Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
WDR-5-Sendung

Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow

21.06.2011 | 15:03 Uhr
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
Aufzeichnung der WDR-5-Sendung "Stadtgespräch" in Duisburg (von links): Lothar Evers (Journalist und Loveparade-Kritiker), Lilli Vujnic (Teilnehmerin der Loveparade), Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft), Dr. Timo Grunden (Politikwissenschaftler der Uni Duisburg) und Moderatorin Judith Schulte-Loh. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.Über die Loveparade-Katastrophe und die Folgen wollte WDR 5 am Montagabend mit Duisburgern und Experten sprechen. Politik und Stadtspitze glänzten durch Abwesenheit. Stadtdirektor Greulich sagte ab, weil er an der Objektivität der Sendung zweifelte.

„Erstmals seit dem Unglück (während der Loveparade) diskutieren beim Stadtgespräch (eine Sendung auf WDR 5) aus Duisburg öffentlich Bürger, Politiker und Experten über die Tragödie und ihre Folgen“. Soweit der Plan, denn so lautete zwar die Kurzfassung einer Presse-Mitteilung des WDR zur Sendung, die am Montagabend im Steinhof aufgezeichnet wurde, doch Politik und Stadtspitze glänzten durch Abwesenheit. Und dafür gibt es einen Fachbegriff in der Wissenschaft, wie die Hörer der Sendung am Donnerstag ab 20.05 Uhr auf WDR 5 landesweit erfahren werden: „Skandal- und Krisenmanagement“. Oder einfacher „Vogel-Strauß-Politik“: Kopf in den Sand stecken, geht schon alles vorbei. Irgendwie.

Skandal- und Krisenmanagement

Eingeladen waren auch die Vertreter der Parteien, so Moderatorin Judith Schulte-Loh. Doch die haben mit dem Hinweis auf die Verantwortlichkeit der Verwaltung abgesagt, erläuterte WDR-Redakteurin Katja Stehmann.

Auf dem Podium sollte und wollte eigentlich auch Stadtdirektor Dr. Peter Greulich sitzen. Der sagte Ende Mai jedoch schon ab. Begründung: In der Langfassung der Pressemitteilung, von der er jetzt erst Kenntnis erhalten hätte, sei dem OB der Vorwurf gemacht worden, an seinem Stuhl zu kleben. Deshalb hätte er - Greulich - Zweifel an der Objektivität der WDR-Sendung. Katja Stehmann, Redakteurin der Sendung, fand die Absage des Stadtdirektors „bedauerlich“.

Kommentar
Eine Absage, symptomatisch für die Stadtspitze

Wer am Montag im Steinhof die Aufzeichnung der WDR-Sendung „Stadtgespräch“ verfolgt hat, wird sich fragen, was in aller Welt Stadtdirektor Greulich geritten haben mag, die Teilnahme abzusagen. Und wenn er einen Beobachter geschickt hat, müsste der ihm berichten, dass die Sendung eher harmlosen Charakter hatte. Ein Forum wollte die WDR-Sendung sein, Fragen nach der Befindlichkeit der Menschen ein Jahr nach Loveparade-Katastrophe stellen. Von einem einseitigen Tribunal war sie weit entfernt.

Dafür erweckt die Absage des Stadtdirektors einmal mehr den Eindruck, dass sich die Stadtspitze dem Thema in der Öffentlichkeit nicht stellen will. Wäre es nicht zur Katastrophe gekommen, hätte der Platz auf dem Podium vermutlich kaum ausgereicht, um alle unterzubringen, die sich in dem Erfolg hätten sonnen wollen.

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, beim Stadtgespräch zur Loveparade.. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

So ging die Sendung ohne Greulich, dafür mit Lilli Vujnic (Loveparade-Opfer und Vorstandsmitglied des Vereins Massenpanik-Selbsthilfe ), Rainer Wendt (Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft), Lothar Evers (Journalist) und Dr. Timo Grunden von der Universität Duisburg-Essen über die Bühne, der das Verhalten von Politik und Verwaltung als „Skandal- und Krisenmanagement“ analysierte.

Fassungslosigkeit, Fremdschämen

Neu war der Hinweis von Rainer Wendt, der aus seinen Zeiten als Duisburger Polizist noch gut in Erinnerung hatte, dass der Funkempfang im Tunnelbereich immer schon schlecht war (Kommunikationsprobleme werden als eine der Ursachen der Katastrophe angesehen).

