Duisburger Stauforscher widmet sich Staus in der Stadt

Im Blick der Forscher: Innenstädtische Staus wie hier auf der Aakerfährbrücke durch die Sperrung der A 59 wegen der Sanierung der Berliner Brücke
Im Blick der Forscher: Innenstädtische Staus wie hier auf der Aakerfährbrücke durch die Sperrung der A 59 wegen der Sanierung der Berliner Brücke
Foto: WAZ FotoPool
Der Duisburger Uni-Professor und Stauforscher Michael Schreckenberg will die Datenflut für Stauvorhersagen in den Städten untersuchen.

Duisburg.. Der Stauexperte Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen hat sich schon intensiv den Staus auf Autobahnen angenommen, jetzt widmet er sich den innerstädtischen Blechlawinen.

Das weltweite Datenvolumen wächst gigantisch: Mehr als 24 Milliarden Sensoren und Geräte sollen 2020 bereits im Netz sein. Mit den verschiedenen Facetten der Datenverarbeitung befasst sich ein neuer Sonderforschungsbereich, an dem neben der neben der TU Dortmund die Universität Duisburg-Essen (UDE) und das Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) beteiligt sind.

Neun Millionen Euro Fördergelder

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Forschungsprojekt in den nächsten vier Jahren mit rund neun Millionen Euro. Ziel ist, aus immer größeren Datenmengen Informationen zu gewinnen – und zwar zeitnah, ohne großen Energiebedarf und direkt vor Ort, sei es für die Verkehrs- oder Krebsvorhersage. Mit diesen Themen befassen sich die UDE-Forscher in ihren beiden Teilprojekten.

Um die Erforschung neuartiger, hochpräziser Echtzeit-Prognoseverfahren für Verkehrsströme geht es bei dem ersten UDE-Projekt. Wurden bisher vor allem Autobahnen in den Blick genommen, wird demnächst das Straßen- und Wegenetz in Innenstädten untersucht. Physik-Professor Michael Schreckenberg: „Die Verkehrsvorhersage ist hier deutlich schwieriger, denn der Bewegungsraum ist viel komplizierter, und es gibt viele unterschiedliche Verkehrsteilnehmer.“ Die Beschreibung von Stadtverkehr basiert oft noch auf jahrzehntealten Theorien. Deshalb sollen neuartige Prognose- und Beeinflussungsverfahren für innerstädtische Verkehrsprobleme erarbeitet werden.

Voraussagemodelle für Tumore

Das zweite UDE-Teilprojekt ist in der Medizin angesiedelt. Ziel ist, zuverlässige Voraussagemodelle zu konstruieren, um das Risiko für einen bei Kindern häufig auftretenden Tumor, das Neuroblastom, präzise abschätzen zu können. Hier arbeiten der Privatdozent Alexander Schramm, Leiter der pädiatrisch-onkologischen Forschung der Klinik für Kinderheilkunde III am Universitätsklinikum Essen, und der Genominformatiker Prof. Dr. Sven Rahmann zusammen. Sie wollen mit Hilfe von DNA-Sequenzierung klären, wie sich das Wissen um die komplette Erbinformation (das Genom) in Therapiemöglichkeiten übersetzen lässt. Da sehr große Datenmengen anfallen, sollen auch neue energieeffizientere Methoden zur Datenauswertung erforscht werden.