Duisburger Regelschulen sollen Förderschüler aufnehmen

Gemeinsamer Unterricht: Kinder mit und ohne Förderbedarf sollen künftig nicht nur in den Duisburger Grundschulen gemeinsam lernen.
Gemeinsamer Unterricht: Kinder mit und ohne Förderbedarf sollen künftig nicht nur in den Duisburger Grundschulen gemeinsam lernen.
Foto: STEPHAN GLAGLA / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das gemeinsame Lernen verändert das Schulsystem. Alle Regelschulen sollen bald Kinder mit Förderbedarf aufnehmen, die Zahl der Förderschulen sinkt.

Duisburg.. Sperriger Begriff, große Wirkung: Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz, nach heftigem Disput verabschiedet, setzt der NRW-Landtag die UN-Behindertenrechtskonvention um. Das Recht auf gemeinsames Lernen für alle Kinder löst eine tiefgreifende Veränderung im Schulsystem aus. Ein Teil der städtischen Förderschulen wird in den nächsten Jahren schließen, weil künftig alle Grundschulen und weiterführenden Schulen auch Kinder mit Förderbedarf und Behinderungen aufnehmen werden.

Keine Schließungspläne

Die Inklusion werde nicht mit der Brechstange umgesetzt, versprach Schuldezernent Thomas Krützberg am Dienstagabend bei einer Diskussion mit der Duisburger CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt. „Wir versuchen, einen breit aufgestellten Konsens zu erreichen, der Schülern, Lehrern und Eltern gerecht wird.“ Ein Konzept für erste Schritte soll der Schulausschuss am 27. März beschließen. Seriosität gehe dabei vor Geschwindigkeit, betonte Krützberg. „Wir betreiben keine Förderschul-Schließungsplanung und beraten Eltern nicht einseitig in Richtung Regelschul-Besuch.“

Die Worte des Beigeordneten hörte die Landtagsabgeordnete gern. „Wir können uns nur auf den Weg machen, wenn zumindest der heutige Standard gewahrt bleibt“, mahnte Vogt, selbst Lehrerin. Das Gesetz habe Mängel, bei Gebäuden, Personal und Weiterbildung gebe es großen Verbesserungsbedarf.

Mit dem Umbau des Systems will die Schulverwaltung ansetzen bei den Förderschulen mit Schwerpunkt „Lernen“ (siehe Text unten). Deren Schüler sind am leichtesten ins Regelsystem zu überführen, glauben die Fachleute, deren gemeinsame Arbeit in vier Planungsforen (Nord, Süd, West, Ost) Krützberg lobte.

Der Förderschwerpunkt „Sprache“ lasse sich nicht komplett inklusiv überführen, deshalb sollen „stabile Schulen als temporäre Förderorte“ vorläufig bestehen bleiben. Beratungsbedarf haben die Foren zur Zukunft der Schulen mit dem Schwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“. Sie verfügen über „hohe Kompetenz“, heißt es in der Vorlage für die Politik. Außerdem gebe es „hohe Unsicherheiten im Umgang mit der Beschulung dieser Kinder im Regelschulsystem“.

Er zweifele nicht daran, dass die obere Schulaufsicht diesen Wege mitgehen werden, begegnete Thomas Krützberg den Zweifeln von Petra Vogt. Deutlich macht der Schuldezernent aber auch, dass es ohne finanzielle Hilfe und die nötige Ausstattung mit Personal nicht geht: „Dann werden wir scheitern mit der Inklusion.“

Umbau beginnt in Schulen mit Schwerpunkt „Lernen“

Der Umbau des Förderschulsystems beginnt zum Schuljahr 2015/16 bei den Schulen mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“. Hier eine Übersicht über die derzeitige Planung für die betroffenen Schulen in den Stadtbezirken.

Dittfeldstraße (Walsum)

Die Förderschule soll sich mit der Realschule Fahrn in diesem Schuljahr erstmals als Schule für Gemeinsames Lernen (GL) auf einen gemeinsamen inklusiven Weg machen. Dazu soll ein Konzept erarbeitet werden, das den Aufbau der Realschule als Schwerpunkt in den nächsten zwei, drei Jahren ermöglicht. Die Förderschule würde nach Abschluss des Prozesses auslaufen.

Bruckhauser Straße (Meiderich)

Die Förderschule soll schon ab dem nächsten Schuljahr in die Theodor-König-Gesamtschule aufgehen, die bereits Erfahrungen mit inklusiver Beschulung gemacht hat. Voraussetzung für eine Schließung der Förderschule zum Ende des laufenden Schuljahres ist, dass der Übergang von Kompetenz und Transfer an die Gesamtschule rechtzeitig gelingen kann. Die Gesamtschule würde dann inklusive Schwerpunktschule mit regionaler Beratungsfunktion, eine Zweigstelle an der Bruckhauser Straße soll vorläufig bleiben.

Pestalozzi- und Dahlingschule (Homberg/Rheinhausen)

Beide Schulen liegen derzeit unterhalb der geforderten Mindestschülerzahl von 144 für die Weiterführung, die Homberger Pestalozzischule trotz des gekoppelten Schwerpunkts „Sprache“ sogar deutlich. Um den Standort Dahlingschule in Rheinhausen zu stabilisieren, soll die Pestalozzischule nach Ende des laufenden Schuljahres geschlossen werden.