Duisburgerin gibt OB Sören Link ihre Ehrennadel zurück

Monika Gründer in ihrem Naturgarten in Neudorf. Bei der VHS hält sie Vorträge und gibt Seminare für Hobbygärtner.
Monika Gründer in ihrem Naturgarten in Neudorf. Bei der VHS hält sie Vorträge und gibt Seminare für Hobbygärtner.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Für ihr Umwelt-Engagement hatte die Stadt Monika Gründer geehrt. Jetzt hat sie die Auszeichnung zurückgegeben, nicht nur wegen der gefällten Platanen.

Duisburg.. An den kleinen Festakt kann sie sich noch genau erinnern. Als ihr Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling die Umwelt-Ehrennadel für ihr bürgerliches Engagement verliehen hatte. Und sie danach nichts sagen durfte. Weil es das Protokoll schlicht nicht vorsah.

Dabei hatte sich Monika Gründer die für sie wichtigen Worte vorher zurecht gelegt: Dass sie die Ehrennadel nicht nur als Anerkennung für ihren Einsatz versteht, sondern auch als Symbol, welchen Stellenwert der Umweltschutz umgekehrt auch bei der Stadt genießt und diese sich dementsprechend selbst engagiert.

Baumfällung Ausgezeichnet wurde Monika Gründer für die Aktion „100 grüne Baumscheiben für Duisburg“. Ein Projekt, das Bürger auf den Wert der Straßenbäume vor der eigenen Haustür aufmerksam machen will.

Ehrennadel an OB Sören Link geschickt

Jetzt, mehr als zwölf Jahre später, hat Monika Gründer die silberne Umwelt-Ehrennadel in einen Briefumschlag gepackt und an den Oberbürgermeister als Repräsentant der Stadt zurückgeschickt. „Die Ehrung für bürgerschaftliches Engagement und der tatsächliche Umgang damit seitens der Stadtführung passt meiner Meinung nach nicht so recht zusammen“, sagt Monika Gründer.

Natürlich, die Fällung der Platanen auf der Mercatorstraße während des laufenden Bürgerbegehrens habe den Ausschlag gegeben. „Den Wegfall dieser Grünmenge kann man an dieser Stelle nicht ersetzen. Da gibt es doch im Prinzip nur noch Beton. Und wenn zum Ausgleich in der Rheinaue Walsum oder sonstwo Ausgleichpflanzungen erfolgen, dann haben wir doch in der City nichts davon“, sagt Gründer. „Wenn man also die Meinung vertritt, dass man erst die Bäume wegholzt, bevor man überhaupt einen Investor für ein geplantes Gebäude hat, dann sollte man konsequenterweise auch nicht Bürger ehren, die sich engagieren“, sagt Gründer.

Platanen sind nicht der einzige Protestgrund

Dennoch: Die Platanen seien nicht der einzige Punkt gewesen, die Rückgabe der Auszeichnung gewiss keine Kurzschlussreaktion. „Beim Bau des neuen Kanals an der Regattabahn habe ich mich auch geärgert, wie die Bäume weggeholzt wurden.“

Bei Ex-OB Adolf Sauerland habe sie unter anderem deshalb in der Bürgersprechstunde gesessen und um ein rücksichtsvolleres Vorgehen gebeten. „Das Leben der Bäume ist endlich“, habe Sauerland lediglich zu ihr gesagt. „Ihre Amtszeit auch“, entgegnete Gründer und verließ den Raum.

Keine Kurzschlussreaktion

Wie die Rückgabe der Ehrennadel ein eher leiser, aber deutlicher und ausdrucksstarker Akt ist, äußert die Neudorferin ihre Kritik auch im Gespräch weder aufbrausend und wütend, sondern ruhig und sachlich. „Schreiben sie nicht zuviel darüber“, bittet Gründer sogar, die seit Jahren in VHS-Seminaren und Vorträgen Grundkenntnisse für Hobbygärtner vermittelt. Und sie betont, dass man das Handeln einzelner Personen in der Verwaltung nicht ständig auf „die Stadt Duisburg“ verallgemeinern dürfe.

Schon mit der Annahme der Auszeichnung, für die sie damals vorgeschlagen wurde, hatte sie es sich nicht leicht gemacht. Sie haderte, erst nach einem einstündigen Gespräch mit der Umweltdezernentin, bei dem es auch um die Umsetzung künftiger Projekte ging, war sie überzeugt.

Jetzt ist sie überzeugt, diese Auszeichnung nicht mehr haben zu wollen. Dem Oberbürgermeister hat sie als letzten Satz geschrieben: „Aus Einsparungsgründen bitte ich Sie, auf ein Antwortschreiben zu verzichten.“