Loveparade-Drama
Duisburger Todestunnel wird zur Pilgerstätte
28.07.2010 | 19:00 Uhr 2010-07-28T19:00:00+0200
Duisburg.Duisburg hat eine neue Pilgerstätte: Der Tunnel, in dem nunmehr 21 Loveparade-Besucher starben, ist das Ziel von Menschen, die gemeinsam trauern, aber auch kondolieren wollen. Vor allem in den Abendstunden kommen viele Menschen.
Zwei Stunden hat die junge Frau angestanden. Zwei Stunden, in denen die Menschenschlange vor ihr dann und wann in Tippelschritten vorankam. Zwei Stunden, die sie mit viel Geduld und in aller Stille in sich versunken verbrachte. Und dann steht sie da, an jenem inoffiziellen Kondolenzbuch, das auf einem hölzernen Stehpult ausgelegt ist – und weiß trotz der langen Wartezeit nicht, was sie nun schreiben, wie sie ihren großen Kummer ausdrücken soll. Zwei Stunden reichen manchmal eben nicht aus, um 1000 bewegende Gedanken in ein paar Zeilen fassen zu können.
„Wir erleben hier ganz oft diesen Akt des Innehaltens. Fast alle zögern, wenn sie zum Stift greifen. Sie müssen sich vor dem leeren Blatt Papier erst sammeln, ehe sie die passenden Worte finden“, schildert Dr. Michael Willhardt. Der 54-Jährige ist Vorsitzender des Hochfelder Vereins „Zukunftsstadtteil“. Und er ist mit seinen zwölf Vereinskollegen Initiator dieser bemerkenswerten Bürgeraktion.
Ein eigenes Kondolenzbuch
Sie sind es, die hier im Tunnel an der Karl-Lehr-Straße – der nach nunmehr 21 Todesfällen bei der Loveparade-Katastrophe zu trauriger Weltberühmtheit gelangt ist – Mahnwache halten. Und sie haben ein eigenes Kondolenzbuch ausgelegt. Das soll nicht in Konkurrenz zu jenem städtischen Exemplar treten, das seit Dienstag im Rathaus-Foyer zu finden ist. „Nein, wir wollten vielmehr hier am Un-glücksort einen Anlaufpunkt schaffen – weil wir gesehen haben, dass die vielen Menschen, die hierhin kommen, einen solchen dringend brauchen“, sagt Willhardt.
Und so stehen sie da. Und warten. Neben ihnen arrangiert eine Frau einen ganzen Beutel Teelichter zu Figuren. So werden Kerzen zu Tränen, Kerzen zu Kreuzen und Kerzen zu Herzen. Der Schein des flackernden Lichts lässt die Schatten des Stiftes auf dem Papier tanzen. Noch einmal durchatmen. Und sie dann schreibend aus dem Körper fließen lassen, die Gefühle.
Diese reichen laut Willhardt meistens von Trauer bis hin zu Fassungslosigkeit. Das weiß er, weil er spät nachts, wenn die Mahnwache mal für ein paar Stunden verschnauft, schon einmal ins Buch hineingeschaut hat. „Viel Betroffenheit, wenig Aggressivität gegen die Verantwortlichen“ will er beim Blättern entdeckt haben. Letztere wird eher verbal von den Hunderten Tunnel-Besuchern geäußert, die da zu später Stunde noch über den überdachten Asphalt schlendern, um hier ein Stück ihrer Wut, ihres Zorns herauszulassen.
Wütend über städtisches Krisenmanagement
Wütend waren auch die Zukunftsstadtteil-Mitglieder – über das Krisenmanagement der Stadt. „Die haben sich alle weggeduckt. Dabei muss man nach solch einer Katastrophe doch ein paar positive Bilder dagegen setzen“, erklärt Willhardt. „Wir dürfen der Welt nicht länger nur immer wieder Bilder des Desasters zeigen, sondern vielmehr unseren würdigen Umgang damit.“ Worte, die alle verstörten Bürger der Stadt ermutigen. Worte, die gleichzeitig das bisherige Handeln der Stadt ächten.
Die Wärme, die das Kerzenmeer aufsteigen lässt, sorgt für eine wohlige Atmosphäre an diesem unwirtlichen Ort. Und die roten Grablichter tauchen die Tunnelwände in ein sanftes Licht. „Zur Trauerarbeit gehört immer ein ritueller Rahmen. Und ich glaube, der wurde hier in beeindruckender Art und Weise geschaffen“, sagt Willhardt. Der gelernte Soziologe erlebte die tragischen Ereignisse des vergangenen Samstag aus der Ferne mit. „Ich kann mit solchen Massenveranstaltungen nun mal nichts anfangen“, sagt er. Doch muss er schmunzeln, wenn er auf die wieder länger werdende Schlange vor dem Kondolenzbuch schaut. Denn das hier, ist längst auch zu einer Massenveranstaltung geworden. 1300 Menschen haben sich im ersten Buch verewigt, das war am Mittwochabend gefüllt. Das zweite liegt schon aus. Übergeben werden soll es an einen Vertreter der Stadt – und zwar am Samstag im Rahmen der Trauerfeier.
