Duisburger schaffte Aufstieg von Förderschule zum Gymnasium

Seltene Schullaufbahn: Marcel Labs aus Laar brachte es  Förderschule bis zur gymnasialen Oberstufe.
Seltene Schullaufbahn: Marcel Labs aus Laar brachte es Förderschule bis zur gymnasialen Oberstufe.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit seiner Geschichte will Marcel Labs andere motivieren: Der junge Mann aus Laar (20) hat es geschafft von der Förderschule bis zur gymnasialen Oberstufe.

Duisburg.. Der Blick auf den Lebenslauf von Marcel Labs zeigt: Hier führte kein Weg direkt zum Ziel. Das hat der 20-Jährige aber immer klar vor Augen gehabt. Als Förderschüler begann er seine Schullaufbahn, jetzt ist er in der gymnasialen Oberstufe angekommen. Eine ziemlich seltene Karriere, auf die er stolz ist. „Ich will meine Geschichte erzählen, weil ich anderen Mut machen möchte“, sagt der junge Mann.

Seine frühe Kindheit war wohl nicht die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn. „Ich habe Dinge gesehen, die ich nicht hätte sehen sollen“, sagt er über sein familiäres Umfeld, in dem eine väterliche Bezugsperson fehlte. Der mit fünf Jahren schon 1,50 Meter große Junge fiel auch wegen eines Sprachfehlers auf unter den Gleichaltrigen. „Riesenbaby haben sie zu mir gesagt“, erinnert er sich, „ich war halt anders als die anderen.“

Sprache bleibt die Achillesferse

Vier verschiedene Kindergärten besuchte der Junge, als er schließlich mit sieben Jahren direkt auf der Alfred-Adler-Förderschule eingeschult wurde, blieb sein Sprachproblem ungelöst. Wohl auch, weil für die logopädische Therapie die konsequente Unterstützung aus dem Elternhaus fehlte. „Ich habe mich selbst anders gehört, meine Fehler nicht wahrgenommen, außerdem Wörter vertauscht“, sagt Marcel. Erst als er selbst daran arbeiten konnte, trat eine Verbesserung ein. „Aber mit 17 ist es eben viel schwieriger, Sprache richtig zu lernen.“

Unterfordert habe er sich gefühlt, auch nachdem er nach drei Jahren für weitere drei Jahre auf die Kranichschule (Förderschwerpunkt Sprache) wechselte, erinnert er sich. „Mathe konnte ich gut, das war alles ziemlich einfach, und in Deutsch war ich schlecht.“ Das Gefühl, mehr leisten zu können, habe ihn bis 2010 auch in den nächsten zwei Jahren auf der Essener Wilhelm-Körber-Schule begleitet, auch sie hat einen Schwerpunkt Sprache.

Fruchtbarer Wechsel

Fruchtbar war der Wechsel dennoch. „Ich konnte mich in Deutsch auf die Note zwei steigern, auch die Lehrer haben erkannt, dass ich mehr konnte“, berichtet Marcel Labs. Acht Schuljahre waren da schon vergangen. „Seit ich 13 Jahre alt war, wusste ich das eigentlich selbst“, sagt er. Doch ohne Lehrer, die einen Schulwechsel forcieren, und ohne Eltern, die darauf drängen, blieb er eben im Förderschul-System. Spät, nicht zu spät, konnte er doch noch durchstarten. Auf der Theodor-König-Gesamtschule machte er zunächst die Fachoberschulreife.

Eine „Fünf“ in Englisch – einzige schlechte Note auf einem ansonsten hervorragenden Zeugnis – verhinderte den Wechsel auf’s Abteigymnasium. Die Fremdsprachen bleiben die Achillesferse von Marcel Labs.: Im Englischen fehlen schon die Grundlagen, um sich noch nachhaltig zu verbessern. Eine zweite Fremdsprache, die in der Oberstufe hinzukommen muss,ist ein Risiko auf dem Weg zum Abitur, den er nun auf der Theodor-König-Gesamtschule eingeschlagen hat. Deshalb hat er sich parallel auch für einen Ausbildungsplatz als Chemikant beworben und Zusagen in der Tasche. „Ich muss mich jetzt entscheiden“, sagt Marcel Labs.

Ein Ziel habe er sich mit 13 Jahren gesetzt, erinnert er sich. „Ich wollte es als Förderschüler zum Medizinstudium schaffen.“ Dieser Traum, das weiß er heute, kann noch in Erfüllung gehen. „Aber nur, wenn ich nicht Latein lernen muss.“