Duisburgs ältestes Spielwarengeschäft Roskothen schließt nach 134 Jahren
13.02.2013 | 12:00 Uhr 2013-02-13T12:00:00+0100
Duisburg. Boris Roskothen, Inhaber des ältesten Spielwarengeschäftes in Duisburg, wird sein Geschäft schließen. Der Laden ist auch ein Opfer gesellschaftlichen Wandels: Das Spielen hat sich verändert, schon Grundschüler haben Smartphones. Außerdem setzte der Internethandel dem traditionsreichen Geschäft zu.
Es ist eine weiterer Schlag ins Kontor des inhabergeführten Einzelhandels in Duisburg - und es ist ein Riesenschlag: Nach 134 Jahren, davon 131 in Duisburg, schließt das älteste Spielwarenfachgeschäft Roskothen seine Türen.
Boris Roskothen, der das Geschäft in fünfter Generation führt, hat sich mit schwerem Herzen, aber eben auch mit klarem kaufmännischen Verstand dafür entschieden, den Spielwarenladen aufzugeben und für die im Familienbesitz befindliche Immobilie am Sonnenwall einen Nachfolger zu suchen.
Schönes Spielzeug ist nicht mehr gefragt
„Wir sind mehrere Jahre gegen den Wind gesegelt, in schwere Wasser geraten, haben das Ruder herumgerissen und steuern nun den Heimathafen an“, sagt Roskothen. Der Grund: Die Kunst des Spielens, mit der Roskothen immer geworben hat, sowie Kunst zum Spielen, die er in seinen Regalen anbietet, ist immer weniger gefragt. „Das Geschäft mit den Spielwaren lohnt sich heute nicht mehr. Die Kinder haben keinen Bedarf mehr, denn das Spielen hat sich verändert“, sagt Roskothen.
„Es wird immer mehr virtuell gespielt. Zudem nehmen ‘social media’ (facebook etc., d. Red.) einen immer größeren Bereich ein. Selbst in der Waldorfschule laufen acht- und neunjährige Kinder heute schon mit Smart- und iPhones rum. Der gesellschaftliche Druck ist so groß, dass 50 Prozent der Zwölfjährigen bereits ein eigenes Smartphone besitzen.“
Das Spielwarengeschäft Roskothen ist mit seinen 132 Jahren das älteste Einzelhandelsgeschäft in Duisburg - und stellt sich ganz bewusst gegen den Trend: Spielekonsolen und Barbies sucht man bei Roskothen vergeblich.
Hinzu komme die enorme Konkurrenz durch den Onlinehandel. Roskothen: „Vor fünf, sechs Jahren hatten die Eltern noch die Freiheit, Wünsche zu erfüllen. Die kamen dann in unser Geschäft und wollten einen Bagger oder Traktor kaufen und wir konnten ihnen drei bis sechs Modelle zur Auswahl zeigen. Heute ist es oft so, dass Großeltern oder Eltern eher mit Befehlen zu uns kommen, Dinge zu kaufen, die ihre Enkel oder Kinder im Internet gesehen haben. Die können wir natürlich nicht alle vorrätig haben.“ Um sich keinen Stress anzutun, würde dann oft direkt im Internet bestellt.
Das sei ein gesellschaftliches Problem und nicht spezifisch für Duisburg weist Boris Roskothen darauf hin, dass im März 2010 der alteingesessene Spielwarenhändler Lütgenau in Düsseldorf sein Geschäft geschlossen hat, ebenfalls nach 134 Jahren.
Auch das "Baumhaus" schließt
Bereits Ende März wird das „Baumhaus“, das Roskothen noch 2010 in der Königsgalerie eröffnet hat , dicht machen. „Das Baumhaus war ein Satellit. Es sollte dem großen Geschäft auf dem Sonnenwall neue Kunden, vor allem Erwachsene, die gerne spielen, zuführen. Ohne den Hauptladen auf dem Sonnenwall ist das sinnlos“, begründet Roskothen diesen Schritt.
