Das aktuelle Wetter Duisburg 23°C
Stadtgeschichte

Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet

22.01.2013 | 08:00 Uhr
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
Auch im Goldenen Buch der Stadt steht der Name Hindenburgs.Foto: Geinowski.Friedhelm

Duisburg.  Es war ein eher symbolischer Akt: Der Rat der Stadt hat am Montag mit einem einstimmigen Beschluss die 1917 an den ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg verliehene Ehrenbürgerschaft für beendet erklärt. Auslöser war die Ernennung Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler.

Der Rat der Stadt hat am Montag mit einem einstimmigen Beschluss die 1917 an den ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg verliehene Ehrenbürgerschaft für beendet erklärt.

In dem ursprünglichen Antrag von SPD, Linken und Bündnisgrünen sollte Hindenburg, der als einer der Steigbügelhalter Hitlers gilt, die Ehrenbürgerschaft entzogen werden. Erst nach Antragstellung stellte sich allerdings heraus, dass das rein protokollarisch gar nicht nötig ist. Denn nach der Ehrensatzung der Stadt Duisburg erlöschen Ehrenbürgerschaften grundsätzlich mit dem Tod des Geehrten; Hindenburg starb 1934. Mithin ist Alt-Oberbürgermeister Josef Krings eigentlich der einzige der 12 Duisburger Ehrenbürger .

Auslöser war die Ernennung Hitlers am 30. Januar 1933

Weitere Wundersamkeiten in Sachen Ehrenbürgerschaft: Auch eine Aussprache über die Ehrenbürgerschaft bzw. ihre Aberkennung hätte es im Rat nicht öffentlich geben dürfen. Nach entsprechende Gerichtsurteilen zu Persönlichkeitsrechten dürfen solche Debatten nur nicht-öffentlich erfolgen . So beschränkte sich der Rat gestern also darauf, ohne jede Aussprache festzustellen, dass für Hindenburg keine Ehrenbürgerschaft mehr besteht.

Auslöser für den rot-rot-grünen Vorstoß war die Ernennung Hitlers am 30. 1. 1933 zum Reichskanzler durch Hindenburg. Außerdem hatte Hindenburg, so der Antragstext, „eine Reihe von Maßnahmen erlassen, die den Weg in die nationalsozialistische und terroristische Diktatur ebneten“. Als „demokratische und weltoffene Stadt sollte auch Duisburg die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs aberkennen, hieß es in der Vorlage.

Viele Ehrungen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aberkannt

Duisburg hatte Hindenburg zu dessen 70. Geburtstages 1917 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Wie viele andere Städte auch, so zum Beispiel Bochum oder Bremen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Ehrungen von etlichen Städten wieder aberkannt, so u.a. von Dortmund (1980), Gelsenkirchen (1945), Köln (1989), München (1946) und Stuttgart (2010). In vielen anderen Städten (unter anderem Kiel, Koblenz, Berlin, Bochum) gab es keine offiziellen Beschlüsse dazu.

Stadtgeschichte
Hindenburg soll nicht länger Duisburgs Ehrenbürger sein

Anlässlich seines 70. Geburtstags hatte die Stadt Duisburg Paul von Hindenburg im Jahr 1917 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Nun möchte der Rat der Stadt sie ihm wieder aberkennen. Schließlich habe sein Handeln den Weg in die nationalsozialistische Diktatur geebnet.

 

Mit Duisburg verbindet sich noch eine besondere Hindenburg-Geschichte: Duisburgs Oberbürgermeister Karl Jarres (1914-1933) hatte 1925 bei der Reichspräsidentenwahl trotz der meisten Stimmen im ersten Wahlgang zugunsten Hindenburgs auf den zweiten Wahlgang verzichtet.

Oliver Schmeer


Kommentare
22.01.2013
20:01
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von schRuessler | #31

Ob das jetzt nötig war oder nicht, da kann man ncoh stundelnlang drüber diskutieren.
Aber Duisburg steht ja nicht alleine damit. Zuletzt vor 3 Jahren gab es die gleiche Geschichte in Stuttgart und da regierte damals noch die CDU. Außer einem REP-Politiker stimmten alle für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft.

