Duisburger steuert seit 38 Jahren die Hafenbahn

Hat den Blick auf „seine“ Schienen: Lokrangierführer Udo Deuser (vorne) mit seinem Kollegen Sefa Saglam auf den Gleisen in Duissern
Hat den Blick auf „seine“ Schienen: Lokrangierführer Udo Deuser (vorne) mit seinem Kollegen Sefa Saglam auf den Gleisen in Duissern
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Udo Deuser (62) steuert die Fracht über Schienen in die verschiedenen Hafen-Terminals. Seit 38 Jahren fährt er für die Hafenbahn.

Duisburg..  Eigentlich war es nur logisch, dass Udo Deuser einmal bei der Hafenbahn landet. Schließlich spielte er bereits als Kind mit Modellwaggons. Heute parken diese auf einem Abstellgleis im Keller – was will man auch mit dem Mini-Format, wenn man mit großen Zügen rangieren darf? Seit über 38 Jahren arbeitet der heute 62-Jährige nun bei Duisport Rail, einer Tochtergesellschaft des Duisburger Hafens, die sich um die Schienen-Logistik zwischen den Terminals kümmert. In all den Jahren hat sich Udo Deusers Arbeit stets gewandelt. Nur eines ist immer gleich geblieben: Seine Leidenschaft für die Lok.

Aufs Gleis geht es nur mit Warnweste. Die orangefarbene Kleidung gehört für Udo Deuser und seine Kollegen zum Alltag. Hier in Duissern hinter der Aakerfährstraße rumpeln die Waggons mit ihrer Fracht über die Schienen und fahren von dort aus weiter in die verschiedenen Hafengebiete. Früher hat Udo Deuser diese Züge selbst rangiert und gesteuert, heute arbeitet er vorwiegend im Büro. Überhaupt hat der 62-Jährige so ziemlich jeden Bereich des Unternehmens durchlaufen. „Angefangen habe ich als Rangierer, hab mich ständig fortgebildet, später auch im IT-Bereich und in der Disposition gearbeitet“, berichtet er. Auf der Lok habe es ihm aber am besten gefallen. „Wenn man den Hebel umlegt, spürt man die Kraft, die in der Bahn steckt – das ist schon toll.“

Kommt ein Zug mit verschiedenen Wagenladungen an, übernehmen die Eisenbahner: „Wir trennen die Waggons und verteilen sie zur Vorsortierung auf verschiedene Gleise“, sagt Deuser. Mit der Streckenlok fahren sie dann die Züge etwa Richtung Logport in Rheinhausen. „Dort werden sie an der entsprechenden Ladestelle abgeholt und in die verschiedenen Bereiche zu den Kunden gebracht.“ Eine echte Herausforderung, wenn ein solcher Mammut-Zug mit 40 Wagen und 700 Metern Länge nicht länger als 30 Minuten im Gleis stehen darf. Pro Woche bearbeiten die Kollegen 300 Züge.

Von Duisburg in die ganze Welt

Jährlich sind es hochgerechnet etwa 20 000 Züge, die von 45 Eisenbahnverkehrsunternehmen bestückt und von der Hafenbahn in die Terminals gesteuert werden. Von dort aus werden sie be- und entladen und schließlich weitergeschickt in die ganze Welt, etwa nach Antwerpen oder darüber hinaus bis nach China. Die Ladung reicht von Koks und Kohle über Schuhe und Kleidung bis hin zu Stahl oder chemischen Produkten.

Bis Ende des Jahres kümmert sich Udo Deuser um ein Sonderprojekt der Duisport Rail: „Wir entwickeln eine Software, mit der die Abläufe voll automatisiert werden“, berichtet Geschäftsführer Hans-Georg Christiansen. Ähnlich wie beim Post-Paket können Kunden per Fingertipp ihre Ladung live verfolgen, die Daten tippen die Mitarbeiter per Tablet auf der Strecke ein. Jeder Verlade-Schritt lässt sich so genau nachverfolgen, Telefonate sind kaum noch notwendig – ein enormer Zeitgewinn für beide Seiten. „Ende Dezember, spätestens Anfang 2017 soll die neue Software an den Start gehen“, sagt Christiansen.

Udo Deuser pflegt zurzeit die Testdaten ein, hilft seinen Kollegen beim Bedienen des Programms und bringt ihnen die Software bei. Überhaupt ist es diese Arbeit mit seinen Kollegen, die er an seinem Job besonders schätzt. „Die Atmosphäre untereinander ist toll.“ Man spielt zusammen Tischtennis,geht Kegeln oder gemeinsam zum MSV.

An die Rente mag Udo Deuser daher gar nicht denken. Vielleicht fährt er die Modelleisenbahn dann wieder aus dem Keller-Depot? „Mal sehen, ich spiele ja auch noch Gitarre in einer Band“, verrät er. „Hardrock und Heavy Metal.“ Um Haus und Garten in Bissingheim will er sich dann verstärkt kümmern. Das liegt übrigens gleich neben dem Bahnhof Wedau – mit Blick auf die Gleise.