Duisburger schreibt Biografie über "Abstürzende Brieftauben"

Foto: Lars Fröhlich
Was wir bereits wissen
Punker René Schiering aus Ruhrort bringt bald ein Buch über die Granden des Fun-Punks heraus.

Duisburg.. Schon als Junge wollte der Punker René Schiering die Biografie der 1997 aufgelösten „Abstürzenden Brieftauben“ schreiben. Als 2006 das Gründungsmitglied Konrad Carls verstarb, verwarf er diese Idee. Doch inzwischen hat sich die Band aus Hannover mit Verstärkung neugegründet und den Gladbecker Schiering, der in Ruhrort lebt, für ihre Biografie engagiert. Seither ist er für Interviews quer durch die Republik gereist. Selbst das Bravo-Archiv hat er besucht, alles für die Granden des deutschen Fun-Punks.

„Ich wusste immer: Wenn ich eine Biografie schreibe, dann über sie.“ Bereits mit elf Jahren, kurz nachdem er bei den Messdienern erstmals Punk hörte, waren die Abstürzenden Brieftauben seine Lieblingskapelle. Vor knapp einem Jahr bekam der heute 37-Jährige die Zusage der Band, nur zwölf Minuten nach seiner Anfrage. „Ich bin immer noch Fan, aber ich zwinge mich zu einer objektiven Perspektive.“

Sein Geld verdient der promovierte Sprachwissenschaftler und früherer Uni-Dozent jedoch beim Privatfernsehen. In seinen Drehbüchern schickt er tätowierte Muskelprotze und taffe, dralle Blondinen auf Verbrecherjagd oder lässt Polizisten skurrile Fälle lösen. „Junkies, Säufer, Zuhälter und Nutten, das sind meine Themen.“ Auch für seine Romanreihe „Ruhrpottköter“, an deren dritten Teil er zudem gerade schreibt.

Täglich inspiriert von Ruhrort und der "Punkeria"

Dabei inspiriert ihn Ruhrort täglich. „Ich mag dieses uriges Milieu. Das ist hier ein echt gutes Viertel. Hier gibt es viele Ateliers und Künstler.“ Inspirierend empfindet er auch seine Wohngemeinschaft mit Künstlern, Musikern, Tätowierern und Studenten. Er lebt in der sogenannten „Punkeria“, die Punkrockern gehört. Zeitweilig war Wolfgang „Wölfi“ Wendland von den „Kassierern“ sein Nachbar. „Früher haben wir Punker Häuser besetzt, heute kaufen wir sie“, flachst er. Sein Zimmer nennt er liebevoll seine „Schreibhölle“, den Fernseher hat er verbannt – bloß möglichst wenig Ablenkung.

Beinahe wäre die Bandbiografie aber noch beim Endspurt gescheitert. Sein Laptopbildschirm war plötzlich schwarz. Aus, vorbei, alles kaputt. Etliche Stunden Interviewaufnahmen waren auf dem Rechner. „Das war ein Schocker“, sagt René Schiering. Doch er konnte die Daten retten, im September erscheint das Buch. „Wenn alles gut läuft, kann ich davon leben wie Charlie Harper.“