Essen/Düsseldorf. WAZ, NRZ, Westfälische Rundschau und die WGZ Bank haben drei mittelständische Unternehmen aus Duisburg und Essen mit dem „Initiativpreis NRW” ausgezeichnet. Mit dem Preis werden gesellschaftliches Engagement und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region gewürdigt.
Der letzte Tag des Hauptgeschäftes indes hängt davon ab, wann sich ein Nachfolger für die 400 Quadratmeter Verkaufsfläche findet. Wer das sein soll, will Boris Roskothen als Vermieter in keiner Weise vorschreiben: „Ich verschließe mich nichts und niemandem, aber ich werde dafür sorgen, dass es ein ordentlicher Nachfolger ist. Die durch eine Treppe verbundenen Etagen und die Tatsache, dass die obere Ebene offen nach unten gestaltet ist, könnte für ein Textilgeschäft attraktiv sein.“
Doch zunächst will sich Roskothen um die Zukunft seiner acht Mitarbeiter kümmern. Das hat für ihn Priorität.
Seinen Entschluss, den Spielwarenhandel aufzugeben, sieht Boris Roskothen eher nüchtern bis abgeklärt: „Irgendwann muss man den alten Baum fällen, damit neue nachwachsen können.“

01:29
Lausberg in Oberhausen City gibt es noch. Mit tollem Sortiment !!
13:44
.......und sind mit dem Strom der toten Fische mitgeschwommen und haben 0815 LegoLillyFeeTrendartikel in den ursprünglich schönen Laden ausgestattet.
Kein Wunder das er schliessen muss - Ich kenne noch das gemütlich wuselige Geschäft der Eltern - Was Herr Roskothen jun. daraus gezaubert hat, hatte nichts mehr mit dem ursprünglichen elterlichen Geschäft zu tun - Das Warenangebot wurde stark auf Trends und weniger auf Zeitlosigkeit ausgebaut - Schade eigentlich - Zum Glück gibt es noch einen supertoll wuseligen zeitlosen Spielzeugladen in Oberhausen mit dem Namen Lausberg oder Lausbär welcher mein verspieltes Herz höher schlagen lässt - Ich hoffe doch schwer den gib es noch
13:17
Internet oder nicht - das alleine ist nicht der Grund für den Zustand der Duisburger City. Das Geld sitzt knapper, alles wird teurer, die Energiepreise explodieren. Da bleibt für Luxus - und gute Spielwaren sind letzten Endes Luxus - und Konsum in Städten wie Duisburg weniger Geld übrig. Eine Fahrt in die Duisburger City kostet eine Familie einiges an Geld - egal ob mit Straßenbahn oder dem Auto. Ist das Produkt nicht vorrätig oder beschädigt, verdoppeln oder verdreifachen sich diese Kosten (mit hinbringen und wieder abholen). Wer sparen muß, der hat keine wirkliche Wahl. Traurig aber wahr. Der Internethandel beschleunigt das Ganze nur, ändert jedoch nichts an der wirtschaftlichen Gesamtsituation vieler Bürger.
10:49
Diese Nachricht ist sehr schade, da ich dort seit gefühlten 100 Jahren gerne eingekauft habe. Gute Auswahl und kompetente Beratung ist auch wichtig und sollte durch den Preis honoriert werden. Da die Spiele-Oase im Oberhausener Centro auch geschlossen ist, muss ich mal sehen, wo ich jetzt meinem Spieltrieb Abhilfe schaffen kann.
Leider hat Herr Roskothen aber auch nicht auf die Anmerkungen reagiert, seine Internetpräsenz aktuell zu halten (aktueller Stand 2007 bis 2011) und selbst einen Versandhandel anzubieten.
Wer die gestrige Dokumentation über die Ausbeuterverhältnisse bei Amazon gesehen hat, sollte an der Stelle überlegen, ob der Versandhandel eine sozial verträgliche Lösung ist. Geiz ist eben nicht immer geil; am Ende zahlen wir alle drauf.
