Edler Schrott macht Haniel Freude

Als „Abenteuerspielplatz“ bezeichnete Haniel-Chef Stephan Gemkow sein Unternehmen gestern, meinte damit aber nur die Baustelle für ein kleines Blockheizwerk mitten auf dem Haniel-Gelände in Ruhrort. Sorgen um den Traditionskonzern muss sich niemand machen: Haniel ist fast schuldenfrei, hat eine Milliarde für Firmenzukäufe in der Schublade und überweist der Eigner-Familie in diesem Jahr 40 Mio Euro. Im Vorjahr waren’s „nur“ 30 Mio.

Ein Sonderlob spendierte der Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens der Duisburger Konzerntochter ELG mit Hauptsitz im Hafen, die sich dem Recycling vor allem von Edelstahlschrott widmet. Sie habe ihm „viel Freude bereitet“, so Gemkow bei der Vorstellung der Konzernzahlen. Bei Edelstahl gab’s ein Plus von 15 Prozent, bei sogenannten „Superlegierungen“ (etwa für hochbelastbare Stähle) sogar von 38 Prozent. Das ELG-Ergebnis legte um 26 Prozent zu auf 59 Mio Euro.

Die Duisburger Konzerntochter sei ein „gutes Beispiel für die strategische Weiterentwicklung unserer Geschäftsbereiche“, freute sich Gemkow. Es werde daher weitere Unternehmenszukäufe in diesem Bereich geben, etwa was das Recycling von Carbonfasern, einem Werkstoff mit Zukunft, angehe. Befördert wurde das gute Jahresresultat von ELG auch durch längere Phasen höherer Preise für Nickel und Titan.

Zur Familie Haniel gehören derzeit nach Unternehmensangaben rund 1400 Menschen, wovon 665 Anteile am 259-jährigen Ruhrorter Konzern halten. Wichtigster Termin für die Anteilseigner ist die alljährliche Gesellschafterversammlung, in der der Vorstand über die laufenden Geschäfte informiert. Daneben werden aber auch Familienthemen erörter.

Von Kindesbeinen an werden die Haniels mit ihrem Unternehmen vertraut gemacht. Etwa mit einer Schnitzeljagd durchs Firmenmuseum während der Gesellschafterversammlung oder bei „Jugendtagen“, wo die 17- bis 25-Jährigen auf ihre Zeit als aktive Gesellschafter vorbereitet oder bei ihren ersten Schritten begleitet werden. Anteilseigner sind viele zwar von Geburt an, aber für Gesellschafter gibt’s eine Altersgrenze von 18 Jahren.

„Jugendtreffen“ führen die jüngeren Gesellschafter alle zwei Jahre in einer der Beteiligungsgesellschaften, wobei der Jugendbegriff bei sehr alten Unternehmen sehr weit ist und bis 40 reicht. Und für die Generationen Ü 40 ist gesorgt: Jedes zweite Jahr stehen Treffen mit Chefs der Haniel-Unternehmen an.

Und damit zwischen diesen Veranstaltungen die Kommunikation unter den über die ganze Welt verstreut lebenden Nachkommen von Firmen-Gründer Franz Haniel gewährleistet ist, gibt es seit 2012 das „Haniel Family Net“, eine Art Intranet, über das unter anderem der Vorstand über die Konzernlage informiert.