Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Loveparade-Katastrophe

Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung zurück

25.07.2010 | 16:56 Uhr
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung zurück

Duisburg.Direkt nach der Katastrophe, die bei der Duisburger Loveparade 19 Menschenleben forderte, begann die Stadt damit, jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Diesen Weg behielten die Duisburger Offiziellen auch am Tag nach dem Unglück bei.

„Dies ist eine der größten Tragödien in dieser Stadt“, rang OB Adolf Sauerland am Samstagabend um Worte. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz sollten er und sein Dezernent für Sicherheit, Wolfgang Rabe, erklären, wie es zu der Katastrophe bei der Loveparade hatte kommen können. Daraus wurde nichts. Sauerland und Rabe betonten das eigene Entsetzen und teilten ihr Mitgefühl mit.

Anschließend berichtete Rabe, dass das Drama nicht im Tunnel sondern auf dem Aufgang zum Gelände stattgefunden habe. Die Frage nach den Verantwortlichen für die Katastrophe beantwortete Sauerland mit dem Hinweis, es habe „individuelle Schwächen“ auf Seiten der Raver gegeben. Das Sicherheitskonzept sei jedoch „stichhaltig“. Zu diesem Zeitpunkt waren 15 Tote und 80 Verletzte bekannt. Eine Einschätzung, die Sauerland auch bis zur großen Pressekonferenz im Rathaus am Sonntagmittag, nicht überdacht hatte. Da waren es schon 19 Tote und über 300 Verletzte.

OB: „War nicht beteiligt“

„Die Frage nach dem Warum steht jetzt im Vordergrund“, so der Oberbürgermeister. Diese müsse beantwortet werden. „Ich bitte nun aber darum, nicht voreilig Schuld zuzuweisen.“ Bis es weitere Einlassungen gebe, solle nun die Staatsanwaltschaft ermitteln. Auf eine Frage gab Sauerland jedoch eine ganz eindeutige Antwort. „Ich war nicht persönlich in die Planung eingebunden.“

Wenig aufschlussreich waren auch die Erklärungsversuche von Rabe, der am Tag nach der verhängnisvollen Veranstaltung so gut wie jede an ihn gerichtete Frage inhaltlich offen ließ. So konnte er sich nicht mehr an die genaue Größe des Veranstaltungsgeländes erinnern und gab an, es sei für „weit über 350 000 Menschen“ ausreichend gewesen. Schließlich ließ er sich zur der Aussage hinreißen, es sei „ein ausgeklügeltes System zur Zuwegung“ entworfen worden.

Irritation bei Journalisten

Auch die Reaktion von Duisburgs stellvertretendem Polizeipräsidenten Detlef von Schmeling sorgte für Irritation in den Reihen der Journalisten. So seien die meisten Besucher der Loveparade mit der Bahn angereist. „Bis 14 Uhr waren das rund 105 000 Personen“, so von Schmeling.

Unterdessen übte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) indirekt Kritik an Stadt und Organisator Lopavent: „Es muss geprüft werden, ob von Seiten der Stadt und des Veranstalters alles getan wurde, um die Katatstrophe zu verhindern.“ Er betonte, dass die Stadt Genehmigungsbehörde der Loveparade gewesen ist.

Marco Hofmann

Facebook
 
Kommentare
27.07.2010
10:13
Blockierter Kommentar.
von IchBinSchockiert | #283

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.07.2010
21:17
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von TomTom | #282

Auch der Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Duisburg und dessen Stellvertreter haben Ihren Posten zu räumen und ihren Beamtenstatus zu verlieren. Denn die Feuerwehr ist maßgeblich in Planung und Genehmigungsverfahren bei Veranstaltungen beteiligt (Siehe Berichte zur Loveparde Essen); siehe Maurerpapier. Aber von der Feuerwehr hört und sieht man nix. Sonst reden doch Amtsleiter und Einsatzleiter in Deutschland bei jedem größeren Wohnungsbrand und Autounfall gerne vor der Kamera (siehe Wiebold, blaulichtreporter.de) und hier? Funkstille!!!!!!

26.07.2010
20:39
Blockierter Kommentar.
von Chris E. | #281

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.07.2010
16:58
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von hombergerin1954 | #280

20 Tote

26.07.2010
16:53
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von halenerstrasse | #279

An die Herren Sauerland, Raabe und van Schmähling

Nach allem, was sich langsam und offenbar ohne ihre Hilfe herauskristallisiert, haben sie gemeinsam versagt.
Sie haben Schande über ihre Stadt und ihre Behörden gebracht.
Wenn sie das nicht zum Rücktritt aus ihrem Verantwortungsbereich veranlassen kann, was dann?
19 Tote, über 500 Verletze, erschütterte Jugendliche, Eltern, Großeltern, Freunde, Sanitäter, Ärzte und Polizisten.
Alle haben wesentlich mehr geleistet als sie. Ihre „Pressekonferenz“ war eine Schande in der Schande und grenzt an Rufmord für die Behörden die sie vertreten und für ihre Stadt!
Meine Herren, es ist hohe Zeit den Hut zu nehmen. Achten wird sie kein Duisburger mehr, wenn sie das aussitzen wollen!

26.07.2010
16:36
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von hombergerin1954 | #278

Die Aufklärung über die Funktionen der Dezernate ist für verwaltungsfremde Bürger evtl. erwähnenswert. Aber Fakt ist, die Stadtspitze und somit der OB sowie der Veranstalter sind letzendlich die Entscheidungsträger und tragen somit die Verantwortung. Bereits Samstagnacht wäre das Zugeständnis einer Verantwortung statt desolater und stümperhaften Aussagen gegenüber den Betroffenen und Angehörigen gerechtfertig gewesen.
Denkt bitte auch an die KollegInnen, die auch nur auf Dienstanweisung gehandelt haben bzw. mussten. Menschen die nicht zum Overhaed gehörten und ihre Arbeit ausführen mussten. z.B MA des SA des Ordnungsamtes. Als ausführendes Organ, werden auch diese Menschen psychische Folgen erleiden.

