Duisburger Stargeiger könnte seine Stradivari verlieren

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Was wir bereits wissen
Die Portigon AG will ihre Kunstwerke verkaufen. Leidtragender könnte auch Duisburgs Stargeiger Zimmermann werden. Er spielt eine wertvolle Stradivari.

Duisburg.. Gemeinsam begeisterten sie ihr Publikum im Theater am Marientor: der weltberühmte Geiger aus Duisburg, Frank Peter Zimmermann, und seine nicht minder berühmte Stradivari, die „Lady Inchiquin“. Seit Mittwoch fragt man sich, wie lange diese innige Verbindung noch hält. Noch halten darf, muss es jetzt heißen. Denn das wertvolle 1711 geschaffene Instrument aus der Werkstatt des Cremoneser Geigenbauers Antonio Stradivari gehört zum Besitz der Portigon AG, der West LB-Nachfolgerin, die jetzt erneut von sich reden machte.

So erklärte der Vorstandsvorsitzende Kai Wilhelm Franzmeyer am Mittwoch gegenüber verschiedenen Medien erstmals, dass es zum Verkauf der wertvollen Kunstsammlung, die zum Besitz der Portigon gehört, „keine Alternative“ gebe. Portigon habe da durch die Vorgaben der EU-Kommission keinerlei Handlungsspielraum. Franzmeyer wird mit den Worten zitiert: „Wir müssen die Bilanz auf Null setzen, also sämtliche Vermögensgegenstände, und damit auch die Kunstsammlung, die ja Teil des Betriebsvermögens ist, verwerten.“ Und davon sind die Instrumente im Besitz der Portigon nicht ausgenommen.

Instrumente sind Betriebsvermögen

Zwar steht auf der Portigon-Homepage noch immer Folgendes geschrieben: „Das preisgekrönte Duo, Frank Peter Zimmermann und ,Lady Inchiquin’ bleibt auch unter dem neuen Besitzer Portigon unzertrennlich und wird weiter auf den Konzertbühnen der Welt mit renommierten Dirigenten und internationalen Orchestern gastieren.“ Doch auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die Portigon, dass auch die in ihrem Besitz befindlichen Instrumente veräußert werden müssen: „Der Logik folgend gilt das auch für die Instrumente, denn die gehören ebenfalls zum Betriebsvermögen.“

Spekulationen abgetan

Noch im November vergangenen Jahres hatte Portigon Anfragen diesbezüglich als Spekulation abgetan. „Entscheidungen zum Verkauf von Objekten aus dem Kunstbestand sowie von Musikinstrumenten liegen nicht vor“, lautete damals die offizielle Stellungnahme. Seit gestern sieht das anders aus. Zimmermann könnte seine kostbare Begleiterin verlieren, weil die Portigon ihm das Instrument nicht auf Lebenszeit zur Verfügung stellen kann. Es sei denn, es findet sich ein Käufer, der Zimmermann die „Lady“ weiter auf Dauer leiht. Aber das ist ungewiss.

Bei Auktionen erzielen diese Spitzeninstrumente auch Spitzenpreise. Gelten sie doch vielen als lukrative Kapitalanlage. Das ist besonders bei Stradivaris der Fall, die bei Auktionen durchaus Erlöse von vier Millionen Euro und mehr erzielen. Da können auch gut verdienende Stars im Musikgewerbe oft nicht mitbieten. Von den hohen Versicherungssummen, die erforderlich sind, ganz zu schweigen.

Stradivari unter Verschluss

Und nicht jeder Käufer ist gewillt, sein erworbenes Instrument einem exzellenten Musiker in die Hand zu geben. So geschehen 2001 mit der Stradivari „Lady Blunt“ von 1721. Sie wechselte bei einer Versteigerung zum Wohle der japanischen Erdbebenopfer für 11,6 Millionen Euro den Besitzer. Der ist unbekannt und hält die „Lady Blunt“ seitdem in seinem Tresor unter Verschluss. Für Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker ein Unding: „Solche Instrumente sind nicht dafür gemacht, sie wegzuschließen. Ein Bild kann ich mir auch alleine ansehen. Aber ein Instrument muss gespielt werden. Auch wenn das jemand vielleicht für sich allein tut, so ist es doch ein riesiger Verlust für die Allgemeinheit.“

Für Frank Peter Zimmermann sowieso, sollte seine „Inchiquin“ Ähnliches widerfahren wie der „Blunt“. In einem Interview sagte er mal: „Viele Jahrzehnte war ich auf der Suche nach einem für mich idealen Instrument. Mit der Lady Inchiquin, die ich seit 2002 spiele, habe ich es gefunden. Sie ist die große Liebe meines Lebens. Sie ist ein Teil meiner selbst geworden.“ Er habe mehrere Jahre gebraucht, um ihre Geheimnisse zu ergründen, so Zimmermann. „Ich kann mir ein künstlerisches Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.“