdienst. „Das ist mein Traumjob.“ Ein Arbeitskollege erzählte ihm von der Chance, als Feldpostler mit der Bundeswehr auf Auslandseinsatz zu gehen. Seinen Grundwehrdienst hatte er als junger Mann geleistet – eine zwingende Voraussetzung zum Mitmachen. Genauso wichtig war auch das Absolvieren diverser Lehrgänge: van Rickelen lernte den Umgang mit Waffen („Im Camp musste ich eine Pistole des Typs P 8 immer am Mann tragen“), er wurde als Sanitäter ausgebildet und bekam die Besonderheiten einer Feldpostkasse erklärt. Nun stand nur noch eine Hürde im Weg: sein Gewicht.

Abspecken vor dem Abflug

„Ich habe damals rund 140 Kilo gewogen, das war viel zu viel, um mitmachen zu dürfen“, erklärt der frühere Raketenartillerist. Dank radikaler Ernährungsumstellung und viel Sport brachte er neun Monate später nur noch knapp 100 Kilo auf die Waage. Nun stand dem Einsatz in Afghanistan nichts mehr im Wege. In Masar-e Scharif angekommen, dauerte es drei, vier Wochen, bis er sich an das Leben im Camp gewöhnt hatte. Immer, wenn die verplombten Container aus der Feldpostleitstelle in Darmstadt per Transall-Transportflugzeug am tausende Kilometer entfernten Bestimmungsort eintrafen, war die Vorfreude der Soldaten riesig. „Mittwochs und samstags haben wir immer die Post verteilt. Dann hat sich vor unserem kleinen Container stets eine ganz lange Schlange gebildet. Jeder wollte etwas von zu Hause in den Händen halten.“

Das Camp durfte van Rickelen während der gesamten Zeit nicht verlassen. Nach vollbrachtem Tagesdienst arbeitete er – so wie alle anderen Kameraden auch – mit viel Sport gegen den drohenden Lagerkoller an. Und durch die viele Zeit, die er mit den übrigen Soldaten verbrachte, entstanden auch neue Freundschaften. „Ich habe da tolle Leute kennen gelernt, zu denen ich teils bis heute engen Kontakt halte“, sagt der Stabsgefreite.

Das Bangen um die Kameraden

Entscheidend sei für ihn nie der Dienstgrad gewesen, sondern stets der Mensch, der da vor ihm stand. „Und weil wir viele tolle Leute dabei hatten, war auch die Kameradschaft top.“ Schlimme Momente seien es gewesen, wenn zum Camp durchdrang, dass einer der Außentrupps beschossen wurde oder in eine Sprengfalle geriet. „Erst wenn alle heil daheim im Camp waren, konnte ich wieder aufatmen.“

Hat der Feldpostler denn selbst auch mal was zugeschickt bekommen? Da strahlt van Rickelen. „Aber sicher! Weil ich über Karneval weg war, haben mir die Jungs von der KG Südstern Serm ihre Festschrift nach Afghanistan versandt. Und nette Nachbarn haben mir Ahoi-Brause geschickt. Die brauchte ich fürs stille Wasser.“ Davon musste er wie alle Soldaten wegen der hohen Temperaturen täglich so viel trinken, dass er es irgendwann leid war und Geschmack fürs Wasser brauchte. Die Brause aus der Heimat machte es möglich.

Die Monate in Afghanistan haben tiefe Spuren hinterlassen. Daher hat sich van Rickelen schon zum nächsten Einsatz angemeldet: Im Oktober geht’s in die Türkei. Ins Grenzgebiet zum umkämpften Syrien. Er wird dort wieder die Feldpost verteilen. Und den Soldaten ein Stückchen Heimat überreichen.