Duisburger Schüler übernehmen den Stadtrat

Oberbürgermeister Sören Link (links) diskutiert mit den Fraktionen im Ratssaal während einer fiktiven Ratssitzung
Oberbürgermeister Sören Link (links) diskutiert mit den Fraktionen im Ratssaal während einer fiktiven Ratssitzung
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Jugendliche der Hauptschule Gneisenaustraße haben einen Tag lang die Rolle der Fraktionen im Duisburger Stadtrat übernommen und Anträge gestellt.

Duisburg.. Oberbürgermeister Sören Link überlegt kurz, bevor er sich wieder an die Fraktionen im Ratssaal wendet: „Als Bildungspolitiker ist mir diese Diskussion ein Hochgenuss.“ Gerade ist eine leidenschaftliche Diskussion entbrannt, um den Erhalt der Hauptschulen in Duisburg. Sie sei der Sekundarschule und der Gesamtschule vorzuziehen, darin sind sich jetzt die meisten Politiker einig. Kleinere Klassen, ein besseres Betreuungsverhältnis und kein Schüler werde abgehängt oder aufgegeben. Ohnehin sei die Hauptschule viel besser als ihr Ruf.

Jedoch diskutieren nicht die echten Ratsfraktionen, sondern rund 20 Schüler der Hauptschule Gneisenaustraße, die im nächsten Jahr die Letzte ihrer Art ist, in einer fiktiven Sitzung. Es ist das Finale des Planspiels „Kommunalpolitik in Duisburg“, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt wird.

„Die Stadt setzt falsche Prioritäten“

„Bildung kostet Geld, aber es kann nicht sein, dass Schulen geschlossen werden“, sagt ein Jugendlicher. Link verweist darauf, dass Bildungspolitik Ländersache ist: „Im Stadtrat sind wir nicht für die Menschen – die Lehrer und Schüler – zuständig, sondern für Beton, für die Gebäude.“ Die Debatte lässt er jedoch laufen. Aus Sicht der Fraktionen setzt Duisburg derzeit falsche Prioritäten: Es errichtet Einkaufszentren anstatt Schwimmbäder und Schulen zu erhalten oder neuzubauen.

Nützt alles nichts, nach ausgiebiger Aussprache findet sich keine Mehrheit für den Erhalt unausgelasteter Schulen, um andernorts überfüllte Klassen zu verhindern. Das Thema wird an den Schulausschuss überwiesen. Konkret an der Gneisenauschule gebe es diesen Platzmangel, daher soll außerdem das städtische Immobilienmanagement überprüfen, ob es die Klassencontainer umstellen kann, damit der Fußballplatz wieder benutzbar wird.

Videoüberwachung im Umfeld der Pauluskirche gefordert

Sorgen bereitet dem Stadtrat aber auch Hochfeld. An der Pauluskirche und der Wanheimer Straße fordert eine Fraktion, dass die Stadt Videoüberwachung installiert, weil die jungen Politiker wissen, dass dort Rauschgifthändler ihre Geschäfte abgewickeln. Kontrovers streiten sie, ob die Kameras diese Verbrechen verhindern, oder nur Freiheitsrechte einschränken. Die Debatte erinnert an die bundespolitischen Auseinandersetzungen über die Vorratsdatenspeicherung. Anschließend stimmt niemand für die Videoüberwachung, überraschend. Nach zwei Stunden beendet Sören Link diese Ratssitzung, er hat schon deutlich längere erlebt.

„Das war eine sehr diskussionsfreudige Gruppe“, freut sich Mandy Stalder von der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Wir hoffen, dass aus dem Planspiel politisches Engagement erwächst.“ Vielleicht greifen die echten Fraktionen sogar Ideen der Jugendlichen auf, in anderen Städten sei das durchaus geschehen.