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Duisburger rüsten nach den Silvester-Übergriffen auf

29.01.2016 | 08:00 Uhr
Duisburger rüsten nach den Silvester-Übergriffen auf
Gaspistolen, Schlagstöcke und Alarmgeräte: Petra Dittmar-Matzken (Waffen Dittmer-Brouns) muss seit den Übergriffen an Silvester in Köln und anderen Städten deutlich mehr Kunden beraten.Foto: Tanja Pickartz/ FUNKE Foto Services

Duisburg.   Bei der Duisburger Polizei gingen bereits drei Mal mehr Anträge auf den kleinen Waffenschein ein. Waffenhändler: "Kunden sind stark verängstigt."

Duisburg rüstet auf. Die Nachfrage nach Schreckschuss-Pistolen und Pfefferspray ist sprungartig gestiegen . Bei der Polizei gingen im Jahr bereits drei Mal mehr Anträge auf den kleinen Waffenschein ein als in den vergangenen Jahren zur gleichen Zeit.

Der einzige Waffenladen der Stadt kann sich vor Nachfragen kaum retten: Im Minutentakt kommen die Kunden in das Geschäft Waffen Dittmar und Brouns am Sonnenwall. Selbstverteidigungsartikel sind gefragt wie nie. Wer etwas kaufen will und beraten werden möchte, muss oft bis zu 20 Minuten warten. Eigentlich müsste Geschäftsführerin Petra Dittmar-Matzken sich freuen. Dem ist aber nicht so. „Die meisten Kunden sind stark verängstigt. So zu arbeiten, ist nicht unbedingt schön, sondern belastend“, erklärt sie. „Die Panik geht um nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln.“

Preise für Pfefferspray nach Silvester-Übergriffen sprunghaft gestiegen

Aus Duisburg und auch von weiter her kommen die Kunden, erklärt Dittmar-Matzken. „Viele kommen aus Köln, scheinbar hat man dort die Preise für Pfeffersprays drastisch erhöht.“ Vor 20 Jahren übernahm sie den Laden von ihrem Vater und führt das Geschäft seither mit ihrem Lebensgefährten Klaus Brouns. „Einen solchen Andrang wie jetzt gab es noch nie“, sagt sie. Von jungen Mädchen, die sich nicht mehr ohne Gasspray vor die Tür trauen, über kräftige Männer bis zu Senioren mit Rollator – Menschen aus allen Gesellschaftsschichten seien derzeit auf der Suche nach Möglichkeiten zum Selbstschutz.

Duisburger Polizei zählt fast 400 Anträge für kleinen Waffenschein

Schreckschusspistolen dürfen allerdings nicht ohne Weiteres in der Öffentlichkeit getragen werden. Dafür braucht man den kleinen Waffenschein, der bei der Polizei beantragt werden muss. Im Vorjahr wurden insgesamt 163 davon bewilligt.

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In den ersten drei Wochen des neuen Jahres hat es bereits knapp 400 Anträge gegeben. „Wir können aber noch nicht sagen, ob auch alle bewilligt werden“ erklärt Polizeisprecher Joachim Wawrzeniewski. In jedem Fall ist die Zahl der Anträge auffällig hoch: „Es sind etwa drei mal so viele wie sonst“, weiß Wawrzeniewski. Große Anforderungen an den Antragsteller gibt es nicht: „Die Personen müssen 18 Jahre alt sein und dürfen nicht in Strafverfahren verwickelt gewesen sein“, erklärt Wawrzeniewski.

Neben dem kleinen Waffenschein gibt es noch den großen. Dieser berechtigt zum Führen von scharfen Waffen und „wird nur in Ausnahmefällen ausgestellt. Beispielsweise für Mitarbeiter aus dem Security-Bereich“, so Wawrzeniewski. „Da kann man nicht einfach sagen, dass man Angst hat – man muss unmissverständlich belegen, dass man die Waffe braucht und tragen muss.“

Jäger „brauchen“ ihre Waffen auch, dürfen sie aber nicht frei mit sich führen. Für sie gibt es eine Waffenbesitzkarte. „Dann kann die Schusswaffe zu Hause verwahrt und bei der Jagd verwendet werden“, so Wawrzeniewski weiter. Außerhalb der eigenen vier Wände und abseits des Jagdgebiets darf die Waffe nicht getragen werden. „Auch im Auto muss sie im Koffer liegen und darf nicht schussbereit sein.“

Gestiegene Nachfrage für Kurse zur Selbstverteidigung

Die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen ist ebenfalls gestiegen – wenn auch nicht so stark wie bei den Waffen. Die Kampfkunst-Akademie Richter, die in Homberg, Buchholz und Meiderich Kurse anbietet, vermeldet beispielsweise ein leicht gestiegenes Interesse.

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Vor allem Frauen erkundigten sich oft: „Allerdings fragen sie nach Schnellkursen“, weiß Sifu Jens Richter. Darin lernen die Damen vor allem Selbstbewusstsein und Achtsamkeit. Das seien wichtige Grundvoraussetzungen. Die Sportschule bietet allerdings auch Selbstverteidigungsartikel an, die in diesem Januar so schnell vergriffen waren wie selten zuvor.

Auch im Tanzzentrum für orientalischen Tanz können Frauen lernen, sich selbst zu verteidigen. Leyla Jouvana möchte Frauen die Chance geben, einige Tricks ihres Bruders Tihomir Jovanovic zu lernen. Der Ninja-Meister bietet einen Kurs am Samstag, 27. Februar, von 14 bis 17 Uhr an. Kosten für Teilnehmer: 39 Euro.

Dennis Bechtel

Kommentare
31.01.2016
09:26
Duisburger rüsten nach den Silvester-Übergriffen auf
von ulrics | #3

Echt traurig, dass der Terroranschlag von Köln sein Ziel erreicht hat und dieser Artikel die Wirkung noch befördert.

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Duisburger rüsten nach den Silvester-Übergriffen auf
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2016-01-29 08:00
Duisburg, Waffen, Antrag, Polizei, Waffenschein
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