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Ansonsten spiegelte die Sendung vor allem in den Beiträgen der Zuhörer wider, was sich seit der Katastrophe quer durch die Bevölkerung zieht: Fassungslosigkeit, Fremdschämen von Bürgern wegen des Verhaltens der Stadtspitze, Frust über die mangelnde Aufarbeitung der Katastrophe durch den Rat.  

Alfons Winterseel

Facebook
 
Kommentare
24.06.2011
12:26
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von HeinzK1 | #122

Zwischen Trauer, Wut und Hoffnung

Duisburg ein Jahr nach der Loveparade

Die Massenpanik bei der Loveparade 2010 ist unvergessen. 21 Menschen verloren dabei ihr Leben. Hunderte wurden verletzt und traumatisiert. Ein Jahr danach kommen im WDR 5 Stadtgespräch Angehörige, Betroffene, Experten und Bürger zu Wort:

* Rainer Wendt
Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

* Lilli Vujnic
Loveparade-Teilnehmerin

* Lothar Evers
Journalist und Loveparade-Kritiker

* Dr. Timo Grunden
Politikwissenschaftler der Uni Duisburg-Essen

(Aufzeichnung vom 20.6.2011, Kulturzentrum Steinhof, Duisburg-Huckingen)

Moderation: Judith Schulte-Loh und Thomas Vogel

Redaktion: Katja Stehmann und Jutta Warda

http://www.wdr5.de/sendungen/wdr-5-stadtgespraech/s/d/23.06.2011-20.05.html

Der Sendebeitrag kann auf der o.g. Seite angehört und heruntergeladen werden.

24.06.2011
08:19
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von lotharevers | #121

Der WDR hat inzwischen eine Photostrecke der Veranstaltung mit O-tönen online gestellt:
http://www.wdr.de/Fotostrecken/wdrde/Panorama/2011/06/stadtgespraech_duisburg.jsp?hi=Panorama

23.06.2011
23:42
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von FUBAR | #120

@112 InFlames

Welches Verfahren? Sie meinen einen politisch motivierten Vorgang.

22.06.2011
23:49
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von wattearvolt | #119

#118 von turnaround , am 22.06.2011 um 23:34 ,
ich möchte mal verkürzt die Aussage von turnaround übersetzen: Parteigänger der CDU, hört die Signale :-))

22.06.2011
23:34
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von turnaround | #118

das die Hartzis hier dafür sind war klar aber so wählt in ruhig ab und der Mann hat endlich seine Ruhe !
#111 von InFlames , am 22.06.2011 um 14:29

Sauerland könnte seine Ruhe ab sofort, hier und jetzt bekommen, denn seine Ruhestandsbezüge sind ihm ungekürzt sicher. Warum murkst er trotzdem täglich irgendwie - offensichtlich völlig unmotiviert, bangbüchsig vor jeglicher Kritik(Trillerpfeifen? Er erstarrt sichtbar vor Entsetzen) und völlig ohne Ambitionen und ohne Plan für die Stadt - weiter und richtet täglich größeren Schaden an? Das ist wohl die Frage an seine CDU-Genossen und Parteigänger. Laßt ihn endlich gehen, zu seinem eigenen Besten. Er hält offensichtlich nicht mehr lange durch.

22.06.2011
17:21
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von InFlames | #117

Ok, ich kündige schonmal an falls es dann doch nicht reichen sollte mit den Stimmen (wobei das ja garnicht so schwer ist), werd ich mir ein Lachen in Richtung der vehementen AS Gegner nicht verkneifen können, ähnlich wie bei Stuttgart 21 wo die Blümchenküsser auch in der Realität angekommen sind ;)

22.06.2011
17:18
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von InFlames | #116

@114 Tao Tao

Ich wollte garkeine Antwort haben, an Ihrem Beispiel sehe ich einfach das wir in 2 Realitäten leben. Ich kann damit leben, Sie nicht ?

22.06.2011
16:56
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von Stefano | #115

@FlameBums,

Im Gegenzug stelle man sich jetzt vor AS macht Fitnessstudios auf .... ich könnte Wetten die würden nach einigen Tagen brennen.

Ihre Vorstellung in allen Ehren: Sie sollten aber bei der Einschätzung der Protestformen Ihrer politischen Kontrahenten nicht von sich auf andere schließen.

22.06.2011
16:52
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von taosnm | #114

#113 InFlames
Der einzige Grund, Ihnen zu antworten, ist der, dass AS, auch wenn er direkt nach der LoPa zurückgetreten wäre, als Ruhegehalt ein Mehrfaches dessen erhalten hätte, von dem, was jemand erhält, der 45 Jahre am Schleifbock malocht hat. Offenbar haben Sie sehr vieles zum Thema AS nicht gelesen, sonst wüssten Sie das inzwischen. Somit ist Ihr Beitrag schlichtweg überflüssig.

