Duisburger Spielbank will die Top-Position verteidigen

Jochen Braun ist Direktor des Spielcasinos in Duisburg. Er ist für rund 200 Mitarbeiter verantwortlich.
Jochen Braun ist Direktor des Spielcasinos in Duisburg. Er ist für rund 200 Mitarbeiter verantwortlich.
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Was wir bereits wissen
Jochen Braun, Chef der Spielbank Duisburg, erklärt die rückläufigen Besucherzahlen auch mit der A-59-Sperrung und den Auswirkungen der Fußball-WM.

Duisburg.. Das Casino Duisburg war in den vergangenen Jahren stets die erfolgreichste Spielbank in ganz Deutschland. Direktor Jochen Braun warf im Interview mit unserem Redakteur Thomas Richter einen Blick zurück auf 2014, sprach aber auch über die Erwartungen ans neue Jahr.

Herr Braun, wie ist das vergangene Jahr für das Casino gelaufen?

Braun: Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Zeiten für unsere Branche nicht einfacher werden. Vor allem die Konkurrenz von Spielanbietern im Internet macht sich für uns bemerkbar. Wir hatten bei den Besucherzahlen im Vorjahr einen Rückgang im einstelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Der Bruttospielertrag – das ist der Spieleinsatz abzüglich der Gewinnauszahlungen – dürfte trotzdem in etwa gleich geblieben sein. Fest steht, dass auch die Summe, die wir der Stadt Duisburg überweisen, in etwa Vorjahresniveau haben wird (Anmerkung der Redaktion: 2013 waren es 4,6 Millionen Euro). Die genauen Zahlen liegen erst im Februar vor.

Was sind aus ihrer Sicht die Gründe für den Besucherrückgang?

Zum einen hat sich das Freizeitverhalten verändert. Es gibt in Zeiten des Internet-Booms und der zunehmenden Bedeutung sozialer Netzwerke unendlich viele Alternativen, um sich zu beschäftigen. Dann ist die sechsmonatige Sperrung der A 59 nicht spurlos an uns vorübergegangen. Die Umwege und Staus haben Gäste aus der Umgebung abgeschreckt. Und man darf die Fußball-WM nicht vergessen: Da hatten wir an Samstagabenden nur 500 statt der sonst oft üblichen 2000 Besucher. Das ging über vier Wochen so. Die Sperrung der Mercatorhalle sorgt zudem dafür, dass der Besucherstrom im Obergeschoss quasi komplett abgeschnitten ist. Das hat natürlich auch unser Restaurant Inside zu spüren bekommen.

Casino in Köln soll in zwei bis drei Jahren öffnen

Ist Duisburg denn noch Marktführer unter den deutschen Casinos?

Wie gesagt: Die genauen Zahlen folgen erst. Zuletzt war uns Berlin stets dicht auf den Fersen. Unser Ziel ist es, dass Duisburg die Nummer eins der Westspiel-Gruppe und Nummer eins in Deutschland bleibt.

Aber erschafft sich die Westspiel-Gruppe mit dem neuen Casino-Standort in Köln nicht einen Konkurrenten vor der eigenen Haustür?

Die Standortfrage, wo das neue Casino in Köln hinkommt, ist so gut wie geklärt. In zwei bis drei Jahren wird es eröffnet. Ich glaube, dass perspektivisch die Länge des Anfahrtsweges über den Zuspruch der Gäste entscheiden wird. Alle, die nördlich, östlich und westlich von Duisburg wohnen, werden, so denke ich, weiterhin zu uns kommen. Ich habe großes Vertrauen in unseren Standort. Als wir 2007 öffneten, sind wir hier eingeschlagen wie eine Granate. Diese Top-Ausgangslage gilt es zu pflegen und auszubauen. Den kleinen Negativtrend des Vorjahres wollen wir wieder umkehren.

Kunstwerke im Duisburger Casino

Die Westspiel-Gruppe ist im Vorjahr ins Gerede gekommen, weil sie wertvolle Kunstwerke von Warhol versteigern ließ, um ein hauseigenes Defizit in Millionenhöhe auszugleichen. Wie viele der Kunstwerke aus Westspiel-Besitz lassen sich hier im Casino finden?

Genau eine Skulptur im Foyer des Obergeschosses sowie drei Gemälde. Zwei davon hängen im Restaurant Inside, eines bei mir im Büro. Letzteres stammt von James Rizzi, der damals zur Eröffnung des Hauses hier war. Die besondere Innenarchitektur unserer Spielsäle lässt keinen Raum, um Gemälde aufzuhängen. Natürlich bin ich von einigen Stammgästen kurz nach dem Verkauf der Warhol-Bilder kurz gefoppt worden. Insgesamt war das hier aber kein großes Thema.

31 Tische für klassische Spiele

Wie sieht die derzeitige Ausstattung der Spielsäle aus?

Wir haben 31 Tische im klassischen Spiel mit Roulette, Black Jack und Poker. Im Automatenbereich stehen 354 Geräte, darunter die neuesten Modelle. Etwa die Hälfte haben wir im Vorjahr gegen zahlreiche Messeneuheiten austauschen lassen. Der Anteil des Automatenbereiches am gesamten Bruttospielertrag liegt bei 60 bis 65 Prozent, der des Klassischen Spiels bei 35 bis 40 Prozent. Wir haben derzeit rund 200 Mitarbeiter, etwa 110 davon im Bereich Klassisches Spiel.

Vor fünf Jahren haben in ihrem Haus Betrüger in Kooperation mit kriminellen Croupiers versucht, illegal Gewinne am Roulettetisch einzustreichen. Ihnen wurde 2013 der Prozess gemacht. Sind diese Sicherheitslücken geschlossen?

Wir versuchen ständig, das Spiel noch sicherer als bisher zu machen. Und inzwischen haben wir die Latte in punkto Sicherheit derart hoch gelegt, dass es aus meiner Sicht inzwischen sehr, sehr schwierig, ist, da überhaupt noch rüberzukommen.

Geburtstagsparty am 28. Februar

Was steht für 2015 an?

Wir feiern in diesem Jahr unseren achten Geburtstag. Zu unserer großen Party am 28. Februar haben wir Claudia Jung als Stargast verpflichtet. Ich persönlich stehe zwar nicht so auf deutschen Schlager, aber es ist bemerkenswert, wie beliebt diese Künstlerin bei unseren Gästen ist. Sie tritt zum zweiten Mal bei uns auf. Im Fußball drücke ich Alemannia Aachen und dem MSV die Daumen. Ich hoffe, dass es in der nächsten Saison kein Wiedersehen der beiden Klubs gibt – die Alemannia soll in die dritte und der MSV in die zweite Liga aufsteigen.