„Das Buch soll auf jeden Fall nachher in Duisburg bleiben“, sagt Willhardt. Am liebsten als Beigabe eines Mahnmals.

13:01
Duisburg trauert um die Opfer der unfassbaren Tragödie vom 24.07.2010, wir sind zutiefst geschockt und betroffen...:-(
Duisburg is mourning the victims of the incomprehensible tragedy of 7/24/2010, we are deeply shocked and concerned ...:-(
to the International familys and friends:
Our thoughts are with you at this sad time.
Ik hoop dat u met Gods hulp de kracht zult vinden deze beproeving te doorstaan.
Nuestros pensamientos están con usted en este tiempo triste
08:46
A P P E L L
DUISBURGER, RESPEKT FÜR DIE DEMONSTRATIONEN GEGEN SAUERLAND !!!
WEITER SO. WENN IHR TÄGLICH DRANBLEIBT, BLEIBT DEM OB KEINE WAHL, DER DRUCK WIRD FÜR IHN UNERTRÄGLICH, ER WIRD ZURÜCKTRETEN MÜSSEN, ANSTATT AUF SEINE PENSION ZU GEIERN !!!
DANKE DUISBURGER UND UMLAND!!!
03:47
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12:37
#11Christian Schlechtriem
An Ihrer Stelle würde ich mich ganz schnell entschuldigen.
Vielleicht einen Rat für die Zukunft:
Bevor Sie etwas schreiben, sollten Sie sich überlegen, was Sie sagen bzw. schreiben sollen.
Manche Leute haben kein Kinderzimmer gehabt, sondern einen Düsenjäger.
ASCHE AUF IHR HAUPT!!
11:28
@grünkohl7:wer bist Du, das Du andere maßregelst und beleidigtst?@11:
wer bist Du, dass Du darüber urteilen kannst aus welchem Grund jemand zum Ort des Geschehen geht?
es steht JEDEM (vor allen denen die direkt und unmittelbar betroffen sind / waren) FREI ihrer TRAUER Luft zu machen, in welcher Form auch immer... - JEDER verarbeitet das GESCHEHENE auf seine ART !!! - NIEMAND kann jemandem VORSCHREIBEN wie er/sie mit dem Unglück umgeht.
...auch ich bin mittelbar betroffen, auch ein paar meiner Leute waren auf der LP, gott-sei-dank ist ihnen nichts geschehen, aber die Angst die ich ausgestanden habe - die Ungewissheit WAS ist mit ihnen - WO sind sie - WIE geht es ihnen saß tief, und immer wenn ich die Bilder in der Presse sehe, dann wird mir anders...
Die SCHULDFRAGE scheint ja nun geklärt, aber die TOTEN macht es nicht wieder LEBENDIG...
Durch diese KRASSE FEHLPLANUNG, durch MISSMANAGEMENT, durch GELDGIER, durch FALSCHE ENTSCHEIDUNGEN, egal wie und wodurch... - haben 21 junge Menschen ihr Leben lassen, 21 junge Menschen die wie 100000 ander einfach nur FEIERN wollten... - 21 Menschen die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten...
...niemand kann es ungeschehen machen
...niemand kann die Toten wieder lebendig machen
Aber wir (die Hinterbliebenen) können gemeinsam versuchen, das SCHLIMME Erlebnis zu verarbeiten - NICHT zu vergessen - aber verarbeiten...
An dieser Stelle mein tief empfundenes Beileid an ALLE Betroffenen u. Hinterbliebenen...
08:08
Wenn sie den Hinterbliebenen ein Trost sein sollen, dann kann man die Tunnelbücher am Samstag nicht mehr in die Hand eines städtischen Beamten geben.
Und wenn sie denen die im Gedrängel auf eine oder einen der nun Toten oder Verletzten getreten sind eine Hilfe sein sollen, müssen sie am Ort der Tragödie bleiben.
07:07
@11 und 12
Nur indem man dahin geht und seiner Trauer einen Platz gibt, kann man verarbeiten.
Ich stand unter Schock als am samstag die ersten Nachrichten kamen, weil ich nicht wusste, ob mein Sohn und meine Schwiegertochter noch leben.
Ich war mehrfach im Tunnel und es hilft, dass sich der Schock langsam lösen kann.
Ich werde auch in Zukunft zum Tunnell gehen und Kerzen aufstellen. Als Mahnung, als Gedenken der Verstorbenen und der vielen traumatisierten Menschen.
Was hier passiert ist darf nicht in Vergessenheit geraten!
05:15
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23:57
Dieser Anwohnerinitiative gehört das Bundesverdienstkreuz. Wo sind die Leute von der Stadt, das Stadtmarketing, der Oberstadtdirektor? Alle in den Sommerferien?
23:39
ruhrpottfan , christian ihr seid sehr ...
wir waren auch da, weil wir mitfühlen und weil unser Sohn auch da war.. Wir haben kerzen aufgestellt.Das hatt nichts mit Schauspielerei zu tun Erspart uns eure dummen Kommentare