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Duisburger will Retro-Konsole für alte Spiele entwickeln

08.01.2016 | 17:02 Uhr
Duisburger will Retro-Konsole für alte Spiele entwickeln
Pascal Papara aus Duisburg entwickelt eine Retro-Spielekonsole.Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.  Der 32-jährige Pascal Papara entwickelt derzeit eine Konsole, auf der einmal alle alten Computerspiele laufen sollen.

Was tun, wenn die Sammelleidenschaft überhand nimmt? Die Regale füllen sich, die Räume, die Wohnungen. Es ist eben nur bedingt zu empfehlen, Briefmarken platzsparend zu einem Türmchen aufeinander zu kleben. Und die seltenen Münzen wird kaum jemand in einen praktischen Geldschein wechseln wollen. Pascal Papara plant allerdings so etwas Ähnliches. Der 32-Jährige ist vernarrt in alte Computerspiele . Um die ans Laufen zu bringen, benötigt er allerlei Konsolen, die den Wohnzimmerboden komplett bedecken würden. Oder aber nur eine einzige, auf der alle Spiele laufen. Und an so einer arbeitet er gerade.

Dieses Vorhaben ist für den Duisburger auch längst kein Spiel mehr, auch wenn er ihm neben seiner Arbeit als Konstrukteur im Kraftwerksbau in der Freizeit nachgeht. „Mein Hobby sind schon seit langer Zeit Computer“, sagt Papara. Genauer: „Das Betriebssystem AROS. Der Name war früher ein Akronym für ‚Amiga Research Operating System’“, steht also in Verbindung mit dem Heimcomputer Amiga aus den 80er Jahren. „Die Marke ist aber immer noch rechtlich geschützt, deshalb hat man es in AROS umbenannt.“ Dieses zum Amiga kompatible System ist allerdings nicht geschützt, weltweit arbeiten Menschen daran, entwickeln es weiter, können damit sogar ein bisschen Geld verdienen, zum Beispiel über einen eigenen App-Store.

Gemeinschaft ohne Wasserkopf

2009 schraubte Pascal Papara den ersten Computer zusammen, dessen Hardware genau auf dieses zwar kleine, aber doch von den Fesseln wirtschaftlicher Interessen befreite Betriebssystem zugeschnitten war. Es unterstützt nicht jede Grafikkarte, nicht jede Soundkarte, dafür benötigt es aber auch keine riesigen Rechenleistungen und kann von jedem – der es eben kann – weiterentwickelt oder angepasst werden.

Der Duisburger tauchte immer tiefer in die AROS-Gemeinschaft ein und erkannte schließlich: „Man hatte irgendwann eine Infrastruktur mit App-Store, mit einem eigenen Cloud-Dienst, die Entwickler haben Dinge umgesetzt mit einem viel kleineren Budget, als es große Firmen bräuchten. Wir hatten keinen Wasserkopf, und wenn mal ein Projekt floppte, ging nicht gleich alles zugrunde“, erklärt Papara.

Spiele verschiedenster Konsolen werden unterstützt

Er hat nun ein eigenes Projekt angestoßen, und das ist schon weit über die Grenzen der AROS-Community hinüber geschwappt. „Konsolen sind mein Steckenpferd. Das erste Spiel war wahrscheinlich ‚Pong’, das hat mein Vater damals an den Fernseher angeschlossen. Dann kamen der Amiga 500, Nintendo, Sega – ich wollte alles spielen und habe dann auch mit dem Sammeln angefangen“, erzählt der Duisburger. Was ihn aber schnell ärgerte: In einem Rhythmus von nur wenigen Jahren veröffentlichen die einzelnen Hersteller neue Konsolen, die Spieler müssen neu investieren. „Klar, die leben davon, aus Sicht des Spielers ist es aber nervig“, sagt Papara. „Deshalb hatten wir schon als Jugendliche den Traum, ein Gerät zu haben, auf dem man wenigstens all das spielen kann, was man früher so hatte. Eine Konsole, die man erweitern kann, wenn ein Baustein älter wird, wenn sich die Medien ändern.“

Genau das hat er nun selbst geschaffen. Der schwarze Kasten sieht wesentlich schlichter aus als die modernen Spielekonsolen der großen Hersteller, er erinnert mit seinem Laufwerk und den Anschlüssen eher an einen gewöhnlichen, wenn auch kleinen PC. Diese Schlichtheit, die sich eben auch im installierten Betriebssystem AROS wiederfindet, ist die große Stärke der Konsole „indieGO!“, die mindestens auf einem Raspberry Pi 2 basiert. Das Laufwerk und andere Komponenten lassen sich einfach tauschen, verspricht Papara. Ab Werk funktionieren Playstation-1- und Amiga-CD32-Spiele. Dreamcast, Gamecube und Wii lassen sich über die Software emulieren, dafür müssen dann Spiele als Image vorliegen. Die finden sich – mal legal, mal illegal – im Internet, Sammler wie Papara können sich von ihren Originalen solche Kopien erstellen und auf die „indieGO!“ übertragen.

Käufer erhalten kostenlosen Cloud-Speicher

Noch ist die Konsole nicht auf dem Markt, die Einführung wird über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. 7500 Euro wünschte sich Pascal Papara auf der Plattform kickstarter.com, um mit dem Zusammenbau und dem Vertrieb zu starten. Inzwischen hat er mehr als 25.000 Euro zusammen von Spielefans auf der ganzen Welt, die sich ab 149 Euro eine Konsole zum Marktstart sichern können. Spätestens im Juni sollen die Geräte ausgeliefert werden, bis dahin arbeiten Pascal Papara und einige Unterstützer weiter an Verbesserungen. Wenn andere den Urlaub genießen oder sich am Wochenende amüsieren, setzt sich der Duisburger wieder an den Computer, feilt an Vertriebswegen oder stellt neue Angebote für die erfolgreiche Kickstarter-Kampagne zusammen. „Das ist eigentlich ein Vollzeit-Job“, sagt er „Aber Geld zu verdienen, das ist nicht mein Anreiz. Es bleibt ein Hobby.“

Auf der „indieGO!“-Konsole laufen zum Beispiel Spiele für das Nintendo Entertainment System (NES), Super NES, Sega Megadrive, Master System, Neo Geo, Amiga und einige mehr. Auch Android-Spiele können gestartet werden.

Beim Kauf der Konsole erhalten die Nutzer 25 Gigabyte Cloud-Speicher gebührenfrei dazu. Die „indieGO!“-Crowdfunding-Kampagne endet am 13. Februar. Mehr Informationen auf www.kickstarter.com unter dem Suchbegriff „indieGO“.

Zlatan Alihodzic

Kommentare
11.01.2016
22:49
Duisburger will Retro-Konsole für alte Spiele entwickeln
von weissalles2 | #7

DAS hier finde ich ganz übelst:

"Sammler wie Papara können sich von ihren Originalen solche Kopien erstellen und auf die „indieGO!“ übertragen."...
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1 Antwort
Duisburger will Retro-Konsole für alte Spiele entwickeln
von cirion | #7-1

Falsch.

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Duisburger will Retro-Konsole für alte Spiele entwickeln
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2016-01-08 17:02
Duisburg, Gaming, Konsole, Videospiel, Entwicklung
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