26.07.2010
15:48
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von nurgutnixboes | #277

Jemand schrieb von dem Wunsche der Verhaftung des Herrn Sauerland. So unklug ist das gar nicht. Geht man einmal davon aus, daß die Annahme einer Straftat, Totschlag (in 19 Fällen!) durch Unterlassen durchaus als Anfangsverdacht in Betracht kommen könnte. so liegt hier zweifellos der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr vor. Denn mehr als sonst haben hier die Handelnden die Möglichkeit der Absprache bzw. der Vernichtung von Beweismitteln. Aber bitte schön, wir sind in Duisburg, nicht in Amerika, wo eine furchtlose Justiz diesen Herrn und seine Helfer durchaus schnell kassieren würde.

26.07.2010
14:50
Duisburgs OB Sauerland weist Verantwortung von sich
von ehrlichkeit und recht | #276

Tenor vieler Komentare hier vor Ort:
Oberbürgermeister Dr. Peter Sauerland soll zurücktreten

Leute - ihr macht direkt den Bock zum Gärtner.
Ihr fordert den Kopf vom OB der Stadt Duisburg - aber das ist der falsche Kopf; sozusagen ein - nein das Bauernopfer.
Der wirkliche Schuldige ist der Verantwortliche für dieses Desaster, der Dezernent und Beigeordnete Wolfgang Rabe, hier zuständig für Sicherheit und Recht bei der Stadt Duisburg.

Der Beigeordneter Wolfgang Rabe leitet das Dezernat für Sicherheit und Recht. Er ist der Verantwortliche und Leiter für dieses Desaster - egal wie es ausgeht. Er war und ist die Anlaufstelle und die Koordinationsperson für die Veranstaltung; für jede Veranstaltung auf dem Gebiet der Stadt Duisburg. Er hält die Fäden für die Veranstaltung in der Hand und zieht je nach Bedarf den einen oder anderen Faden.
Und das mit Absprache mit der örtlichen Polizei und den jeweiligen Organisationen.
Er koordiniert die einzelnen Dezernate und eingebundenen Organisationen. Er gibt sein ok für jede Entscheidung für diese Veranstaltung und ohne sein ok geht überhaupt nichts.
Das gilt selbstverständlich für alle gleichartig gelagerten Dezernate in der Stadverwaltungen. Denn dafür ist ein Dezernent (oder eine Dezernetin) da und wird auch dementsprechend bezahlt. Von den Bürgern der Stadt Duisburg und die müssen sich auf seine Führungsarbeiten und Fähigkeiten verlassen können. Ein Dezernent wird durch fachliche Ausschreibung von der Kommune gesucht und wenn die Fachlichkeit und Parteichemie passt eingestellt und mit Steuergelder der Stadt oder Gemeinde bezahlt. Und das für 8 Jahre; während der OB nur für eine Ratsperiode gewählt ist. Und ein Oberbürgermeister muss sich bedingungslos auf so eine Person verlassen können. Ohne wenn und aber.
Die selbstlose Abdankung von OB Sauerland wäre also das falsche Bauernopfer und deckt den wahren Schuldigen für diese Planung.

Dezernent ist der Titel des Leiters eines Dezernates. So auch in einer Stadtverwaltung wie der Stadt Duisburg.
Auf kommunaler Ebene erfüllt der Dezernent ähnliche Aufgaben wie ein Bundesminister auf Bundesebene oder ein Landesminister auf Landesebene. Dezernenten übernehmen die Führungsaufgaben in einer Stadtverwaltung. Sie arbeiten dem/der OberbürgermeisterInn zu und auf diese Personen muss sich ein OB schon verlassen können. Ansosnsten kann er ja auch noch diese Arbeit zusätzlich übernehmen.
Übrigens, der OB (ob männlich oder weiblich) ist nicht mehr als ein Grußonkel vergleichbar wie der Bundespräsident. Entscheidungen treffen die Stadtverordneten und die Beigeordneten im jeweiligen Stadtrat.
Ein Land- oder Kreistag funktioniert ebenfalls so.

Also - denkt darüber nach wenn ihr demnächst wieder einen Kopf - den verantwortlichen Kopf zum Rücktritt fordert.
Oberbürgermeister Peter Sauerland wäre das Bauernopfer - der wahre Verantwortliche für das Desaster am vergangenen Samstag heißt Wolfgang Rabe, Dezernent für Sicherheit und Recht bei der Stadt Duisburg.
Und Wolfgang Rabe hat versagt auf der ganzen Linie.

26.07.2010
14:34
Blockierter Kommentar.
von one-off | #275

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.07.2010
14:34
Blockierter Kommentar.
von daniel koerke | #274

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3401683/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Demonstration für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg
Kulturzentrum
Die Initiative „DU it yourself“, die 2011 die leer stehende Schule in Duisburg-Laar besetzt hatte, kämpft weiter für ein soziokulturelles Zentrum in der Stadt. Am 1. Juni rufen die Aktivisten deshalb zu einer Nachttanzdemo auf, die ab 19 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt nach Hochfeld zieht.
Wo Fußball-Fans in Duisburg die EM-Spiele sehen können
Public Viewing
Die Fußball-EM wirft ihre Schatten auch in Duisburg voraus. Zwar gibt es in Duisburg aus Geldmangel kein zentrales Public Viewing unter freiem Himmel. Doch viele private Veranstalter werden das Fußball-Turnier, das am 8. Juni beginnt, auf großen Leinwänden zeigen.