Duisburgs Moby Dick

Der verirrte Belugawal 1966 im Duisburger Hafen sorgte damals für große Aufregung. Zur Erinnerung inszeniert Michael Nowottny die Ausstellung „Gestrandet“. Am Wochenende präsentierte er im Lokal Harmonie in Ruhrort sein Projekt und eröffnete eine Videoinstallation im Hafen.

Bereits seit 2003 arbeitet der Künstler an diesem Projekt. Alles begann mit der Inszenierung einer Szene aus „Moby Dick“ für ein Kölner Theater. Während seiner Arbeit fand er Gefallen an dem Klassiker von Herman Melville aus dem Jahr 1851 und war sich nach kurzer Zeit sicher: „Für mich hatte der Roman so viel Potenzial, ich musste einfach weiterhin damit arbeiten.“ Schnell zog er Parallelen zwischen dem im Jahr 1966 in Duisburg gestrandeten Belugawal und dem Roman. Die Figur des Ahab, der sich an Moby Dick rächen will, erinnert ihn an Dr. Wolfgang Gewalt, den damaligen Zoodirektor, der das Tier im Zoo beherbergen wollte. „Beide haben versucht, ein großes Tier zu zähmen – mehr oder weniger erfolgreich“, sagt Nowottny. Für ihn habe der Roman jedoch noch eine tiefere Bedeutung. Die Figur des Ahab fasziniert ihn. Sein Scheitern ist für Nowottny eine wichtige Lektion: „Nur wer ein Risiko eingeht, kann etwas bewegen.“

Seine Arbeit bezeichnet er als „Work in Progress“. Er bereiste Schottland, Madeira, Nordfriesland oder die Azoren und fertigte dort Skizzen und Gemälde an, die sich alle in „Gestrandet“ fast wie Tagebucheinträge zusammenfügen. Parallel dazu zeigt die Videoinstallation „Sonnenuntergang“ im Steuerhaus des Kranschiffs Fenden 147, das im Hafen liegt, eine filmische Umsetzung der Materie.