Ein Beruf zwischen Tradition und Moderne

Wer im Bestattungshaus Menge die Stufen hinauf steigt, sieht ein Stück Familiengeschichte. Das Generationenfenster zeigt die Ursprünge des Bergheimer Unternehmens. Es war 1931, als der Stellmacher Bernhard Menge ein Beerdigungsinstitut gründete. Sein Handwerk war nicht mehr lukrativ genug, da Pferdekutschen nach und nach von den Straßen verschwanden. Er fand mit Bestattungen ein zweites Standbein.

Später übernahm der gelernte Tischler Heinrich Menge den elterlichen Betrieb. Und als das Unternehmen 1987 in eine GmbH umgewandelt wurde, stieg dessen Sohn Bernd Menge mit ein. Der hatte den Beruf des Bankkaufmanns erlernt.

Deswegen finden sich im Mosaikfenster der Menges auch Bleistift, Lineal und Ernennungsurkunde wieder. Daneben symbolisieren Späne, Zirkel und Anschlagwinkel den Tischlerberuf des Vaters. Ein Wagen und ein Rad zeigen, dass der Firmengründer ein Stellmacher war.

„Für unseren Sohn Stefan ist leider kein Platz mehr“, sagt Petra Menge und schmunzelt. Dabei hätte der 32-Jährige ein eigenes Mosaik verdient. Der gelernte Mechatroniker ist seit 2007 auch Bestattungsfachkraft - er repräsentiert im Unternehmen die vierte Generation.

Dass bei den Menges die Familiengeschichte eine große Rolle spielt, ist im Stammhaus an der Buchenstraße nicht zu übersehen. So hängt im Ausstellungsraum der fast 100 Jahre alte Meisterbrief von Bernhard Menge. In der Garage steht noch ein Ford A - das Baujahr entspricht dem Gründungsjahr des Unternehmens.

Die Tradition ist der Familie wichtig, trotzdem hat sie rechtzeitig die Herausforderungen der Moderne erkannt. „In unserem Beruf hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert“, sagt Bestatter Thorsten Hemsteg. Als Bernd Menge ihn 1993 einstellte, da ging es in Gesprächen mit Angehörigen zumeist über eine Erdbestattung für die Verstorbenen. Die Zeit ist vorbei. „Die Zahl der Feuerbestattungen ist zuletzt deutlich angestiegen“, erklärt Hemsteg.

Im Ausstellungsraum stehen zwischen Eichen- und Kiefernsärgen zahlreiche Urnen. Hemstegs Kollege Bodo Zimmer greift nach einem Modell aus unbehandelten Holz. Er öffnet die Urne und holt einen Pinsel und Farbe heraus. „Sowas bieten wir auch an. Die Enkel können die Urne des Großvaters oder der Großmutter individuell bemalen. So etwas war vor zwanzig Jahren schwer vorstellbar“, erklärt Zimmer.

Sommerfest zwischen Särgen

Genauso schwer vorstellbar wie ein Sommerfest im Bestattungshaus. So eins veranstalteten Familie Menge im Vorjahr. Sie wollte ihren Besucher die Berührungsängste nehmen. Deshalb blieben die Särge im Ausstellungsraum auch an Ort und Stelle. „Als wir zum Sommerfest eingeladen haben, gab es Skepsis. Die ist bei den Gästen aber im Laufe des Tages gewichen. Die Resonanz war durchweg positiv“, sagt Petra Menge.

Bemalte Urnen, ein Sommerfest zwischen Särgen - sie stehen für einen Wandel in der Branche. „Wichtig ist auch für uns, den Zeitgeist zu erkennen“, sagt Bodo Zimmer. Deshalb beschäftigte sich sein Chef frühzeitig mit einer Alternative zu Beisetzungen auf einem städtischen Friedhof. Es war 2002, als Bernd Menge auf die Idee kam, ein Kolumbarium auf seinem Grundstück zu errichten. Die alt-katholische Kirche übernahm die Trägerschaft. So konnte der Bestatter den damals ersten privaten Urnenfriedhof in ganz Deutschland einweihen.

Mehrere hundert Fächer hat Menge bereits vermietet. Seit der Einweihung eines dritten Abschnitts gibt es an der Buchenstraße mittlerweile Platz für rund 1000 Urnen. „Das Kolumbarium wird immer häufiger als letzte Ruhestätte ausgewählt. Hier entfällt die Grabpflege und die Kosten sind überschaubar“, erklärt Bodo Zimmer.

Eine ältere Frau betritt den Innenhof. Sie bewegt ihren Rollator langsam in Richtung Kolumbarium. Auf einem großen Friedhof bräuchte sie lange, um zum Grab ihres verstorbenen Angehörigen zu kommen. Kommt dann der große Schauer, wird der Besuch zur zusätzlichen Qual. Solche Probleme gibt es beim Kolumbarium nicht. „Hierhin kann man bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit kommen und dann in aller Stille trauern“, sagt Petra Menge. Für das Kolumbarium erhielt ihr Mann sogar einen Innovationspreis, die Trophäe der „Funaral Awards“ steht vor einem großen, hellen Raum.

Dort berät Bernd Menges Team mit Angehörigen den Ablauf einer Trauerfeier. Dieser Teil gehört zum Beruf dazu, genauso wie die Gestaltung von Karten und Behördengänge. „Wir sind immer mehr zu Dienstleistern geworden“, sagt Thorsten Hemsteg. Das hindert ihn aber nicht daran, den Beruf des Bestatters zu mögen. Hemsteg hat es auch geschafft, sich seinen Sinn für Humor zu bewahren, das obwohl er tagtäglich mit Leid konfrontiert wird.

Frönt der Bestatter seinem Hobby, muss er sich auch mal flapsige Kommentare anhören. Hemsteg ist Geschäftsführer der Musikvereinigung Duisburg-West. Wenn die Mitglieder ihre Shirts mit dem Aufdruck „Bestattungshaus Menge“ bei Auftritten zeigen, dann heißt es oft: „Ihr könnt doch bestimmt nur das „Lied vom Tod“ spielen“.