Es zeugt leider von wenig Kenntnis, wenn behauptet wird, dass der Online-Handel eine Rettung bzw Allheilmittel sei.
Und ich habe es selber bei Roskothen erlebt, dass sich "Kunden" dort haben ausführlich beraten lassen, dann mit den Worten "Müssen wir nochmal in Ruhe drüber nachdenken" gegangen sind und beim Rausgehen zueinander gesagt haben "Das kaufen ich hier nicht. Im Internet kostet das 5,- € weniger". Und das bei einem Spiel für knapp 40,- €. Aber Hauptsache erst mal ausführlich den Service nutzen.
Und Roskothen doch kein Einzelfall. Das zieht sich durch die meisten Mittelständler. Da hilft auch kein noch so peppiger Online-Shop. Im Gegenteil: Sie schauen bei A und bei B, und bei B bekomme Sie es 3,- € günstiger. Wo kaufen Sie also?
Ausserdem vergessen Sie, dass sich die Ware nicht von selber verpackt, fakturiert, verschickt etc. Und alles am besten noch innerhalb von Stunden. Mit Blümchen und Schleifchen und Handkuss. Und dann kommt´s wieder zurück. Weil: ist ja so einfach.
Das ist das Schicksal aller Einzelhändler. Beratung vor Ort und kaufen im Internet. Darum muss man dem Kunden im Laden Gründe geben, warum er 5€ mehr zahlen soll. Auch das funktioniert! Das machen immer wieder alle möglichen Einzelhändler vor.
@tekriemus
Internethandel ist nicht identisch mit Amazon. Es gibt durchaus Versandhändler, bei denen es normal und gesittet zugeht. Insbesondere die ganz Kleinen kennen so etwas wie bei Amazon nicht.
Traue Dich mal in die Innenstadt von Oberhausen, gegenüber vom Bert-Brechthaus ist ein wundervoller Spielzeugladen - Auf der Langemarkstr
10:17
tja
das sind die lieben guten kunden.
wollen keine beratung im geschäft
stattdessen im internet kaufen.
ich kaufe sehr sehr selten im internet.
weil:
was ich kaufe ist dort NICHT billiger
wenn alle läden zugemacht haben geht das gejammere erst richtig los.
ich lasse mich noch beraten und bekomme tips vom verkäufer die ich so nicht bekommen würde.
und es ist im laden preiswerter wie im internet.
Dem kann man nur zu 100% zustimmen.
Haben uns gerade in einem Fachgeschäft, nach guter eingehender Beratung einen neuen Herd/BacKofen gekauft.
Nicht nur das man bei der Beratung von Dingen hört, auf die man noch nie kam, man bekommt auch zu vielen anderen (Küchen) Fragen seine Antworten.
Zum Thema Preis: Der günstigste Anbieter im Internett ist über 300 (dreihundert) Euro teurer!
Bei unserem Kühlschrank war/ist es dasselbe. Amazon möchte (nach über einem Jahr) immer noch 250 Euro mehr und auch sonst kommt kein Anbieter im Netz unter den Preis, den wir zahlten. Vor über einem Jahr wohlgemerkt!
Bestimmt gibt es viele Kleinigkeiten, wie CD´s, DVD´s o.ä. die man günstig im Internet bekommt, aber wenn ich etwas kaufe, wovon ich nicht so viel Ahnung habe, müßte ich ziemlich bescheurt sein, daß im Internet zu tun...
08:37
Sehr schade!!
Die Tendenz geht leider dahin als Kunde nicht mehr "König" zu sein.
Da begegnen einem unmotivierte und unfreundliche Verkäuferinnen in kleinen und großen Kaufhäusern, was einen dazu vereitet lieber anonym im Internet einzukaufen.
Leider müssen dann gute Geschäfte wie Roskothen darunter leiden.....
07:25
Ich kann das verstehen,
trotzdem ist ein bischen Wehmut dabei. Roskothen erinnert mich an meinen Papa, der dort für uns die Puppen gekauft hat und wir später für ihn das EIsenbahnzubehör.