Und der OB wird abgewählt, und dann ist Ruhe, und er kann seine richtig dicke Pension geniessen, 12 Jahre bevor Arbeiter an ihre miese kleine Rente kommen.

22.06.2011
14:48
Duisburger Stadtspitze drückt sich vor Loveparade-Talkshow
von InFlames | #113

@Taodings ;)

Ich möchte hier auf einen Ihrer Beiträge eingehen und da ich nichts aus dem Zusammenhang reissen möchte habe ich den ganzen Artikel kopiert!


@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
Hier sind Ausschnitte aus einem Bericht bei Xtranews, die für sich sprechen, heisst für das Bewusstsein des Herrn Schaller und des OB:

Nach vielen Monaten äußert sich auch Veranstalter Rainer Schaller im Interview mit SPIEGEL TV wieder in der Öffentlichkeit. Der 43-Jährige hat nach der Katastrophe persönlich mit Angehörigen gesprochen und mehr als eine Million Euro Soforthilfe aus eigener Tasche zur Verfügung gestellt: Als Veranstalter trage ich ohne Frage eine moralische Verantwortung, da ohne diese die 21 jungen Menschen nicht gestorben wären. Die Katastrophe war auch keine Naturkatastrophe, es wurden definitiv Fehler gemacht und diese gilt es nun schonungslos aufzuarbeiten.

So erklärt Oberbürgermeister Sauerland: Ich bleibe so lange im Amt, bis man mir Fehler nachweist, die zu dieser Katastrophe geführt haben.

Da haben wir einmal den Veranstalter, der ohne wenn und aber zu Fehlern und Verantwortung steht, und dann haben wir den OB, der Hasardeur spielt und es einfach mal darauf ankommen lässt, ob man ihn beim Sch.... erwischt hat, sprich, ihm Fehler nachweisen kann. Passt ja auch zusammen mit der Einstellung, öffentlich keinerlei Stellung zu beziehen und lieber abzutauchen.

Dämmert es Ihnen so langsam, warum AS abgewählt werden wird?
#15 von taosnm , am 21.06.2011 um 18:02

@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@

was hat Herr Schaller zu verlieren ? kommen Sie denken Sie nach auch Sie schaffen das ...richtig ...NIX ! ;)
es muss ihm unheimlich schwer fallen entschuldigungen auszusprechen, den wir vergeben Menschen die Ihre Schuld eingestehen ja soooo gerne ! Er ist mehrfacher Millionär und seinee Studios laufen weiterhin!

Und OB Sauerland, was hat der zu verlieren ? .....Richtig ...Alles .... ihm würden sämtliche Pensionsansprüche stiften gehen, auch die die er sich als Landesbeamter, als Lehrer in Jahren harter Arbeit verdient hat, sagen Sie mir jetzt bitte nicht das Sie in der selben Situation direkt Ihren Stuhl frei gemacht hätten Das wäre Scheinheillig!

Im Gegenzug stelle man sich jetzt vor AS macht Fitnessstudios auf .... ich könnte Wetten die würden nach einigen Tagen brennen.

Dieser ganze Umstand UND die Tatsache das die OpferFamilien sich eigentlich garnicht für Sauerland interessieren (ich kenne persönlich 2 Familien) UND das ich vor Ort gewesen bin letztes Jahr, führt bei mir nunmal zu der Einstellung /Überzeugung das hier einfach nur gehated wird.

Aber wählt ihn ab (is ja extra ne Regelung dafür per Gesetz durchgedrückt worden) und haltet danach bitte endlich die Scha-nautze :D

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4790730/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Wo Fußball-Fans in Duisburg die EM-Spiele sehen können
Public Viewing
Die Fußball-EM wirft ihre Schatten auch in Duisburg voraus. Zwar gibt es in Duisburg aus Geldmangel kein zentrales Public Viewing unter freiem Himmel. Doch viele private Veranstalter werden das Fußball-Turnier, das am 8. Juni beginnt, auf großen Leinwänden zeigen.
Arbeiten am Fahrdraht führten zu Verspätungen bei Bahnen
Nahverkehr
Pendler, die mit den Linien 901, 903 und U79 zur Arbeit fahren, mussten sich am Mittwochmorgen etwas länger auf ihre Bahn warten. Grund dafür war eine Oberleitungsstörung am DVG-Betriebshof Grunewald. Dort wurde in der Nacht zu Mittwoch der Fahrdraht ausgetauscht.