Jorgel | #26
Was hat jetzt Hitlers Geburtstag (20. April) damit zu tun?

22.01.2013
16:46
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von akaz | #30

Eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft, die schon längst erloschen ist, das ist stark. Der Rat der Stadt DU redet und beschließt Sachen, die er überhaupt nicht versteht. Das sollte uns zu denken geben.
Erst ein großes Brimborium, dann kommen politische Gegner auf die gleiche Idee, und schon muss umgeschwenkt werden. Manche Entschuldigungen sind auch so was von krass, dass man sich hüten sollte, diese anzuführen.
Nun zu von Hindenburg. Die Ehrenbürgerschaft wurde verliehen in dem Wahn, den Krieg noch zu gewinnen, lange vor Adolf. Hindenburg hat von dem Menschen Hitler nie etwas gehalten. Er ist aber, wie vielen andere auch, dem Wahn verfallen, ihn in Schach zu halten, wenn er nur in der Öffentlichkeit steht. Übrigens hat sich SPD auch verweigert, aber da ging es wohl in erster Linie gegen die Kommunisten (Bolschewiken).
Bei Sebastian Haffner gibt es viel zu diesem Thema zu lesen (Germany: Jekyll & Hyde).
Übrigens die Sendung bei arte ist für die Beurteilung sehr hilfreich.

22.01.2013
16:04
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von Advocatus | #29

Wo genau steht in der Ehrensatzung der Stadt Duisburg, dass mit dem Tode eine Ehrenbürgerschaft "erlöscht"? Entweder hat da die WAZ schlecht recherchiert oder im Rat herrscht nunmehr völlige Verwirrung. Oder beides?
Die Ehrensatzung kann übrigens auf duisburg.de unter "Ortsrecht" eingesehen werden, wenn mans nicht glaubt. Nach dieser Satzung könnte sogar postum die Ehrenbürgerwürde zugesprochen werden.
Da damit die bloße "Feststellung" des Rates ins Leere geht, ist Hindenburg wohl doch noch Ehrenbürger, oder? ;-)

22.01.2013
16:01
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von Pucky2 | #28

Deutsche Politiker sind nur noch peinlich und geschichtsvergessen. Die Geschichte kann nicht umgeschrieben werden, auch wenn George Orwell mit 1984 ein Beispiel gegeben hat.
Hindenburg auf eine einzige politische Handlung zu verengen ist total lächerlich. Wenn muss sein ganzen Wirken, zwar kritisch, aber auch im historischen Kontext, bewertet werden.

Dann sollen mir mal die Schlaumeier des Stadtrates erklären, was er 1933 als Reichspräsident denn hätte anders machen sollen, bei den Machtverhältnissen im Reichstag. Selbst von ein DNVP-Politiker den Reichskanzler-Posten bekommen hätte, die NSDAP war aber nun mal in der Regierungskoalition.
Traurig und beschämend für unseren Staat sind solche Politiker, die im Nachhinein die Geschichte umschreiben und schönen wollen.

2 Antworten
Alternativen?
von Hagrid | #28-1

Er hätte dem Ersuchen Schleichers stattgeben können, den Reichstag aufzulösen und eine längere Frist bis zur Neuwahl zu gewähren. Das wäre einer (befristeten) Diktatur des Generals von Schleicher gleichgekommen, der in jedem Fall gegen Hitler eingestellt war (und am 30. Juni 1934 ermordet wurde).
Historiker diskutieren die These, dass die NSDAP nur noch durch den Eintritt in die Regierung gerettet worden sein könnte.

Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von Hagrid | #28-2

Nachtrag: die NSDAP war bis zum 30.1. 33 eben nicht in der Regierung.

22.01.2013
15:12
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von buntspecht2 | #27

Wäre es nicht einfacher Duisburg um zu benennen ?