Echt Schade.......
06:57
Aber vielleicht entschließt sich Roskothen ja in kleinerer Form weiterzumachen. Vielleicht gehört die Zukunft ja den ganz kleinen Geschäften. Back to Tante-Emma-&-Co. Wo man uns als Kunden noch mit Namen kennt, mit Namen begrüßt und Zeit für einen kurzen Schwatz hat.
06:50
#17
Sie vergessen, dass es für Einzelhändler wie Roskothen so gut wie unmöglich ist, mit Giganten wie Amazon, Kaufhof etc zu konkurieren. Zum einen sind wir mittlerweile so konditioniert automatisch davon auszugehen, dass diese Handelsriesen die günstigsten Preise haben, was oftmals leider falsch ist.
Zum anderen haben die Großen auf Grund von wesentlich höheren Mengen, die sie bei den Herstellern einkaufen, auch eine wesentlich höhere Marge. Was nutzt es Roskothen, wenn er ein Produkt für 10,- € einkauft und es dann für 11,- € verkaufen muss, um gegenüber Amazon & Co konkurrenzfähig zu bleiben?
Dann die Produktintervalle. Früher wechselten die Hersteller nur alle 12-18 Monate die Hauptsortimente, heute im 3-6 Monatsrhythmus. So schnell wie jetzt alles "neu erfunden" wird kann kein Einzelhändler reagieren. Es gibt Vorlaufzeiten, Bestellfristen, Mindestabnahmemengen etc.
Und wenn Roskothen die ganze China-Plastikpalette angeboten hätte, dann hätte er sich auch Toys-R-Us nennen können
Für einen günstigen Einkauf gibt es Einkaufsgemeinschaften. VEDES ist im Spielwarenumfeld so eine. Da kann auch der kleine Händler günstig einkaufen.
Ich habe nie behauptet, dass Roskothen die Toys-R-Us Schiene hätte fahren sollen. Es gibt aber durchaus Mittelwege, bei denen man nicht stur am Althergebrachten festhält. Wie wäre es z.B. mit Konsolen und Spielen gewesen, plus einer vernünftigen Beratung über die Spiele- und Gerätequalität?
Wenn Roskothen in Duisburg nicht genug Kunden gefunden hat, warum haben sie dann das Internet nicht aggressiv genutzt um das Sortiment zu vermarkten. Auch für Internetkunden gibt es Beratungsbedarf. Wäre es gelungen diesen zu decken, hätten sich sicherlich auch mehr Kunden gefunden.
Ideen muss man haben, sonst geht man pleite!
00:17
Da muss ich kikimurks widersprechen.
Die Firma Roskothen hat z.B. durch den Neubau am Sonnenwall versucht, auch dieses Umfeld aufzuwerten. Roskothen hat sich gerade für Duisburg engagiert und wird ausgelotet haben, wie man sich den veränderten Kundenwünschen stellt.
Ich glaube eher, dass es auch etwas mit der Einwohnerstruktur von Duisburg zu tun hat.
Die Einwohnerzahl ist gleich geblieben, aber die Kaufkraft gesunken.
Bald wird es auch keine Buchhandlungen mehr geben.
Roskothen hat nicht neu gebaut. Sie haben sich schlicht verkleinert, weil das Konzept schon in der Vergangenheit nicht getragen hat. Der Standort ist ausgesprochen ungünstig, da er außerhalb der Käuferströme liegt. Der Sonnenwall ist max. bis zur Königspassage frequentiert. Laufkundschaft war also kaum zu generieren. Die Idee ein Standbein im Forum zu haben und dort Kunden für das Hauptgeschäft zu akquirieren ist. gelinde gesagt, blödsinnig. Welcher Kunde wird schon die Kö und den Sonnenwall hoch latschen nur weil ein Verkäufer im Forum verspricht, dass es das Gesuchte im Hauptgeschäft gibt.