Duisburger Zoo soll den Gürtel enger schnallen

Nur mit Sponsoren-Mitteln kann der Duisburg Zoo das neue Tigergehege bauen. Größere Sparpotenziale bei den Kosten für den Tierpark sieht er nicht.
Nur mit Sponsoren-Mitteln kann der Duisburg Zoo das neue Tigergehege bauen. Größere Sparpotenziale bei den Kosten für den Tierpark sieht er nicht.
Foto: Ute Gabriel/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadt verlangt vom Duisburger Tierpark, dass er nach Sparmöglichkeiten sucht. Der Betriebsrat ist misstrauisch und fürchtet um Arbeitsplätze.

Duisburg.. Der Zoo am Kaiserberg erwacht aus dem Winterschlaf. Mit dem Frühjahr und milden Temperaturen kommen wieder die Besucherströme. Doch das Frühjahr kann heißer werden als erwartet: Sparforderungen der Stadt haben Betriebsrat und Gewerkschaft aufgeschreckt: Sie fordern eine Arbeitsplatz- und Beschäftigungssicherung.

Die Finanzsorgen des Zoos sind bekannt. Schlechte Wetterjahre schlagen sofort ins Kontor. 50.000 Besucher weniger bedeuten sofort ein Minus von mehreren 100.000 Euro. Erst im vergangenen Jahr hat die Stadt den jährlichen Zuschuss von zwei auf zweieinhalb Millionen Euro anheben müssen, so dass die Zoo AG 2014 bei wieder steigenden Besucherzahlen ohne größeres Minus übers Jahr kam. Doch nun will die Stadt genauer in die Bücher gucken und will eine Überprüfung des Kostenstrukturen, insbesondere im Personalbereich. Oberbürgermeister Sören Link persönlich hatte das im Zoo-Aufsichtsrat angekündigt.

"Wir beißen auf dem letzten Gummi"

Misstrauisch und gewarnt schauen Zoo-Betriebsrat und Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf andere Stadtbeteiligungen: Das Klinikum Duisburg wurde komplett verkauft, der Stadtkonzern DVV streicht Mitarbeiter-Zulagen, wird Stellen abbauen und 40 Millionen Euro einsparen. „Die Stadt will auch beim Zoo den Spardruck erhöhen“, argwöhnt Verdi-Geschäftsführer Thomas Keuer. Dem will Verdi mit einer Tarifvereinbarung gegen betriebsbedingte Kündigungen zur Beschäftigungssicherung einen Riegel vorschieben.

„Wir beißen jetzt schon auf dem letzten Gummi“, klagt der Zoo-Betriebsratsvorsitzende Michael Kamela. Vier der 96 festen Stellen seien schon lange nicht besetzt: „Hier guckt keiner auf den Feierabend.“ Sparpotenzial, gar durch Stellenabbau, sieht der Betriebsrat nicht. Auch die Fremdvergabe von Arbeiten an Private oder an andere Stadttöchter wie die Grünpfleger der Wirtschaftsbetriebe hält er für ­unrealistisch: Wenn etwa am Affenkäfig der Schlosser ran muss, kann das kein Auswärtiger machen, sondern ist der eigene Haus-Handwerker gefragt, der die besonderen Bedingungen kennt. Das gilt auch für die Zoo-Gärtner, die wissen, wie sie beim Sträucherschneiden mit tierischen Zaungästen umgehen müssen.

Hoher Altersdurchschnitt und Krankenstand

Betriebsrat und Zoo-Chefetage ziehen da an einem Strang. Denn auch Geschäftsführer Detlef Hamacher, zuständig für die Zoo-Finanzen, sieht „das Ende der Fahnenstange“ erreicht und kein Potenzial für Personalabbau oder Outsourcing von Arbeiten. Bei den Sach- und Materialkosten knapse der Zoo ebenfalls schon an allen Ecken und Kanten, holt Gemüse-Futter z.B. bei der „Reste-Rampe“ von Edeka in Moers. Für andere Sparmöglichkeiten, etwa energiesparende Lichttechnik im tropischen „Rio Negro“, fehlt schlicht das Geld für die notwendigen Investitionen. Und den Tierbestand weiter ausdünnen? Dann verliert der Zoo an Attraktivität. Erst recht ohne Delfine oder Koalas, warnt Hamacher.

96 feste Stellen stehen beim Zoo auf der Liste: Tierpfleger, Tierärzte, Zoologen, Gärtner, gewerblich-technische Mitarbeiter des Wirtschaftshofs, Verwaltungsangestellte. Tarif ist der Öffentliche Dienst. Der Altersdurchschnitt und Krankenstand der Mitarbeiter sind vergleichsweise hoch. Dazu kommen sechs Auszubildende und 40 bis 50 Saisonkräfte und Aushilfen. Die Personalaufwendungenlagen 2014 bei 5,4 Millionen Euro, mit den Tariferhöhungen werden sie dieses Jahr steigen. Rund 800.000 Euro wendet der Zoo im Jahr für Futter auf, etwas höher sind die Energiekosten.