22.01.2013
14:49
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von Jorgel | #26

Danke an die Duisburger SPD, Grüne und Linke, dass sie mit diesem vollkommen überflüssigen und dazu noch rechtlich unzulässigen Versuch der öffentlichen Entziehung der Ehrenbürgerschaft eines bereits Verstorbenen, mehrfach ausführlich an den Geburtstag Hitlers erinnert haben. War dieser doch den meisten Bürgern gar nicht mehr gegenwärtig...

Vielleicht machen sich diese Witzfiguren mal über die rechtliche Situation schlau, bevor sie protokolarisch nicht zugelassene Anträge stellen - und sich auf der ganzen Linie lächerlich machen...

22.01.2013
14:32
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von scouti | #25

Straßen, Wege und Plätze sollten m. M. nach gar nicht mehr nach Personen benannt werden, sondern z. B. nach Gemarkung, Flurnamen usw. (notfalls nach Blumen, Pflanzen, Vögeln, anderen Tieren).

22.01.2013
14:12
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von bloss-keine-Katsche | #24

Es gibts nichts wichtigeres als das ganze rechte, anidemokratische Denken und Wirken aus unserer Gesellschaft zu verdrängen.
Gückwunsch an den Rat!

22.01.2013
14:06
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von wanne-eickel123 | #23

Die Stadt Duisburg hat ja auch keine anderen Probleme.
Man sollte sich lieber mit so etwas beschäftigen :-)))))))
PRIMA, Daumen hoch!!!!

22.01.2013
13:52
Duisburger Rat erklärt Hindenburgs Ehrenbürgerschaft für beendet
von Pokemon2013 | #22

Die Provinzposse ist nun also beendet! Und keiner der Beteiligten hat gemerkt, wie man sich der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

Aus dem Ressort
Preis für Ralph Morgenstern beim Duisburger CSD
Chistopher Street Day
Auf der Bahnhofsplatte wurde ausgelassen gefeiert, es gab aber auch nachdenkliche Töne. Preisträger Ralph Morgenstern : „Seid laut und kämpft für eure Rechte.“
Taschendiebstahl: Bundesweit liegt Duisburg im Mittelfeld
Kriminalität
Im Gegensatz zum Bundestrend nahm die Zahl der Taschendiebstähle in Duisburg sogar ab. Aber auch im letzten Jahr zählte die Polizei 1121 Delikte. Die Aufklärungsquote ist nur gering, denn häufig sind reisende Banden die Täter.
Unfall in Duisburg-Homberg: Autofahrerin (48) stirbt
Unfall
Eine 48-jährige Frau ist in Duisburg in der Nacht zu Sonntag tödlich verunglückt. Sie war mit stark überhöhter Geschwindigkeit im Stadtteil Homberg unterwegs, als sie gegen 2.45 Uhr ungebremst gegen die Kante eines Mehrfamilienhauses prallte. Die Ursache des Unfalls ist bislang ungeklärt.
Erneute Polizei-Razzia in Duisburg-Marxloh
Polizei
Erneut hat die Polizei eine Razzia in zwei Vereinslokalen in Marxloh durchgeführt: Dabei gab es am Freitagabend vier vorläufige Festnahmen und vier Strafanzeigen. Die Beamten überprüften 53 Personen, erteilten mehrere Platzverweise und schlossen zusammen mit dem Sonderaußendienst des Ordnungsamtes...
Nach Verhaftung in Moskau - Duisburger CSD fordert Handeln
Homophobie
Nach der Verhaftung eines 24-jährigen Russen in Moskau fordern die Ausrichter des Duisburger CSD die Stadtspitze im Rathaus zum Handeln auf. Die Stadt solle die aktuelle Situation von Homosexuellen in Russland verurteilen. Die Lage in Russland müsse wieder stärker wahrgenommen werden.
Duisburg und die A59-Sperrung
Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

 
Fotos und Videos
Käfertreff am Töppersee
Bildgalerie
Käfertreffen
430 Läufer beim TV Homberg
Bildgalerie
Rheindeichlauf
300 demonstrieren für DJK
Bildgalerie
Vereinsleben
Lacrosse
Bildgalerie
Sportarten